Montag, 5. Mai 2008

Mein erster Urlaub in Paris

Endlich, nach 3 Monaten Planung und ständiger Verschiebung des Termins, war die Reise nach Paris fest gebucht und wurde letzten Sonntag am 27. April verwirklicht. Spontan hatte sich Pia, die neue Freiwillige aus Deutschland entschieden, mich und Celine nach Paris zu begleiten und so trafen wir uns am Sonntag Mittag zu dritt am Bahnhof in Lux.

Da der Bus nach Paris am Montag Morgen um 7 Uhr vom belgischen Lüttich aus startete, mussten wir bereits am Sonntag zu Celine nach Hause ins belgische Eupen fahren und dort übernachten, da Montag Morgens so früh keine Züge nach Belgien fahren. In Eupen hieß es früh schlafen gehen, früh aufstehen und jede Menge Brot für die Fahrt schmieren.

Die Reise nach Paris:
Die Hinfahrt war unspektakulär. Aber wie ich da so saß, aus dem fahrenden Bus schaute und realisierte, dass ich gerade nach PARIS reise, überkam mich ein unglaubliches Gefühl von Stolz und Glücklichkeit, dass ich mir diese Reise selbst ermöglicht und erarbeitet hatte. Die Tatsache, dass ich momentan so viel erleben kann, ist nur das Resultat von einer Reihe glücklicher Zufälle und dem Mut, mich beworben zu haben und tatsächlich hier her gekommen zu sein. Ich hatte mein Leben ohne Hilfe selbst in die Hand genommen, das wurde mir in diesem Moment bewusst und gab mir einganz komisches Gefühl im Bauch.

Tag 1:
Aber Schluss mit der Sentimentalität. In Paris angekommen, hat es noch eine Stunde gedauert zu entscheiden, welche Metro-Tickets wir für unseren 5tägigen Aufenthalt kaufen werden, da man ohne Metro in Paris nicht weit kommt.
Die Verkäuferin am Ticket-Schalter wollte uns ein Ticket für 5 Tage und alle Zonen Paris’ für 47€ (!!!) andrehen. Nach langem Suchen haben wir ein Ticket für 5 Tage, die drei wichtigsten Zonen und nur 27€ gefunden, das uns auch noch Rabatt für zahlreiche Sehenswürsigkeiten verschafft.
Kaum in der Jugendherberge angekommen, haben wir unsere Taschen aufs Bett geschmissen, Klamotten gewechselt und sind zum Eiffelturm geflitzt! Die ganze Zeit über hatten wir ein glückliches Kribbeln im Bauch, dass wir tatsächlich in Paris sind!
Der erste Blick auf den Eiffelturm war ernüchtern: das Ding ist weder besonders hübsch bei Tage, noch so groß, wie wir ihn uns vorgestellt hatten. Doch je näher man kam, desto größer schien er zu werden und bei Nacht war sein Anblick traumhaft. Am Montag war fast keine Menschenseele am Eiffelturm gewesen. Kaum jemand wollte hoch, es gab keine Schlangen und dennoch entschieden wir uns, an einem anderen Tag hinauf zu gehen, da wir doch sehr erschöpft und müde waren.
Nach dem Eiffelturm ging’s zur Außenbesichtigung des Louvre, dem riesigen Pariser Museum, für dessen vollständige Innenbesichtigung man mindestens 3 Tage benötigt und in dem übrigens auch die Mona Lisa hängt. Abends ging es nach einem kurzen Spaziergang über die Champs Eyleés (gesprochen: Schoaselisee), die fast 2 km lange Prachtstraße von Paris, wieder zurück zum Eiffelturm, um die allabendliche, 10minütige Lichtshow zu jeder vollen Stunden ab 20 Uhr zu sehen. Hier „erfanden“ wir auch schon die „Sprungfotos“, also die Fotos, auf denen wir vor jeder Sehenswürdigkeit in die Luft springen.
Den ersten Tag haben wir also nur zum schauen, Fotos machen und Orientieren in der Metro und der Stadt genutzt.

Die Jugendherberge:
Unser Zimmer in der Jugendherberge haben wir mit 6 Mädchen geteilt, weshalb es nicht sehr komfortabel im Zimmer war. Ständig kam nachts jemand aus der Stadt zurück, wenn man schlafen wollte oder verließ zu früh morgens das Zimmer, wenn man immer noch schlafen wollte. Immer wurde man wach. Das Schlimmste war jedoch das Ohren betäubende Schnarchen der anderen, das mich fast komplett um den Schlaf gebracht hat…Glücklicher Weise hat Paris meine Adrenalin-Produktion so sehr angeregt, dass ich tagsüber nichts von der Müdigkeit spürte.
Weiteres Manko der Jugendherberge, mit dem ich keine Bekanntschaft gemacht habe, war, dass die Wassertemperatur der Duschen nicht verstellbar war und das Wasser dann so heiß war, dass sich Celine und Pia verbrüht haben. Seitdem sind wir in die großen, komfortablen Behinderten-Duschen gegangen, die alles boten, was man sich wünscht..

Das Essen:
An Tag zwei machten wir Bekanntschaft mit dem grauenvollen, französischen Frühstück. Es gab lediglich weißes Baguette-Brot und Marmelade, sowie ein bisschen Butter. Kein Käse, keine Wurst…nichts. Nur Marmelade. Um mir Brot für den Tag zu schmieren, habe ich mir dann im Supermarkt nebenan Käse gekauft.
Auch nach dem Frühstück mussten wir 3 feststellen, dass das Essen für die nächsten 5 Tage für uns zu wünschen übrig lassen wird. Die französischen Menüs konnten und wollten wir uns nicht leisten und so war das einzig Erschwingliche, das auch dauerhaft satt machte, das Essen bei McDonalds, im Döner Kebab oder, nachdem wir keine Pommes mehr sehen konnten, beim Chinesen.
Einmal haben wir den Fehler gemacht, zu Mittag in der Jugendherberge zu essen. Dort konnte man wählen zwischen einer Hauptspeise für 4,90€ und einem Menü, also Vor- Haupt- und Nachspeise, für 10€. Da die Vorspeise aus einer Tomate oder Scheibe Melone bestand und das Dessert ein winzig kleiner Muffin war, haben wir dankend darauf verzichtet, dafür 5€ mehr zu bezahlen. Die Hauptspeise bestand dann aus zu wenig Nudeln und einer Fertig-Bolognese - Soße, die in purem Fett schwamm…*irx*. Einmal und nie wieder…

Tag 2:
Wie jeden folgenden Tag auch, haben wir den Dienstag bis zum Anschlag voll gestopft, um so viel zu sehen, wie es nur irgend möglich ist. Durch einen Flyer in unserem Zimmer, wussten wir von einer kostenlosen „Sight-Seeing-Tour“ zu Fuß durch Paris.
Um 11 Uhr standen wir bereit am Treffpunkt und nahmen daran teil. Unser Guide war George, ein Amerikaner, der viel zu viel private Geschichten in die Tour mit einfließen ließ und uns 4 Stunden lang durch Paris geführt hat. Allein durch diese Tour konnten wir schon 20 Sehenswürdigkeiten abhaken. Der Haken an der Sache war jedoch, dass es die vollen 4 Stunden durchregnete. Unsere Stoffschuhe, unsere Socken und unsere Füße waren darauf nicht vorbereitet gewesen. Keiner von uns hatte aus Platzmangel Wechselschuhe mit nach Paris genommen. Da wir den gesamten Tag bis Nachts noch mit nassen, durchgeweichten Schuhen, Strümpfen und Füßen durch die Stadt liefen, hatten wir, vor allem ich, für die folgenden 3 Tage dicke, geschwollene, aufgeweichte, furchtbar schmerzende und glühend heiße Füße, mit denen ich zuerst nur noch humpeln konnte :o)
Nach der Tour begaben wir uns in das Pariser Wachsfiguren Kabinett „Musée Grévin“, das jedoch von der Qualität her nicht zu vergleichen war mit dem Londoner Kabinett Madame Tussauds. Nach einer total schönen, kleinen Lichtschow in einem stockdüsteren Raum, ging es ins Kabinett. Ich sah Bruce Willis, Julia Roberts, Romy Schneider, Sean Connery, viele Präsidenten, Schwarzenegger, Jackie Chan, Monica Bellucchi, Robert Redford, den alten Papst, die Queen, Einstein, Hemingway, Jean-Paul Sartre, Jimi Hendrix, Elton John, Dick und Doof, Spider Man und viele, viele mehr….niemand sah seinem Original zum Verwechseln ähnlich, so dass man meistens erst die Namensschilder lesen musste, um die Figuren zu erkennen. Dennoch war es sehr lustig.
Zum Abschluss des Abends gingen wir zum Moulin Rouge, das für mich leider nur Enttäuschung barg. Es war klein, unauffällig und in einer ganz normalen Straße eingebunden. Irgendwie nicht so besonders, wie ich es mir vorgestellt hatte. Der Eintritt kostete 74€ bis 140€, je nachdem, welches Programm man sehen wollte…
Da es sonst nichts zu sehen gab dort, war es nach dem Moulin Rouge noch zu früh, um nach Hause zu gehen und so beschlossen wir uns nachzuschauen, ob die berühmte Kirche Sacre Coer (gesprochen Sackre Köhr) vielleicht noch geöffnet hat.
Als das Sacre Coer jedoch schon in Sichtweite war, wurden wir aufgehalten von der Touristenmeile auf dem Weg dorthin. Plötzlich wurde der Kirchenausflug zu einem Shoppingausflug, nachdem wir viel geschaut und gekauft hatten und keine Zeit mehr fürs Sacra Coer war. Aber egal…wir waren glücklich :o)

