Sport bis zum Abwinken

Schon kurze Zeit nach meiner Ankunft hier fehlten mir Bewegung und Sport unglaublich. Zuhause machte ich zwar auch nicht so viel Sport, aber ich hatte immerhin einmal die Woche Tanzunterricht und war jeden Tag mehrmals und lange mit Fahrrad unterwegs. Nachdem ich hier ankam gab es erst mal nichts an Bewegung.

Als ich dieses Problem den Mädels aus meiner WG schilderte, konnte ich Sandra leicht davon überzeugen, jeden Morgen nach dem Frühstück zusammen Fitness zu machen, denn glücklicher Weise habe ich ja ein gutes Fitnessbuch, nach dem wir uns richten können. Seit 6 Wochen machen wir also nun jeden Morgen Fitness und lieben es, den Tag so zu beginnen. Maria konnte sich nie durchringen mitzumachen, aber für drei Leute und 6 Hanteln würde es in der Küche auch ganz schön eng werden.

Doch das morgendliche Fitnesstraining war uns noch nicht genug und so entstand der ultimative und niemals vollzogene Fitnessplan.
Auf der Suche nach einer Möglichkeit Sport zu treiben, entdeckte Maria im Dorf nebenan (15 Minuten Fußweg) einen Boxclub, wohin wir Dienstags und Donnerstags zusammen gehen wollten. Freitags ist im gleichen Dorf in einer Sporthalle, in der mein Mitbewohner Ender Badminton-Trainer ist, freies Badminton-Training, zu dem wir gehen wollten. Sollten wir mal keine Lust auf Boxen haben, könnten wir Donnerstags zur Wassergymnastik (Aquagym).

So war der Plan. Bisher waren wir einmal Badminton spielen und abgesehen von Sandra niemals beim Aquagym. Boxen mussten Maria und ich bis jetzt immer getrennt gehen, da sie nur Montags und Mittwochs gehen kann, wo ich allerdings Sprachschule habe.

Das Boxtraining gehört mit zu den anstrengendsten Dingen, die ich bisher in meinem Leben gemacht habe. Letzte Woche Freitag bin ich das erste Mal dort gewesen – allerdings ohne zu wissen, dass Freitags der Fortgeschrittenen- und Profikurs ist :o)
Als ich mit Celine, einer anderen Freiwilligen, dort um 19 Uhr ankam, war das Training seit einer halben Stunde bereits in vollem Gange. In der Mitte eines Kreises stand ein schwarzer, sportlicher, kleiner Mann (wie sich später herausstellte Profiboxer), um den sich ca. 15 Teilnehmer versammelt hatten. In dem Raum waren ca. 30 Grad, gefühlte 40 und die Luft war feucht vom Schwitzen der Teilnehmer.
Celine und ich sind einfach ins Konditions-Training mit eingestiegen, das noch eine dreiviertel Stunde dauerte, während der man fast ohne Unterbrechung leicht hüpfen musste, während man schmerzende Arm-Übungen machte. Alle paar Minuten ging es runter auf den Boden für 10 Liegestütze und etliche verschiedene Arten Sit-ups. Das Tempo, das dabei an den Tag gelegt wurde, war ungeheuerlich. Während ich mit Ach und Krach zwei Liegestütze hingezaubert habe, hatte der Trainer seine 10 Liegestütze beendet und sprang wieder auf die Beine.
Meine Zwei-Liter-Flasche neigte sich so schnell dem Ende entgegen und mein T-Shirt einem Feuchtigkeitszustand, den es sonst nur aus der Waschmaschine kennt. Wären Celine und ich pünktlich gekommen, wir hätten das Training niemals so lange durchgehalten.

