ASTM Jeune Day – Einmal umsonst aufgestanden
Vor 4 oder 5 Wochen hatte ich den Plan, in der zweiten April-Woche (also jetzt) nach Amsterdam zu fahren. Mein Plan wurde jäh durchkreuzt, als meine Tutorin Natalia sagte, dass ich verreisen kann, aber am 12. und 19. April wegen Veranstaltungen anwesend sein muss. Diese Geschichte hatte ich ja bereits in meinem Beitrag „Fernweh und Reiseplanung“ vom 30. März geschildert.
Vorgestern war ja nun der 12. April und eine der beiden Veranstaltungen fand statt. Der Veranstalter und Geldgeber war ASTM, Abkürzung für Action Solidarite Tiers Monde, zu deutsch so was wie Solidarische Action für die Dritte Welt oder so (alle Französischsprachigen mögen mir bei Fehlern verzeihen).
Alle Organisationen Luxemburgs, die sich mit ihrer Projektarbeit irgendwie für die Dritte Welt engagieren, waren also zugegen und hatten auf dem winzig kleinen Marktplatz des winzigen Dorfes Dudelange (oder deutsch: Dudelingen) einen Informationsstand für sich aufgebaut. So tat es auch mein Projekt, der Infoladen.
Am Tag zuvor, Freitag, hatte ich mich mit den beiden luxemburgischen Freiwilligen Stella und Ender bei Stella zuhause getroffen, um für unseren Stand beim ASTM Tag Essen zuzubereiten.
Dazu eine kleine Vorgeschichte. Schon vor ca. 4 oder 5 Wochen wurde von der ASTM in Auftrag gegeben, dass der Infoladen für den ASTM Tag einen Brunch für 100 Leute organisieren soll. Das und nur das, war die einzige Information, die ich von meinem Chef Gary erhielt, als ich mich dafür meldete, diesen Brunch zu organisieren.
Erst nach und nach habe ich dann heraus gefunden, wie viel Budget mir zu Verfügung steht zum Bestellen von Lebensmitteln, wo ich das Essen für solche Veranstaltungen bestelle und, dass das Essen ausschließlich vegan sein darf. Es wäre ja auch viel zu umständlich gewesen mir alles von Anfang an klar, deutlich und direkt zu erklären….dann hätte es zur Abwechslung ja mal reibungslos funktioniert..…und stattdessen hätte ich ja auch fragen können, auf welche wichtigen Besonderheiten ich zu achten habe. Freundlicher Weise hätte man es mir aber auch erklären können…..aber egal jetzt.
[Für alle die es nicht wissen: Veganer essen im Gegensatz zu Vegetariern keinerlei tierische Produkte. Das heißt nicht nur kein Fleisch, sondern auch keine Eier, Milch oder Gelatine, sowie keine Produkte, in denen einer dieser Stoffe enthalten ist. Veganes Essen hat oft die Angewohnheit geschmacksneutral und fade zu sein.]
Vor gut zwei Wochen setzte ich mich mit Ender und Delphine, der Freiwilligen aus Frankreich, vor den Computer und dort mit der Bestellliste auseinander. Wir bestellten Unmengen an Essen…..Nudeln, Reis, Couscous, Aufstriche und Marmeladen fürs Brot, Zwiebeln, Karotten, Wurst und Käse, weil wir noch nicht wussten, dass alles vegan sein muss, und jede Menge Tee und Säfte. Diese Bestellung schickten wir ab.
Am letzten Mittwoch, also 3 Tage vor der eigentlichen Veranstaltung, erfuhr ich dann von Gary, dass die Leute von ASTM einen Kostenvoranschlag von ihm gewollt hatten, wie viel die bestellten Lebensmittel kosten würden. Weil Gary es nicht gebacken gekriegt hat das einem der Freiwilligen (am besten mir) zu sagen und es selbst auch nicht auf die Reihe bekam das zu erledigen, wurde uns der Auftrag, den Brunch zu organisieren, zur Hälfte entzogen.
Der ASTM war es zu riskant geworden uns den ganzen Auftrag zu überlassen und so mussten wir nur noch einen Brunch für 50 Personen organisieren – allerdings war nun schon lange für 100 Personen bestellt und wir haben somit weit mehr Geld ausgegeben, als uns zur Verfügung gestellt wurde.
Vor 3 Tagen, am Freitag, kam die Lieferung dann an. Glücklicher Weise und wahrscheinlich typisch für Luxemburg, konnte die Hälfe nicht geliefert werden. Das Problem war also schon mal gelöst….mal angenommen, wir hätten doch für 100 Leute servieren müssen, dann wäre das eine Katastrophe gewesen.
Ender holte also das Essen ab, holte anschließend mich von zuhause ab und wir fuhren zu Stella zum kochen. Was wir noch im großen Van hatten: Neben zahlreichen Töpfen zum Kochen, sowie Salatschüsseln, hatten wir sage und schreibe 25 Teller sowie Messer, Gabeln und Löffel, zwei Bänke und zwei Tische und eine Handvoll Tassen – für 50 Leute, ursprünglich 100 Leute, für die wir auch nicht mehr mitgebracht hätten.