Tag 3:
Der Mittwoch war der mit Abstand vollste Tag und das auch noch ausgerechnet dann, als meine Füße so furchtbar weh taten. Morgens gingen wir zum Pantheon. Ja genau dem Pantheon, das auch in Rom steht und das aus irgend einem, mir unbekannten Grund in Paris etwas größer nachgebaut wurde. Jetzt brauche ich also nicht mehr nach Rom, wenn ich das Pantheon sehen möchte.
Die Größe war wirklich atemberaubend, genauso wie die bunten Fenster und die großen Fresken an Wänden und Decke. In der Mitte unter der großen Kuppel befand sich wieder dieses riesige Foucaultsche Pendel, das wir auch schon einmal in Magdeburg im Jahrtausendturm und im Dom hatten und das beweist, dass sich die Erde dreht.
Mittags schauten wir anschließend beim Notre Dame vorbei. Wir waren nicht drin, denn die Schlange war zu lang und draußen war wunderschönes Wetter. Auch hierzu gibt es wieder Sprungfotos :o)
Am frühen Nachmittag gingen wir zum Montparnasse, einem großen, schwarzen Hochhaus, das mitten im sonst so hellen und meist weißen Paris steht. Es hat 59 Etagen, ist höher als der Eiffelturm und dient den Touristen als Aussichtsplattform. Auch hier kann ich die Aussicht nur als atemberaubend beschreiben, die allerdings auch Paris’ „kleine Größe“ offenbarte. Ich hatte mir nie Gedanken darüber gemacht, aber mit gerade einmal ca. 2,1 Millionen Einwohnern ist Paris nicht einmal halb so groß wie Berlin mit über 5 Millionen. Vom Montparnasse aus konnte man in jede Richtung das Ende der Stadt Paris erkennen.
Nach der tollen Aussicht war der Tag jedoch noch lange nicht vorbei. Wir hatten uns vorgenommen zwischen 17 und 18 Uhr im Louvre zu sein und so blieb noch etwas Zeit für eine andere Kleinigkeit.
Wir entschieden uns nach Les Halle (gesprochen: Lehsall) zu fahren, ohne zu wissen, was es ist, einfach nur, weil die französische Freiwillige Delphine mir sagte, ich sollte mir das mal anschauen. Es stellte sich als unspektakuläres Einkaufszentrum heraus, mit spektakulärer, wunderschöner, grüner Umgebung mit jeder Menge Touristen und einem extravagant aussehendem Museum. Dort fanden wir dann auch Pias wie verrückt gesuchten Strawinsky-Brunnen.
Abends kam dann der Kulturschock im Louvre. Das Louvre ist so riesig, da es eine gesamte Straße lang und noch dazu in U-Form ist. Auf den 5 Etagen werden 35000 Exponate (!), wie z.B. Gemälde und Skulpturen, ausgestellt, zu jedem Exponat eine Tafel, die beschreibt was man sieht und die ich ohne ein schlechtes Gewissen zu haben glücklicher Weise nicht lesen konnte, da alles auf französisch war. Ich lief mir die angeschwollenen, schmerzenden Füße platt, verlief mich wie viele Menschen mehrmals und war manchmal verzweifelt, da ich trotz Louvre-Plan keine Ahnung hatte, wo ich war. Dreimal stand ich im Fahrstuhl, drückte auf eine Etage und musste anhand der sich nicht schließenden Fahrstuhltüren feststellen, dass ich bereits in der gewünschten Etage bin, ohne jedoch nachvollziehen zu können, wie das unbemerkt passieren konnte.
Da jeder etwas Unterschiedliches sehe wollte und unsere Füße nur eine unterschiedliche Geschwindigkeit erlaubten, gingen wir drei getrennt und trafen uns manchmal zufällig, von Mal zu Mal kaputter. Celine war „körperlich total am Ende“, wie sie mir sagte und auch meine Auffassungsgabe für Kunst war um 22 Uhr, als das Louvre schloss, total ausgeschöpft!
Gesehen habe ich unter hunderten anderen Sachen die Mona Lisa, viele Gemälde von Monet und Renoir, wertvolle Skulpturen wie die Jungfrau von Milo (Aphrodite) und Amor und Psyche, total interessante Fundstücke aus Ägypten sowie Sarkophage und die Statue von Ramses, wunderschöne Kronjuwelen von Ludwig XV. (die will ich auch haben!), die unfassbaren Gemächer von Napoleon III. und die berühmte Glaspyramide des Louvre.

Tag 4 :
Am Donnerstag stellte sich heraus, dass es die blödeste Idee war, am Montag die Besteigung des Eiffelturms auf den Donnerstag zu verschieben. DENN…der Donnerstag war der 1. Mai und die Stadt unglaublich voll mit Touristen, die für ein verlängertes Wochenende nach Paris kamen! Plötzlich standen Tausende Menschen an für den Eiffelturm, was unseren Zeitplan sehr durcheinander brachte und nicht gut war für die leidenden Füße :o)
In der Schlange warteten wir fas eine Stunde lang nur darauf, erst mal in den Eiffelturm rein zu kommen. Dann hieß es 700 Stufen und 115 Meter bergauf laufen bis zur zweiten Plattform des Eiffelturm, was auch erst mal problemlos funktionierte. Der Eiffelturm hat allerdings 3 Plattformen. Die unterste in 57m Höhe war noch ganz easy zu erreichen, zu der Höchsten in 290 Metern Höhe gelangt man jedoch nur noch mit Fahrstuh.
Vor dem Anstellen für den Fahrstuhl nach ganz oben nur noch schnell eine halbe Stunde vor der Toilette warten (ja in Eiffelturm gibt’s Toiletten) und ab ging’s in die längste Schlange für den Fahrstuhl:o)
Bei dem fast 2stündigen Warten in 115 Metern Höhe wurde mir mehr als einmal sehr unwohl, aufgrund meiner Höhenangst. Im Eiffelturm ist ja alles nur Gitter, was heißt, dass man die ganze Zeit alles sieht: Ganz Paris und auch den Weg bergab, sowie an manchen Stellen den Grund unter den Füßen…*bibber*.
Außerdem war es sehr kalt, sehr windig, sehr ungemütlich und es regnete sogar zeitweise. Beeindruckend war zu sehen, wie eine große, graue Regenwand auf uns zuraste und sich kurz vorm Turm auflöste :o)
Leider haben sich in der Schlange ständig irgendwelche reichen Bonzen vorgedrängelt. Eine Familie hat den Fehler gemacht, das neben mir zu tun. Als ich anfing sie zurecht zu weisen, dass sie sich hier ganz plötzlich wieder verziehen sollen und hinten anstellen können, wurden sie vom Personal weggeschickt :o) *haha…ätsch*
Die Fahrt mit dem gläsernen Fahrstuhl nach oben war nervenaufreibend…da blieb mir schon ein Klos im Hals stecken. Oben angekommen befand sich eine keine Außen- und Innenplattform, die einmal mehr einen tollen Blick über die Stadt boten.
Das Schlimmste war der Abstieg vom Eiffelturm, endlich nach fast 4 Stunden, die wir brauchten um hoch zu kommen. Runter hat hingegen nur 10 Minuten gedauert, bei denen mir durch die vielen Stufen und das ständige nach unten auf den Grund gucken sehr mulmig und zittrig zumute wurde. Danach war ich erst mal eine Stunde im Eimer.
Dennoch sind wir ohne Pause wieder zum Sacre Coer gegangen, um es bei Tag zu sehen. Das Problem: Das Sacre Coer ist auf einem Berg mit viiiielen Treppen :o) Oben angekommen war ich zu fix und alle, um mich noch einmal anzustellen, um hinein zu gehen. Ist ja nur eine weitere Kirche…
Außerdem wusste ich, dass wir noch jede Menge vor hatten. Um 18Uhr begann nämlich eine weitere kostenlose Führung durch Paris zu Fuß, an der wir teil nehmen wollten. Wieder war George unser Guide und wieder überzog er und ließ uns 3 statt 2 Stunden laufen. Gelohnt hat es sich trotzdem. Zum einen haben wir wieder zahlreiche wunderschöne Ecken von Paris gesehen und zum anderen sind wir mit der Gruppe ins Sacre Coer gegangen :o)
Und dieses ganze Rumgelaufe und Treppen Steigen war für uns immer noch nicht genug gewesen. Nach der Führung machten wir uns auf zum anderen Stadtrand zur Grand Arche, einem riesigen, eigenwillig aussehenden Gebäude, das ebenfalls beeindruckend war. Wir schossen jede Menge lustige Fotos, die einem wirklich die Tränen vor Lachen in die Augen treiben, und kamen um halb 1 endlich in der Jugendherberge an! Meine armen Füße….

