Zurück in Magdeburg – Zurück im Leben? Teil I

Auf Bitte einer einzelnen Person sollte ich meinen letzten Tagebucheintrag über meinen Freiwilligendienst in Luxemburg „Zurück im Leben“ nennen. So ganz bin ich damit aber nicht einverstanden, wie man sieht...;)

Die 7stündige Autofahrt nach Magdeburg war weniger eine Zerreißprobe, als ich es erwartet hatte. Eigentlich war es gar keine. Ich war etwas gespannt auf zuhause und so ganz hatte ich meine Situation auch noch nicht realisiert. Die Gewissheit nach LUX zurück zu kehren, nahm mir jegliche Traurigkeit.

Das Wiedersehen zuhause war so unspektakulär, wie es überhaupt sein konnte. Da mein Papa im Keller war, standen Haus- und Wohnungstür offen und völlig unerwartet für meine Mama, stand ich plötzlich vor ihr in der Wohnung. Drücken, küssen, grinsen, angucken....das war die Wiedersehensprozedur. Nachdem Martin und seine Mum nach Hause abgedüst waren, folgten stundenlange Gespräche und ich begrüßte meine Großeltern nebenan. Die Wiedersehensprozedur war hier die gleiche. Nach meinem Wunsch-Sonntagsessen zuhause (Blumenkohl, Klops, Kartoffeln), war der Tag gelaufen.

Es folgte fünf Tage langes auspacken, ausrangieren und wegwerfen. Ich stürzte mich förmlich in meine 2 großen Reisekoffer, 2 Rucksäcke, unzählige Handtaschen, in meinen Kleiderschrank und meine vielen Zimmerschränke, um nicht nur den Inhalt meiner Koffer in mein Zimmer zu stopfen, sondern dieses vorher zu entrümpeln. Ich entsorgte zwei große Müllsäcke Klamotten, zwei große Müllsäcke mit Kram und eineinhalb große Papierkörbe Papier. Eine unglaubliche Erleichterung! Nach 7 Monaten Abwesenheit merkt man genau, was einem alles nicht gefehlt hat und plötzlich fällt es ungeahnt leicht, Dinge wegzuschmeißen.
Am Mittwoch erhielt ich ungeahnt einen Anruf von einem Professor der Universität Luxemburg, wo ich mich für Psychologie beworben hatte, nachdem ich bereits 12 Absagen aus Deutschland erhalten hatte. Der Professor lud mich für den 8. August nach Luxemburg zu einem Vorstellungsgespräch ein!!! Noch nie empfand ich so viel Freude, Panik, Aufregung und Übelkeit zugleich, wie ich es nach diesem Telefonat tat. Sofort checkte ich die Zugpreise im Internet und stellte fest, dass es mich ca. 200€ kosten würde, nach LUX hin und zurück zu fahren. Tagelang dachte ich nach, ob ich diesen Termin wirklich wahrnehmen sollte, denn 200€ wollte ich nur ausgeben, wenn ich auch eine Chance hatte, an der Uni Lux angenommen zu werden. Zusätzlich machte mir zu schaffen, dass ich nichts über die finanzielle Studien-Unterstützung in Luxemburg weiß. Die Gedanken, die ich mir bezüglich dieses Vorstellungsgespräches machte, sollten noch lange kein Ende nehmen...Dazu aber mehr in Teil II meines Eintrages!

Es folgte meine große Willkommenfeier am Samstag, sechs Tage nach meiner Ankunft in Magdeburg. Gewünscht hatte ich mir eigentlich eine Überraschungsfeier, also eine Feier, von der mir weder der Aufenthaltsort, noch Uhrzeit oder Gästeliste vorher verraten werden.
Leider ging dieser Wunsch irgendwie unter oder wurde nicht richtig verstanden, denn innerhalb der letzten 3 Monaten meines Aufenthalten in Luxemburg wurde ich gefragt, ob es okay sei, wenn die Party im Garten stattfände, wer alles kommen solle und welches Datum und welche Uhrzeit mir am liebsten seien. Im Prinzip organisierte ich die Einzelheiten meiner „Überraschungs-“party selbst.