Das Unangenehme daran war, dass die anderen Teilnehmer hauptsächlich 40 Jahre und älter waren oder meine doppelte Körperstatur hatten oder bezüglich einer Teilnehmerin von Kopf bis Fuß in pink gekleidet und ca. 10 Jahre alt waren. Alle haben, wenn auch keuchend, das Training ohne Pause ausgehalten haben, während Celine und ich alle 5 bis 10 Minuten nach Luft oder der Wasserflasche schnappten…

Anschließend war noch 45 Minuten freies Training, die Celine und ich mit einem der Boxer vorm Spiegel verbracht haben, damit er uns die Technik beim Boxen erklären konnte. Seitdem weiß ich, dass ich gern Fitness- Tanz- oder Konditionstraining bis zum Abwinken machen, boxen jedoch nicht unbedingt meine Welt ist, aus vielerlei Gründen.
In Zukunft werde ich also im freien Training die Geräte nutzen und nicht das Boxen erlernen.

Dienstag bin ich wieder beim Boxen gewesen, diesmal allerdings zum Anfänger-Training. Dort musste ich mich nur 30 Minuten auspowern (alle 3 Minuten runter und 10 Liegestütze) in einem harten Tempo, das ich aber noch mithalten konnte, weshalb ich beim Anfängerkurs insgesamt viel aktiver war, als beim Profikurs, wo ich sehr oft nicht mithalten konnte.
Das zeigte auch der Unterschied beim Muskelkater: Vom Fortgeschrittenen-Kurs taten mir nur die Waden weh, vom Anfängerkurs mein ganzer Körper.

Obwohl ich mir geschworen habe, erst mal nur zum Anfängerkurs zu gehen, werde ich mich heute Abend wieder den Fortgeschrittenen anschließen, weil ich es gestern nicht zum Anfänger-Training geschafft habe, aber mich endlich wieder bewegen will. Also ein Hoch auf Selbstquälerei und Muskelkater…


Bis demnächst dann. Fühlt euch mit neuen Muckis kräftig gedrückt :o)

Die Sandra

User Status

Du bist nicht angemeldet.

Aktuelle Beiträge

Ein letztes Mal in Luxemburg...Freitag
Auch wenn ich vielen bereits persönlich von meiner...
Sandra_in_Luxemburg - 4. Mär, 19:42
Ein letztes Mal Luxemburg...
Der Donnerstag war ein guter Tag! Eigentlich war er...
Sandra_in_Luxemburg - 13. Feb, 22:41
Ein letztes Mal Luxemburg...
Mittwoch Morgen hatte ich einen Plan! Ich besitze vom...
Sandra_in_Luxemburg - 12. Feb, 21:19
Ein letztes Mal Luxemburg...
Am Dienstag gab es Sturm! Einen so heftigen Sturm,...
Sandra_in_Luxemburg - 11. Feb, 22:50
Ein letztes Mal Luxemburg...
Schon ziemlich früh klingelte Marias Wecker. Da sie...
Sandra_in_Luxemburg - 10. Feb, 22:20
Ein letztes Mal Luxemburg...
Die lange Geschichte von der Planung meines Vorhabens...
Sandra_in_Luxemburg - 9. Feb, 22:11
Zurück nach Magdeburg...
Meine diesjährige Studentenlaufbahn ist kurz – sie...
Sandra_in_Luxemburg - 14. Sep, 19:37
Zurück in Magdeburg –...
Auf Bitte einer einzelnen Person sollte ich meinen...
Sandra_in_Luxemburg - 10. Sep, 13:16

Links

Kalender

April 2008
Mo
Di
Mi
Do
Fr
Sa
So
 
 1 
 2 
 3 
 4 
 5 
 7 
 8 
 9 
10
11
12
13
15
16
17
20
21
22
23
25
27
28
29
30
 
 
 
 
 

Web Counter-Modul

Suche

 

Status

Online seit 6681 Tagen
Zuletzt aktualisiert: 11. Mär, 21:01

Credits


Die Rückkehr und das Danach
Erlebnisse
Meine WG
Profil
Abmelden
Weblog abonnieren