Tag 5:
Am letzen Tag, dem Freitag, waren wir alle drei allein, jeder für sich in Paris unterwegs. Jeder wollte etwas anderes sehen und so hätten wir es zusammen niemals geschafft. Diese Zeit allein in Paris, an einem Punkt, wo man die Stadt bereits so gut kennt, dass man nicht mehr auf den Metro-Plan gucken muss, sich blind zurecht findet und kein Tourist mehr ist, habe ich sehr genossen. Auch die anderen beiden Mädels fanden es toll.
Während Céline zum Schloss Versailles gefahren ist und Pia unter anderem ins Notre Dame ging, bin ich auf dem berühmten Promi-Friedhof Pére Lachaise gewesen. Dort habe ich mir angesehen, wie Edith Piaf, Oscar Wilde, Jean de la Fontaine und Balzac so gebettet sind :o) Leider habe ich überlesen, dass James Morrison dort auch liegt, sonst hätte ich mir den glatt auch noch angeschaut.
Anschließend bin ich wieder in die Touristen-Shopping-Straße gegangen, um einen Teil meines Restgeldes für Geschenke und Mitbringsel auszugeben. Nachmittags traf ich mich dann mit Pia und Celine wieder am Eiffelturm, wo wir endlich auch Fotos bei Tage machten. Zum Abschluss gingen Pia und ich noch auf die Luxus-Insel St. Louise, die mitten in der Seine liegt und die wir uns nur 5 Minuten anschauen konnten, da wir zurück zur Jugendherberge mussten.
Wieder hieß es 6 Stunden Busfahrt zurück nach Belgien, zu Celine nach Hause nach Eupen. Als der Bus ankam, hatten wir nur noch 15 Minuten, um unseren vorerst letzten Zug nach Eupen zu erreichen und so rannten wir los, kaum, dass wir angekommen waren. Dieser Tatsache habe ich es zu verdanken, dass ich meinen wunderschönen, heiß geliebten, ganz neuen, schwarzen Mantel im Bus vergas, in dessen Jackentasche natürlich meine Jahreskarte für den luxemburgischen Bus war :o(
Ich ging fest davon aus, dass der Busfahrer die Jacke finden und zum Fundbüro geben würde, aber er hat sie sich wohl selbst eingesteckt. Denn obwohl wir am Samstag nach der Ankunft das Busunternehmen 3 Mal anriefen, meinten die nur, dass der Bus leer gewesen sei, was nicht möglich ist. Stellt sich die Frage, ob sie überhaupt wirklich nachgeguckt haben. Jetzt muss ich mir jedenfalls einen neuen Mantel und eine neue Karte kaufen. Naja…es kann ja nicht alles perfekt laufen.

Meine Mitbringsel:
Meine Mitbringsel sind zahlreiche Postkarten, Fotos und Poster, ein T-shirt, eine Tasche, eine Kette, ein Paar Ohrringe, zahllose Flyer von allen Sehenswürdigkeiten, die wir besucht haben, ein Gigabyte Fotos von mir und den beiden Mädels, schöne Erinnerungen, zwei gute Freundinnen und ein weiterer abgehakter Lebenstraum :o)


Paris wird mir jedenfalls fehlen. Es ist keine Stadt, die man nur einmal besuchen sollte. Es gibt noch so viele Kleinigkeiten, die passiert sind, dass mein Paris-Eintrag auch doppelt so lang sein könnte. Also auch, wenn der Text diesmal wieder sehr lang ist, solltet ihr zu schätzen wissen, dass ich mich schon kurz und undetailliert gehalten habe :o)
Um der Masse von über 600 Fotos gerecht zu werden, werde ich im Laufe der Woche 5 kleine Fotoalben bei studivz anlegen, sodass für jeden Tag ein Fotoalbum existiert und ihr selbst entscheiden könnt, wann ihr euch die nächste Dröhnung Paris-Fotos gebt :o)


Ich wünsche euch viel Spaß damit. Danke schön fürs Lesen und für euer Interesse!

Ich hab euch sehr lieb
Die Sandra

Samstag, 26. April 2008

Crazy Luxemburg

In Luxemburg passieren viele eigenartige, nervige oder unorganisierte Dinge. Dazu will ich nicht mehr sagen, hier nur einige Beispiele:

· Luxemburg, wie alle bereits festgestellt dürften, ist ein sehr kleines Land. Aber nur mal so zur Info: es ist auch das reichste Land unter den EU-Mitgliedstaaten. Das erklärt die hohen Preise und die unzähligen, großen, teuren Autos, sowie die horrenden Lebenserhaltungskosten.

· In Luxemburg gibt es die größte Tankstelle Europas. Bei den niedrigen Spritpreisen ist sie auch immer MEHR als gut besucht.

· In der Hauptstadt gibt es zwei große Plätze, wo sich zahlreiche Bushaltestellen ansammeln für Busse, die etwas weitere oder größere Runden fahren. An dieser Stelle beweisen die Luxemburger logistisches Talent, denn alle Busse, die dort warten, haben exakt die gleiche Abfahrtszeit. Da sie aber vom Sammelplatz in den fließenden Verkehr kommen müssen, ist es absolut zwecklos zu glauben, dass der Bus, in dem man sitzt, pünktlich abfährt. Alle versuchen zur gleichen Zeit los zu fahren – ein einmaliges Chaos!

· Alle Geschäfte schließen hier zwischen 18 Uhr und 18:30 Uhr, noch dazu gibt es in vielen Geschäften eine Mittagspause…also wie in einem Dorf. Wie schon einmal beschrieben, wird sogar der Aufenthaltsraum im Hauptbahnhof der Hauptstadt um ca. 21:30 Uhr geschlossen. Generell habe ich die Luxemburger nicht als fleißig kennengelernt…viele scheinen wenig zu tun zu haben, aber viel zu verdienen.

· Beispiel: Ein normaler Lehrer verdient hier Minimum 5000€ im Monat. Allerdings muss er dafür auch mindestens luxemburgisch, deutsch und französisch fließend sprechen…wenn’s geht noch englisch und vielleicht noch spanisch, wobei portugiesisch gleich noch viel besser wäre….und italienisch erst….

· Ein Arztbesuch ist hier äußerst teuer. Zwar bekomme ich alles irgendwann einmal zurück bezahlt, aber die Konsultation eines Augenarztes hat mich immerhin 53€ gekostet. Eine andere Freiwillige musste für einen Zahnarztbesuch 100€ bezahlen!