Das Ergebnis war, dass ich erst mal mit Martin und Caro, meine langjährigste Freundin, die mich auch zusammen mit Stefan in LUX besucht hatte, im Garten auf der Hollywood-Schaukel saß und sowohl auf meine Eltern wartete, die sich zuhause noch einmal frisch machten, als auch auf meine restliche Familie, die plötzlich erst später zur Party erscheinen wollte, als geplant. Hinter dieser plötzlichen Verspätung vermutete ich die so sehr von mir gewünschte Überraschung, hatte aber falsch vermutet.

Das heißt nicht ganz: von meiner Tante erhielt ein wunderschönes Buch über das Land Luxemburg, wie ich es sieben Monate lang gebraucht hätte. Meine Großeltern schenkten mit einen Salz- und Pfefferstreuer aus dem Hundertwasserhaus, die in ihrer Form und Farbe so einmalig sind, dass nur ich sie habe. Damit passen sie super zu meiner Hundertwasser-Vase. Über die Geschenke habe ich mich wirklich sehr gefreut, da sie völlig unerwartet kamen.

Als dann meine Eltern in den Garten kamen übergaben sie mir einen Brief von der Universität Erfurt. Hiermit beginnt die komplizierte Geschichte meiner Studiensuche und meines kurzen „Studentendaseins“, die ich in Teil II dieses Eintrages fortsetze. Denn Erfurt schickte mir eine Zusage...

Damit waren die aufregenden Minuten meiner Party vorbei. Für die eingeladenen Gäste, meine Familie, machte diese Feier den Eindruck einer Pflichtveranstaltung, als hätte ich festgelegt, dass jeder zu kommen hat, um mich gefälligst zu begrüßen und alle unterwerfen sich nun meinem Wunsch. Der Grund für die Feier und die Anwesenheit wurde schnell vergessen. Nach der Begrüßungsprozedur - drücken, küssen, grinsen, angucken – wurde die Feier genau so, wie jede andere unserer Familienfeiern auch ist. Die Gäste saßen am großen Tisch, plauderten über jede Menge Zeugs, tranken und aßen reichlich, während ich den Großteil der Feier damit verbrachte, beinahe unbemerkt anwesend zu sein. Nach der anfänglichen Plauderei über meinen Freiwilligendienst war das Thema Luxemburg abgehakt. Niemand stellte mir mehr Fragen, quetschte mich aus oder wollte ein paar Erzählungen hören.
Meine Großeltern hatten immerhin regelmäßig mein detailliertes Internet-Tagebuch mitgelesen und oft mit mir telefoniert. Tante, Onkel, Cousin und Cousine waren ebenfalls recht gut informiert. Also gab es nicht mehr viel zu erzählen. Ich schloss den Abend mit einer Fotopräsentation auf meinem Laptop, um die ich nicht gebeten wurde und die es nicht vermochte die ganze Aufmerksamkeit aller Gäste auf sich zu ziehen.

Es war vielleicht naiv von mir, aber diese Feier hatte ich mir anders vorgestellt, hatte ich doch so lange auf sie gewartet. Fairer Weise muss ich allerdings sagen, dass ich nicht weiß, wie diese Feier anders hätte verlaufen können. Vielleicht habe ich nach 7 Monaten Auslandsaufenthalt und Trennung von meiner Familie auch einfach nur den Bezug zur Realität verloren. Ich hatte gedacht, dass nach so langer Abwesenheit ein ganzer Nachmittag und die gesamte Aufmerksamkeit meiner Familie mir gehören könnte...


Das war jedenfalls meine erste Woche zurück in der Heimat. In Teil II erzähle ich euch, wie es mit meiner Uni-Laufbahn in Erfurt und Luxemburg weiter ging. Seid gespannt! Ich hoffe ihr seid des Lesens noch nicht müde ;)


Ich hab euch lieb und drücke euch,
Sandra

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