· In Luxemburg reicht eine Fußgängerampel nicht, um die Menschen sicher über die Straße zu bringen. Nein, an nahezu jeder Fußgängerampel gibt es auch einen Zebrastreifen. So wird wahrscheinlich immer gewährleistet, dass, wenn man es einmal eilig hat, man auch über eine rote Ampel gehen kann und, falls man dabei überfahren werden würde, nicht die Schuld bekommen könnte. Wobei das dann auch egal wäre…
An Zebrastreifen ohne Ampel kann man sich übrigens nur bei Luxemburger Autos sicher sein, dass sie halten werden. Franzosen halten hier eher nicht.

· Mietkosten für eine Single-Ein-Zimmer-Wohnung in Luxemburg-Stadt: 600€ monatlich. MINDESTpreis für eine größere Wohnung egal wo: 800€ monatlich, darunter findest man nichts.

· Wenn ein Bus in der Stadt eine Dienstfahrt macht, dann steht oben im Bus nicht ganz einfach „Dienstfahrt“, sondern „A Kuss fir de Bus“, zu deutsch „Ein Kuss für den Bus“.

· Viele Straßenlaternen leuchten hier nicht gelb oder weiß, sondern rot. Das gibt eine ganz besondere Stimmung…

· Ich habe recherchiert und folgendes ist definitiv wahr: Wenn man als unqualifizierter Mensch, wie ich einer bin, also als ein Mensch ohne Ausbildung und ohne abgeschlossenes Studium einen Job sucht, dann erhält man (egal, in welchem Job) ein MINDESTgehalt von 1600€ monatlich Brutto.
Hat man bereits eine Qualifikation beträgt das MINDESTgehalt 1900€ Brutto. Noch dazu muss man in Luxemburg nur wenig Steuern zahlen, so dass einem im Fall A 1400€ Netto übrig bleiben, im Fall B 1800€.
Allerdings soll es hier nicht leichter sein einen Job zu finden als in Deutschland. Aber in Deutschland handelt es sich um 400€-Jobs, also lohnt sich die Suche hier weit mehr.

· Mein Haus ist übrigens nicht das einzige rosafarbene in diesem Land: Fährt man durch die Straßen der Dörfer, dann hat man das Gefühl, in einem Märchenland zu sein: mindestens jedes fünfte Haus rosa…die absolute Trendfarbe hier. Generell haben viele Hauser knallige Farben wie pink, kräftiges, dunkles blau, blutrot, orange, tiefbraun oder auch mal Lila.

Drei Knallerfarben nebeneinander


· In Luxemburg gibt es oft keinen Denkmalschutz, wo es dringend notwenig wäre. Alte, historisch oder architektonisch wertvolle Häuser werden einfach abgerissen für einen Supermarkt oder ein paar neue, schicke, moderne, teure Häuser, an denen sich irendwelche tollen Architekten austoben können. In diesem, wie in jedem anderen Sinn, sind die Luxemburger absolute Kulturbanausen und legen mehr wert auf gutes Aussehen und Ausleben des Reichtums. Kultur gleich null.

· Ein ganzes Ciabatta-Brot und zwei Brötchen von der Tankstelle sind mit 2,05€ billiger als ein kleines Mischbrot von meinem üblichen Supermarkt Cactus. Das kostet nämlich 2,30€ bis 2,90€, je nachdem welche Körner drin sind.

· Hier noch ein paar sensationelle und bemerkenswerte Preisbeispiele aus einem der gängigsten Supermärkte hier, dem „Cactus“, in dem ich immer einkaufen gehe.
o 100g Schinkenscheiben: 4,75€
o 200g Wiener Würstchen: 2,78€
o eine Apfelsine: 0,85€
o 0,5 Liter Olivenöl: 4,50€ bis 6,20€ (je nach Marke)
o 300g Bier-Salami: 4,30€
o 2 übliche Pizza-Baguettes: 3.15€
o 4 Kabeljau Filets (tiefgefroren): 8,29€
o 4 Cordon Bleu (tiefgefroren): 4,82€
o Packung Leerdamer: 2,65€
o Kuchen-Roulade: 7,20€



So guten Appetit dann! Ich hoffe das Eintauchen in Luxemburgs Eigenheiten hat euch gefallen!


Fühlt euch ganz lieb gedrückt…*winkewinke*
Ich

Donnerstag, 24. April 2008

Nur mal so…

Erstens: Katze Mietzi hat sich heute was Neues ausgedacht und dabei selbst übertroffen. Sie hat heute keine kleine Maus mit nach Hause gebracht…auch keinen kleinen Vogel…auch keine große Ratte. Nein!
Heute hat sie sich wahrscheinlich mal gedacht, ein Eichhörnchen wäre doch mal was ganz Überraschendes :o) Dieses hat sie dann mit Haut UND Haaren komplett verspeist….samt Schwanz! Hier ist der Rest, der mich im Wohnzimmer begrüßt hat.

Mietzi frisst ein Eichhoernchen


Zweitens: Heute wollte ich für meinen 5tägigen Parisurlaub ab nächsten Sonntag in der Stadt von meinem luxemburger Konto jede Menge Geld abholen. Aus einem mir zuerst unklaren Grund konnte man heute aber nicht mehr als 120€ abheben, wie es sonst normaler Weise möglich ist.
Nachdem ich das zweimal gemacht hatte, konnte man überhaupt kein Geld mehr abholen. Nicht einmal meine Begleiterin Delphine hat etwas bekommen. Der Grund: Der Automat war alle :o) Und natürlich gibt es nur einen Automaten. So was ist mir in Magdeburg noch nie passiert und da heben täglich weit mehr Menschen etwas von einem Automaten ab…


Ich hab euch lieb…und Magdeburg
knutschi

Samstag, 19. April 2008

Witzauflösung

Ihr erinnert euch an den Veganer-Witz vom 14. April? Hier ist er vollständig mit Auflösung:

Frage: Warum essen Veganer keine Hühner?

Antwort: Weil da Eier drin sind :o)))))


knutschi

Freitag, 18. April 2008

Sport bis zum Abwinken

Schon kurze Zeit nach meiner Ankunft hier fehlten mir Bewegung und Sport unglaublich. Zuhause machte ich zwar auch nicht so viel Sport, aber ich hatte immerhin einmal die Woche Tanzunterricht und war jeden Tag mehrmals und lange mit Fahrrad unterwegs. Nachdem ich hier ankam gab es erst mal nichts an Bewegung.

Als ich dieses Problem den Mädels aus meiner WG schilderte, konnte ich Sandra leicht davon überzeugen, jeden Morgen nach dem Frühstück zusammen Fitness zu machen, denn glücklicher Weise habe ich ja ein gutes Fitnessbuch, nach dem wir uns richten können. Seit 6 Wochen machen wir also nun jeden Morgen Fitness und lieben es, den Tag so zu beginnen. Maria konnte sich nie durchringen mitzumachen, aber für drei Leute und 6 Hanteln würde es in der Küche auch ganz schön eng werden.

Doch das morgendliche Fitnesstraining war uns noch nicht genug und so entstand der ultimative und niemals vollzogene Fitnessplan.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit Sport zu treiben, entdeckte Maria im Dorf nebenan (15 Minuten Fußweg) einen Boxclub, wohin wir Dienstags und Donnerstags zusammen gehen wollten. Freitags ist im gleichen Dorf in einer Sporthalle, in der mein Mitbewohner Ender Badminton-Trainer ist, freies Badminton-Training, zu dem wir gehen wollten. Sollten wir mal keine Lust auf Boxen haben, könnten wir Donnerstags zur Wassergymnastik (Aquagym).

So war der Plan. Bisher waren wir einmal Badminton spielen und abgesehen von Sandra niemals beim Aquagym. Boxen mussten Maria und ich bis jetzt immer getrennt gehen, da sie nur Montags und Mittwochs gehen kann, wo ich allerdings Sprachschule habe.

Das Boxtraining gehört mit zu den anstrengendsten Dingen, die ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Letzte Woche Freitag bin ich das erste Mal dort gewesen – allerdings ohne zu wissen, dass Freitags der Fortgeschrittenen- und Profikurs ist :o)
Als ich mit Celine, einer anderen Freiwilligen, dort um 19 Uhr ankam, war das Training seit einer halben Stunde bereits in vollem Gange. In der Mitte eines Kreises stand ein schwarzer, sportlicher, kleiner Mann (wie sich später herausstellte Profiboxer), um den sich ca. 15 Teilnehmer versammelt hatten. In dem Raum waren ca. 30 Grad, gefühlte 40 und die Luft war feucht vom Schwitzen der Teilnehmer.
Celine und ich sind einfach ins Konditions-Training mit eingestiegen, das noch eine dreiviertel Stunde dauerte, während der man fast ohne Unterbrechung leicht hüpfen musste, während man schmerzende Arm-Übungen machte. Alle paar Minuten ging es runter auf den Boden für 10 Liegestütze und etliche verschiedene Arten Sit-ups. Das Tempo, das dabei an den Tag gelegt wurde, war ungeheuerlich. Während ich mit Ach und Krach zwei Liegestütze hingezaubert habe, hatte der Trainer seine 10 Liegestütze beendet und sprang wieder auf die Beine.
Meine Zwei-Liter-Flasche neigte sich so schnell dem Ende entgegen und mein T-Shirt einem Feuchtigkeitszustand, den es sonst nur aus der Waschmaschine kennt. Wären Celine und ich pünktlich gekommen, wir hätten das Training niemals so lange durchgehalten.

Das Unangenehme daran war, dass die anderen Teilnehmer hauptsächlich 40 Jahre und älter waren oder meine doppelte Körperstatur hatten oder bezüglich einer Teilnehmerin von Kopf bis Fuß in pink gekleidet und ca. 10 Jahre alt waren. Alle haben, wenn auch keuchend, das Training ohne Pause ausgehalten haben, während Celine und ich alle 5 bis 10 Minuten nach Luft oder der Wasserflasche schnappten…

Anschließend war noch 45 Minuten freies Training, die Celine und ich mit einem der Boxer vorm Spiegel verbracht haben, damit er uns die Technik beim Boxen erklären konnte. Seitdem weiß ich, dass ich gern Fitness- Tanz- oder Konditionstraining bis zum Abwinken machen, boxen jedoch nicht unbedingt meine Welt ist, aus vielerlei Gründen.
In Zukunft werde ich also im freien Training die Geräte nutzen und nicht das Boxen erlernen.

Dienstag bin ich wieder beim Boxen gewesen, diesmal allerdings zum Anfänger-Training. Dort musste ich mich nur 30 Minuten auspowern (alle 3 Minuten runter und 10 Liegestütze) in einem harten Tempo, das ich aber noch mithalten konnte, weshalb ich beim Anfängerkurs insgesamt viel aktiver war, als beim Profikurs, wo ich sehr oft nicht mithalten konnte.
Das zeigte auch der Unterschied beim Muskelkater: Vom Fortgeschrittenen-Kurs taten mir nur die Waden weh, vom Anfängerkurs mein ganzer Körper.

Obwohl ich mir geschworen habe, erst mal nur zum Anfängerkurs zu gehen, werde ich mich heute Abend wieder den Fortgeschrittenen anschließen, weil ich es gestern nicht zum Anfänger-Training geschafft habe, aber mich endlich wieder bewegen will. Also ein Hoch auf Selbstquälerei und Muskelkater…


Bis demnächst dann. Fühlt euch mit neuen Muckis kräftig gedrückt :o)

Die Sandra

Montag, 14. April 2008

ASTM Jeune Day – Einmal umsonst aufgestanden

Vor 4 oder 5 Wochen hatte ich den Plan, in der zweiten April-Woche (also jetzt) nach Amsterdam zu fahren. Mein Plan wurde jäh durchkreuzt, als meine Tutorin Natalia sagte, dass ich verreisen kann, aber am 12. und 19. April wegen Veranstaltungen anwesend sein muss. Diese Geschichte hatte ich ja bereits in meinem Beitrag „Fernweh und Reiseplanung“ vom 30. März geschildert.

Vorgestern war ja nun der 12. April und eine der beiden Veranstaltungen fand statt. Der Veranstalter und Geldgeber war ASTM, Abkürzung für Action Solidarite Tiers Monde, zu deutsch so was wie Solidarische Action für die Dritte Welt oder so (alle Französischsprachigen mögen mir bei Fehlern verzeihen).
Alle Organisationen Luxemburgs, die sich mit ihrer Projektarbeit irgendwie für die Dritte Welt engagieren, waren also zugegen und hatten auf dem winzig kleinen Marktplatz des winzigen Dorfes Dudelange (oder deutsch: Dudelingen) einen Informationsstand für sich aufgebaut. So tat es auch mein Projekt, der Infoladen.

Am Tag zuvor, Freitag, hatte ich mich mit den beiden luxemburgischen Freiwilligen Stella und Ender bei Stella zuhause getroffen, um für unseren Stand beim ASTM Tag Essen zuzubereiten.
Dazu eine kleine Vorgeschichte. Schon vor ca. 4 oder 5 Wochen wurde von der ASTM in Auftrag gegeben, dass der Infoladen für den ASTM Tag einen Brunch für 100 Leute organisieren soll. Das und nur das, war die einzige Information, die ich von meinem Chef Gary erhielt, als ich mich dafür meldete, diesen Brunch zu organisieren.
Erst nach und nach habe ich dann heraus gefunden, wie viel Budget mir zu Verfügung steht zum Bestellen von Lebensmitteln, wo ich das Essen für solche Veranstaltungen bestelle und, dass das Essen ausschließlich vegan sein darf. Es wäre ja auch viel zu umständlich gewesen mir alles von Anfang an klar, deutlich und direkt zu erklären….dann hätte es zur Abwechslung ja mal reibungslos funktioniert..…und stattdessen hätte ich ja auch fragen können, auf welche wichtigen Besonderheiten ich zu achten habe. Freundlicher Weise hätte man es mir aber auch erklären können…..aber egal jetzt.

[Für alle die es nicht wissen: Veganer essen im Gegensatz zu Vegetariern keinerlei tierische Produkte. Das heißt nicht nur kein Fleisch, sondern auch keine Eier, Milch oder Gelatine, sowie keine Produkte, in denen einer dieser Stoffe enthalten ist. Veganes Essen hat oft die Angewohnheit geschmacksneutral und fade zu sein.]

Vor gut zwei Wochen setzte ich mich mit Ender und Delphine, der Freiwilligen aus Frankreich, vor den Computer und dort mit der Bestellliste auseinander. Wir bestellten Unmengen an Essen…..Nudeln, Reis, Couscous, Aufstriche und Marmeladen fürs Brot, Zwiebeln, Karotten, Wurst und Käse, weil wir noch nicht wussten, dass alles vegan sein muss, und jede Menge Tee und Säfte. Diese Bestellung schickten wir ab.

Am letzten Mittwoch, also 3 Tage vor der eigentlichen Veranstaltung, erfuhr ich dann von Gary, dass die Leute von ASTM einen Kostenvoranschlag von ihm gewollt hatten, wie viel die bestellten Lebensmittel kosten würden. Weil Gary es nicht gebacken gekriegt hat das einem der Freiwilligen (am besten mir) zu sagen und es selbst auch nicht auf die Reihe bekam das zu erledigen, wurde uns der Auftrag, den Brunch zu organisieren, zur Hälfte entzogen.
Der ASTM war es zu riskant geworden uns den ganzen Auftrag zu überlassen und so mussten wir nur noch einen Brunch für 50 Personen organisieren – allerdings war nun schon lange für 100 Personen bestellt und wir haben somit weit mehr Geld ausgegeben, als uns zur Verfügung gestellt wurde.

Vor 3 Tagen, am Freitag, kam die Lieferung dann an. Glücklicher Weise und wahrscheinlich typisch für Luxemburg, konnte die Hälfe nicht geliefert werden. Das Problem war also schon mal gelöst….mal angenommen, wir hätten doch für 100 Leute servieren müssen, dann wäre das eine Katastrophe gewesen.

Ender holte also das Essen ab, holte anschließend mich von zuhause ab und wir fuhren zu Stella zum kochen. Was wir noch im großen Van hatten: Neben zahlreichen Töpfen zum Kochen, sowie Salatschüsseln, hatten wir sage und schreibe 25 Teller sowie Messer, Gabeln und Löffel, zwei Bänke und zwei Tische und eine Handvoll Tassen – für 50 Leute, ursprünglich 100 Leute, für die wir auch nicht mehr mitgebracht hätten.
Auf die Frage, warum wir keine Packung Pappteller holen, kam die Antwort, das sei nicht ökologisch. Der Infoladen steht nun mal für Veganismus und ökologiebewusstes Verhalten – das heißt nicht für Pappteller. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon gut bedient von der ganzen Organisation.

Als wäre das nicht schon alles blöd genug für einen einzigen Tag gewesen, sagt mir Ender, dass wir kein Brot haben. Mhh…was sagt man dazu? Wir haben Kiloweise Aufstriche und Marmelade sowie 50 hungrige Mäuler zu stopfen, aber kein Brot. Wie kommt das?!?!?!
Er organisierte es, dass ein Bäcker sein gesamtes Restbrot am Ende des Tages für uns zum abholen aufbewahrt und wir dann kostenlos haben können, was noch übrig ist. Immerhin etwas…es gab nur niemanden, der das Brot abholen konnte…

Ich verbrachte also meinen Freitag von 11 bis 17 Uhr 6 Stunden lang mit kochen veganer Gerichte und war gleichzeitig am Verhungern. Zuhause angekommen konnte ich kaum noch auf beiden Beinen stehen und das, wo ich eine halbe Stunde später mein erstes Boxtraining hatte! Eigentlich wollte ich ja schon eher zuhause sein, weil ich nicht gedacht hätte, dass das Zubereiten 4 veganer Salate 6 Stunden dauert, wenn man zu dritt ist.
Zum Boxtraining wird es allerdings noch einen eigenen Extra-Eintrag geben.

Dann wurde es Samstag und der große Tag begann. Um 10 Uhr machte ich mich auf nach Dudelange, wo bereits unser Stand halbwegs aufgebaut war. Anschließend ging es erst mal eine ganze Weile ans Brötchen schmieren, denn ein Wunder war geschehen: Enders Eltern hatten das Brot vom Becker abgeholt! Genauer gesagt war es ein großer blauer Sack voll mit 80 verschiedenen Brötchen und 2 Broten. Also genug…
Hier ein Bild vom Brötchen schmieren mit Stella und Ender.

Stella, ich und Ender beim Brötchen Schmieren


Das Wetter war immerhin auch in Ordnung. Es war sehr kalt, aber es regnete nicht und die Sonne kam hin und wieder zum Vorschein. Dennoch: Schon bald stellte sich die Veranstaltung als ein (für meinen Geschmack schlechten) Witz heraus. Auf dem besagten winzig kleinen Marktplatz hatten 9 oder 10 Organisationen ihren Stand aufgebaut und die dazugehörigen Leute standen oder liefen von Stand zu Stand rum. Der Grund war wohl, dass mehr, als die Leute der Organisationen und deren Freunde, nicht kamen. Von Besuchern weit und breit keine Spur. Hin und wieder mal ein paar einzelne Personen, ansonsten waren die Stände nur zum Spaß und zum gucken aufgebaut worden.
Im Laufe der Zeit stellte sich dann auch ein Missverständnis heraus: Ich war die ganzen Wochen davon ausgegangen, dass eine Gruppe von 100 Besuchern kommen wird, für die wir den Brunch zubereitet haben. In Wahrheit war dieser Brunch, der für 100 Leute organisiert werden sollte, aber nicht für eine feste Gruppe von Besuchern, sondern für jeden, der Essen möchte, ganz egal für wen. Und das waren nur wir und die Leute der anderen Stände, denn mehr waren ja nicht da.
Außerdem hatte die ASTM für zahlreiche Bänke und Tische gesorgt hatte, was bestimmt den teilnehmenden Organisationen mitgeteilt worden war und nur die Chaostruppe, für die ich arbeite, hat es mal wieder nicht mitbekommen.

Was es allerdings nicht wie geplant gab, war das Wasserbecken, das da sein sollte und in dem die (fehlenden) Besucher ihr gebrauchtes Geschirr und Besteck selbst abwaschen sollten….natürlich, was sonst! Das Wasserbecken stelle sich als 5-Liter Schüssel aus dem Infoladen heraus, das fließende Wasser dazu gab es jedoch nirgendwo.
Die Folge: Nachdem die 25 mitgebrachten Teller sich dem Ende neigten, wurde Plastikgeschirr verwendet. Jaja so viel zu ökologiebewusstem Verhalten und ich hab Recht gehabt…haha!
Und jetzt steht im Infoladen eine unfassbar große Menge Geschirr, die abgewaschen werden muss. Und dreimal dürft ihr raten, wer das macht?! Und noch dazu werde ich mit kaltem Wasser abwaschen, denn warmes Wasser gibt’s im Infoladen nicht. Lecker. Die Ekelschwelle muss hier oft sehr hoch sein.

Naja…zurück zur Veranstaltung. Ansonsten gab es noch eine große Anzahl Afrikaner, die es tatsächlich geschafft haben abwechselnd 6 Stunden lang ohne Atempause Musik zu machen. Es gab jede Menge Reggae-Musik, eine große Percussion-Gruppe, viele verschiedene Tanzgruppen, zwei Gitarristen…und alles Afrikaner, die afrikanische Musik in ohrenbetäubender, kopfschmerzerregender Lautstärke machten und furchtbar rumschreien mussten.

Percussion spielende Afrikaner


Da es an jedem Stand etwas zu essen gab, blieb am lang ersehnten Ende des Tages um 17 Uhr weit mehr als die Hälfte unseres selbstgemachten Essens übrig. Keiner wollte nach einmal Probieren noch einmal Nachschlag vom veganen Essen, wenn es woanders Waffeln, Bockwurst, Schmalzkuchen oder in Teig gebackene Bananen gab…also böses, unveganes Essen.
Verkauft haben wir ebenfalls nichts – keine Getränke, keine Zeitschriften, keine Buttons…Nichts. Was noch einmal verdeutlicht, dass da wirklich keine Besucher oder zumindest keine interessierten Besucher waren.

Aber hier noch mein persönlicher Höhepunkt des Tages. Die Reise nach Amsterdam hatte ich ja nun abblasen müssen. Die anderen Freiwilligen, die fahren werden, hatten die Reise vom 11. auf den 19. April verschoben, weil sie nicht wussten, dass ich laut meiner Tutorin auch am 19. April anwesend zu sein habe.
Im Laufe des Tages setzte sich dann meine Tutorin Natalia zu mir und fragte mich, wann es denn auf geht nach Amsterdam. Ich erzählte ihr, dass ich gar nicht fahren werde, weil sie gesagt hat, ich sollte da sein. UND PLÖTZLICH konnte sie sich gar nicht mehr so recht erinnern das gesagt zu aber und bekam ein ganz schlechtes Gewissen. Nachdem ich ihr unser Gespräch von damals wieder ins Gedächtnis gerufen hatte, meinte sie, dass das nicht so ernst gemeint war, dass ich da sein muss!!!!!!!!! Es wäre nicht schlecht, wenn ich da wäre, aber wenn ich verreisen wollte, könne ich das natürlich tun.

Seit diesem Gespräch ist mir noch keine gerechte Möglichkeit Natalia zu quälen eingefallen, die den Stress, den ich überflüssiger Weise wegen Amsterdam hatte, wieder ansatzweise gut macht :o)

So viel also zu meinem berauschenden Wochenende und meiner spaßigen Arbeit hier. Das beste war wohl das Ausschlafen am Sonntag :o)
Ein Bilderalbum zum ASTM-Tag werde ich heute auch bei studi reinsetzen.


Ich hab euch alle lieb und drücke euch. Bis bald,
knutschi



PS.: Zum Abschluss noch ein kleiner Witz von Stella, ebenfalls Veganerin. Die Auflösung des Witzes kriegt ihr beim nächsten Eintrag, bis dahin habt ihr ja dann genug Zeit über die Antwort nachzudenken. Also: Warum essen Veganer keine Hühner?

Sonntag, 6. April 2008

Sprachkultur in Luxemburg…

Wie ich schon einmal erwähnt habe, grenzt Luxemburg zum einen an mehrere Länder und hat zusätzlich auch noch einen hohen Ausländeranteil. Aus diesem Grund werden hier in diesem Land viele Sprachen gesprochen.
Ein echter Luxemburger lernt im Laufe seiner Schullaufbahn mit luxemburgisch, französisch, deutsch und englisch mindestens 4 Sprachen, die er FLIEßEND sprechen muss. Wahlweise kann er dann auch noch spanisch oder italienisch lernen…

Unter diesen Umständen herrscht für mich in Luxemburg eine große sprachliche Verwirrung. Wenn ich jemanden kennen lerne, was relativ häufig vorkommt, weiß ich nie, woher er kommt und welche Sprache er spricht. Das Gleiche gilt natürlich auch für Menschen die mich kennenlernen. Entweder strecken sie mir die Hand entgegen, begrüßen mich unsicher auf englisch und fragen dann nach meiner Antwort mit einem Augenzwinkern oder einem Fingerzeig „Ah, deutsch?“.
Oder Luxemburger kommen in den Infoladen, die mich auf luxemburgisch begrüßen und dann beginnen zu plaudern, als könnte ich sie verstehen. Meistens sehen sie mich dann an und fragen „An?“. „An“ heißt „Und“ und soll als Frage wahrscheinlich auslösen, dass ich meine Seele ausschütte und erzähle wie es mir geht. Und theoretisch ist das sogar möglich, ich brauche nämlich nur auf deutsch zu antworten…die Luxemburger verstehen es ja ohnehin alles.

Im Folgenden möchte ich noch ein paar weitere lustige Situationen schildern, die oft auf sprachliche Missverständnisse zurück zuführen sind. Außerdem zeige ich etwas die Besonderheit in der luxemburgischen Sprachkultur auf.


Sprachliche Besonderheiten und Missverständnisse:

· Jeder, der schon einmal Bus gefahren ist, weiß, dass man einen STOP-Knopf im Bus drücken muss, wenn man möchte, dass der Bus an der nächsten Station hält. Nachdem man STOP gedrückt hat, leuchten vorne beim Fahrer die Worte „Wagen hält“ rot auf. In Luxemburger Bussen gibt es fünf (!) verschiedene Möglichkeiten für die rot aufleuchtende Mitteilung, dass der Bus anhalten wird. Diese sind: De Bus hält (Luxemburgisch), STOP (Englisch), Arrive Demande (Französisch), Stannar (Niemand konnte mir sagen, welche Sprache das ist oder was es heißt), Wagen hält (deutsch).


· Zum Essen Bestellen benötige ich grundsätzlich einen Übersetzer…ich hab ja bereits erzählt, dass ich mir allein nicht mal Pommes kaufen konnte, weil der Verkäufer nur das französische „Fritt“ verstand.

· Am schlimmsten ist die Verwirrung im Supermarkt an der Kasse. Sage ich dort „Guten Tag“, „Hallo“, „Bonjour“, „Hello“ oder „Morjen“ (luxemburgisch)? Und zur Verabschiedung, soll ich da „Auf Wiedersehen“, „Tschüß“, „Au revoir“, „Bye“ oder „Addi“ (luxemburgisch) sagen? Da die Verkäuferinnen einen auch JEDES MAL auf eine andere Sprache ansprechen, ist die Entscheidung nicht leicht. Das Ergebnis: Da mir das Problem immer erst an der Kasse wieder einfällt, stottere ich mir meistens etwas zurecht oder sage das, was ich sage, sehr leise und betreten auf den Boden schauend.

· Das Fernsehen ist ebenfalls dreisprachig. Immerhin laufen hier die besten deutschen Sender, aber wenn mal ein geiler Film kommt, den ich gern sehen möchte, dann läuft der natürlich auf französischen oder luxemburgischen Sendern….logo. Auch beim Radio hören muss man sich an drei Sprachen gewöhnen.

· Ebenfalls im Haus werden viele Sprachen gesprochen. Sandra hält mit 5 Sprachen fließend den absoluten Rekord. Je nachdem welche ihrer Freunde kommen, redet sie französisch oder spanisch. Mit Ender redet sie luxemburgisch, mit Kay und mir deutsch. Und sie springt ständig zwischen den Sprachen hin und her, genauso wie Ender. Wenn wir mal zu fünft im Wohnzimmer sind, versteht jeder bis auf Sandra grundsätzlich nur die Hälfte. Und am Ende einer langen Diskussion weiß ich nicht mehr, was auf deutsch, auf englisch oder auf luxemburgisch erzählt wurde und ob ich deutsch oder englisch gesprochen habe. Oftmals unterhalten wir uns auch auf englisch und plötzlich sage oder antworte ich unbewusst etwas auf deutsch, weil ich den Unterschied einfach nicht mehr mitbekomme.

· Die einzigen Menschen, die hier anscheinend nur luxemburgisch und französisch verstehen, sind wahrscheinlich die Busfahrer. Die ersten beiden Male, als ich zur Sprachschule musste, wusste ich noch nicht, wann der Bus zurück nach Hause abfährt und dass ich darauf fast eine Stunde werde warten müssen.
Beide Male fragte ich den Busfahrer nach der Abfahrtszeit und beide Mail lief das Gespräch gleich ab, denn beide Busfahrer verstanden weder deutsch noch englisch. Also gings auf zur Zeichensprache: Ich zeigte auf den Bus, dann auf meine Uhr und zeigte danach mit meinen Händen eine 10 (= fährt der Bus um 10?). Die Antwort des Busfahrers war ein euphorisches „Si, si, si“, ein sich überschlagenes Kopfnicken und ebenfalls das Zeigen aller 10 Finger. Aller klar….daraufhin kann man davon ausgehen, dass der Bus tatsächlich 10 Uhr los fährt, oder? Vielleicht war es naiv von mir das zu glauben…denn die tatsächliche Abfahrtszeit war 10.15 Uhr :o)

· Mittlerweile gibt es ein französischen Wort, das ich wohl nie wieder vergessen werde und niemals zu lernen brauche. Was ich meine ist das französische Wort für Zaun: Cloture, gesprochen Klotür. :o)

· Für alle, die des Französischen nicht mächtig sind, möchte ich hier gern einmal den Irrsinn bei französischen Zahlen aufdecken. Nehme ich mal das Beispiel 92. Wir in Deutschland sagen zwei und neunzig, also quasi 2+90.
Im Französischen, wo die Zahlen durch Bindestriche getrennt werden und nicht durch ein „und“, sagt man 92 folgendermaßen: 4-20-12, also quasi 4 mal 20 + 12 oder auf französisch quatre (4) – vingt (20) – douze (12). Warum also einfach, wenn’s auch schwer geht?

· Hier ein Dialog zwischen Maria (Spanierin) und mir. Ich muss dazu sagen, dass sie kein deutsch spricht und ich noch immer kein französisch. Ich stehe in der Küche, sie sitzt im Wohnzimmer. Ich niese. Maria sagt: „Gesundheit“. Ich sage: „Merci“. So viel zur sprachlichen Verwirrung…


Das werden nicht die letzten Probleme sein, die ich hier mit der Sprache haben werde. Auch über die nächsten Schwierigkeiten halt ich euch weiter auf dem Laufenden :o)


Das war’s wieder von mir…ich drücke euch
Und hab euch lieb

Sonntag, 30. März 2008

Fernweh und Reiseplanung…

Wie manche von euch, die in der Schule brav aufgepasst haben, vielleicht wissen, grenzt Luxemburg an 3 Länder. Für die, die es nicht wissen, habe ich es ja jetzt gesagt. Die 3 angrenzenden Länder sind Frankreich im Süden, Belgien im Westen und Norden, sowie Deutschland im Osten.
Man ist also relativ selten so zentral und so nah an so vielen interessanten Orten gleichzeitig. Dementsprechend lang ist meine Reise-Wunschliste. In einer perfekten Welt würde ich gern Gelegenheit (und Geld) dazu finden, Paris, Brüssel, Metz, Trier und Amsterdam zu besuchen. Für andere Orte bin ich auch gern offen.

Luxemburg-und-Umgebungsstaaten


Durch meinen Status als Freiwillige bekomme ich sämtliche Rabatte und kann für ca. 20 € in jede der genannten Städte mit Bus kommen, nach Brüssel und Trier sogar kostenlos. Auch in Jugendherbergen gibt es Rabatte für…also MUSS ich das doch ausnutzen, da führt NICHTS dran vorbei…

So einfach ist das ganze jedoch nicht. Was davon sich tatsächlich verwirklichen lässt, bleibt noch offen. Brüssel und Metz werden kein Problem sein und irgendwann in den nächsten 5 Montanen mal über einen Wochenendetrip (von Freitag bis Samstag oder nur an einem Samstag) besucht. Trier bekommt nur einen Samstag von mir, da es ja nur Deutschland und daher nicht soo reizvoll ist :o)
Bei Paris und Amsterdam, den zwei wichtigsten Städten, sieht die Reiseplanung schon etwas schwieriger aus. Bei einer Anfahrt von 4 Stunden und jeder Menge Sehenswürdigkeiten kann und will ich weder allein hinfahren, noch nur über ein Wochenende. Für diese Städte sollte man sich schon mindestens 3 Tage Zeit nehmen und Sonntag zählt nicht als Tag, da alles geschlossen ist.

Allerdings stehe ich jetzt vor ungeahnten Problemen mit dieser Planung. Ich hätte mit allem gerechnet, aber nicht damit. Die Schwierigkeit ist Folgende: Ich habe noch ca. 20 Wochenenden Zeit, um all diese Trips zu machen, sowie für andere Wochenendunternehmungen (wie das Kulturfestival oder Theaterbesuche) und Besuch von zuhause zu empfangen. Alle anderen Freiwilligen, mit denen ich mich angefreundet habe, bleiben aber nur noch 14 bis 16 Wochen hier, gehen also alle im Juli wieder zurück nach Hause.
Unter dem Aspekt, dass ich nicht allein verreisen möchte, muss ich also alle meine Reisen an ca. 14 Wochenenden erledigen. Rechne ich also mal zusammen: Paris, Brüssel, Metz, Trier und Amsterdam machen 5 Wochenenden, Martins Besuche machen ca. 6 Wochenenden, dazu kommen 3 Veranstaltungen des Infoladens an 3 Wochenenden und schließlich ausstehende Partys, Kochabende, Videoabende, Theater- und Kinowochenenden.
Irgendwie komme ich da beim Addieren auf mehr als 14 Wochenenden….ich habe also ein halbes Jahr Zeit und schaffe es tatsächlich, mehr vorzuhaben, als ich Zeit habe.

Denn es kommt natürlich ein logistisches Problem zu all dem dazu: Nicht alle Freiwilligen, mit denen ich verreisen möchte, haben zur gleichen Zeit die Zeit für Reisen und Unternehmungen, denn jeder hat seinen eigenen Plan und seine eigenen Veranstaltungen der eigenen Projekte.
So wurde es zu einem Akt, einen Reisetermin für Paris und Amsterdam zu finden und der Akt ist nach wie vor nicht beendet. Ursprünglich als eine Reise zu viert geplant, werde ich jetzt im April allein mit Céline nach Paris reisen, da die anderen Freiwilligen keine Zeit haben.
Allerdings gibt es NOCH EIN Problem: der Reiseveranstalter Eurolines, mit dem wir Freiwilligen normaler Weise reisen, weil es spottbillig ist, hat seine Busfahrpläne für April noch nicht fertig. Also können wir auch noch keine Tickets kaufen. Als wäre das noch nicht nervend genug, hat am 1. Februar das Büro von Eurolines in Luxemburg geschlossen…in ganz Luxemburg ist Eurolines jetzt nicht mehr vertreten. Bei Eurolines Belgien hat man uns am Telefon nach Eurolines Paris verwiesen, wo wir nach Eurolines Deutschland verwiesen wurden, wo wir nach Eurolines Belgien verwiesen wurden….oder so ähnlich. Es war ein großes Durcheinander…niemand am Telefon wusste etwas.
Mittlerweile hat Céline heraus gefunden, dass wir die Tickets in Metz kaufen müssen, wo zufällig und glücklicher Weise eine Freiwillige wohnt, die sie daher für uns kauft. Allerdings geht das erst, wenn der Busfahrplan für April fertig ist und Gott weiß, wann das sein wird…wir haben ja erst Ende März, wozu also die Eile?!?!

Wenn alles klappt, werde ich also mit Céline vom 28. April bis 2. Mai die französische Hauptstadt besuchen und kann das dann auf meiner Liste abhaken.
In Sachen Amsterdam war das Glück allerdings weniger auf meiner Seite. Ursprünglich war Amsterdam für das Osterwochenende geplant gewesen. Ich war schon leicht am Boden zerstört, weil damit genau das Wochenende gewählt wurde, an dem ich Besuch von Martin erhalten werde, ich aber um jeden Preis noch nach Amsterdam möchte.
In aller letzter Sekunde (und nach einigen Missverständnissen, denn ich hätte es schon viel eher erfahren können), kam mir zu Ohren, dass Amsterdam über Ostern ins Wasser fällt, weil zum einen zu wenige Freiwillige an diesem Wochenende Zeit hatten und zum anderen keine Plätze in Jugendherbergen mehr frei waren.
Gleichzeitig erfuhr ich, dass andere Freiwillige die Planung an sich gerissen hatten und nun die Amsterdam-Reise für Anfang April planten. Ich schwebte im Glück als ich das erfuhr :o))) Das würde bedeuten, dass ich auf nichts verzichten müsste und bis Mitte April bereits die beiden wichtigsten Städte, Amsterdam und Paris, von meiner Wunschliste streichen könnte.

Voller Enthusiasmus erzählte ich am nächsten Tag Natalia, meiner Tutorin, dass ich im April gern Urlaub nehmen möchte um zu verreisen, als sie doch tatsächlich meinen Enthusiasmus in Tausend Stücke schlug, als sie mir sagte, dass ich am 12. und am 19. April anwesend sein muss, aufgrund von Veranstaltung. Da ich den genauen Termin für Amsterdam noch nicht wusste, hieß es von da an bangen, dass die Reise nicht über den 12. April stattfinden wird.
Und jetzt ratet mal, wann die Reise stattfindet?! RICHTIG: Vom 11. bis 13. April….scheiß Murphy und seine Gesetze!!!
Ich geriet also von am Boden zerstört in absoluten Freudentaumel und wieder zurück zu am Boden zerstört.
Gestern erfuhr ich, dass die Amsterdam-Reise verschoben wurde…auf den 19. April. Tolle Wurst…

Mittlerweile habe ich Amsterdam jetzt geplant als Alternativ-Reise für den Sommer. Alternativ-Reise heißt Folgendes: Viele Freiwillige haben mir erzählt, dass die am häufigsten gewählte Reiseart hier in der Gegend das Reisen per Mitfahrzentrale ist – ist ja auch logisch, so nah, wie hier alles ist und so zentral, wie Luxemburg liegt.
Für alle Omas und Opas, Mamas und Papas: Eine Mitfahrzentrale findet man im Internet, sie ermöglicht sozusagen modernes Trampen. In dieser Mitfahrzentrale sind viele Autofahrer registriert, die in bestimmte Städte fahren und anderen Menschen anbieten, sie für ein wenig Spritgeld mitzunehmen. Die meistens Fahrer sind auch bewertet nach Zuverlässigkeit etc.
Ich kenne viele, die so bereits gereist sind, da es die mit Abstand billigste und komfortabelste Art und Weise ist, in die gewünschte Stadt zu gelangen. Die Freiwilligen, die mir davon erzählten waren ausschließlich begeistert, weil es problemlos funktionierte, da es hier eben eine übliche Art zu verreisen zu sein scheint.
Und eine spezielle Art zu übernachten gibt es ebenfalls. Falls ich nicht in einer Jugendherberge übernachten werde, werde ich das sogenannte und in ganz Europa existierende „Couch Serving“ nutzen. Wieder im Internet findet man Leute, die ein Zimmer und eine Couch in ihrer Wohnung übrig haben und dieses für eine Übernachtung zur Verfügung stellen. Klingt komisch, aber auch bei diesem Thema bin ich unter den Freiwilligen nur auf Begeisterung gestoßen…für mich ist das auf jeden Fall mal eine Erfahrung wert, also mal sehen, ob ich diese Idee tatsächlich verwirkliche.
Das Problem ist natürlich noch, mit wem ich diese Reise unternehme…an willigen Freiwilligen fehlt es mir nicht, aber so eine Reise lässt sich nur zu Zweit verwirklichen. Ab 3 Leuten wird es schwer bis unmöglich einen Autofahrer und eine Couch zu finden. Ich muss also einen Freiwilligen finden, mit dem ich es zwei oder drei Tage am Stück aushalte, der zur gleichen Zeit wie ich Zeit hat zu verreisen und für den das ganze natürlich nicht zu alternativ ist :o)


Ich stehe also noch vor einigen Schwierigkeiten bei der Realisierung meiner Reisepläne. Ich halte euch natürlich weiter auf dem Laufenden, was wann und mit wem klappt und im Nachhinein, wie es gewesen ist….wenn es überhaupt jemals so weit kommt :o)



Fühlt euch gedrückt,
knutschi

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