Auf die Frage, warum wir keine Packung Pappteller holen, kam die Antwort, das sei nicht ökologisch. Der Infoladen steht nun mal für Veganismus und ökologiebewusstes Verhalten – das heißt nicht für Pappteller. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon gut bedient von der ganzen Organisation.
Als wäre das nicht schon alles blöd genug für einen einzigen Tag gewesen, sagt mir Ender, dass wir kein Brot haben. Mhh…was sagt man dazu? Wir haben Kiloweise Aufstriche und Marmelade sowie 50 hungrige Mäuler zu stopfen, aber kein Brot. Wie kommt das?!?!?!
Er organisierte es, dass ein Bäcker sein gesamtes Restbrot am Ende des Tages für uns zum abholen aufbewahrt und wir dann kostenlos haben können, was noch übrig ist. Immerhin etwas…es gab nur niemanden, der das Brot abholen konnte…
Ich verbrachte also meinen Freitag von 11 bis 17 Uhr 6 Stunden lang mit kochen veganer Gerichte und war gleichzeitig am Verhungern. Zuhause angekommen konnte ich kaum noch auf beiden Beinen stehen und das, wo ich eine halbe Stunde später mein erstes Boxtraining hatte! Eigentlich wollte ich ja schon eher zuhause sein, weil ich nicht gedacht hätte, dass das Zubereiten 4 veganer Salate 6 Stunden dauert, wenn man zu dritt ist.
Zum Boxtraining wird es allerdings noch einen eigenen Extra-Eintrag geben.
Dann wurde es Samstag und der große Tag begann. Um 10 Uhr machte ich mich auf nach Dudelange, wo bereits unser Stand halbwegs aufgebaut war. Anschließend ging es erst mal eine ganze Weile ans Brötchen schmieren, denn ein Wunder war geschehen: Enders Eltern hatten das Brot vom Becker abgeholt! Genauer gesagt war es ein großer blauer Sack voll mit 80 verschiedenen Brötchen und 2 Broten. Also genug…
Hier ein Bild vom Brötchen schmieren mit Stella und Ender.

Das Wetter war immerhin auch in Ordnung. Es war sehr kalt, aber es regnete nicht und die Sonne kam hin und wieder zum Vorschein. Dennoch: Schon bald stellte sich die Veranstaltung als ein (für meinen Geschmack schlechten) Witz heraus. Auf dem besagten winzig kleinen Marktplatz hatten 9 oder 10 Organisationen ihren Stand aufgebaut und die dazugehörigen Leute standen oder liefen von Stand zu Stand rum. Der Grund war wohl, dass mehr, als die Leute der Organisationen und deren Freunde, nicht kamen. Von Besuchern weit und breit keine Spur. Hin und wieder mal ein paar einzelne Personen, ansonsten waren die Stände nur zum Spaß und zum gucken aufgebaut worden.
Im Laufe der Zeit stellte sich dann auch ein Missverständnis heraus: Ich war die ganzen Wochen davon ausgegangen, dass eine Gruppe von 100 Besuchern kommen wird, für die wir den Brunch zubereitet haben. In Wahrheit war dieser Brunch, der für 100 Leute organisiert werden sollte, aber nicht für eine feste Gruppe von Besuchern, sondern für jeden, der Essen möchte, ganz egal für wen. Und das waren nur wir und die Leute der anderen Stände, denn mehr waren ja nicht da.
Außerdem hatte die ASTM für zahlreiche Bänke und Tische gesorgt hatte, was bestimmt den teilnehmenden Organisationen mitgeteilt worden war und nur die Chaostruppe, für die ich arbeite, hat es mal wieder nicht mitbekommen.
Was es allerdings nicht wie geplant gab, war das Wasserbecken, das da sein sollte und in dem die (fehlenden) Besucher ihr gebrauchtes Geschirr und Besteck selbst abwaschen sollten….natürlich, was sonst! Das Wasserbecken stelle sich als 5-Liter Schüssel aus dem Infoladen heraus, das fließende Wasser dazu gab es jedoch nirgendwo.
Die Folge: Nachdem die 25 mitgebrachten Teller sich dem Ende neigten, wurde Plastikgeschirr verwendet. Jaja so viel zu ökologiebewusstem Verhalten und ich hab Recht gehabt…haha!
Und jetzt steht im Infoladen eine unfassbar große Menge Geschirr, die abgewaschen werden muss. Und dreimal dürft ihr raten, wer das macht?! Und noch dazu werde ich mit kaltem Wasser abwaschen, denn warmes Wasser gibt’s im Infoladen nicht. Lecker. Die Ekelschwelle muss hier oft sehr hoch sein.
Naja…zurück zur Veranstaltung. Ansonsten gab es noch eine große Anzahl Afrikaner, die es tatsächlich geschafft haben abwechselnd 6 Stunden lang ohne Atempause Musik zu machen. Es gab jede Menge Reggae-Musik, eine große Percussion-Gruppe, viele verschiedene Tanzgruppen, zwei Gitarristen…und alles Afrikaner, die afrikanische Musik in ohrenbetäubender, kopfschmerzerregender Lautstärke machten und furchtbar rumschreien mussten.

Da es an jedem Stand etwas zu essen gab, blieb am lang ersehnten Ende des Tages um 17 Uhr weit mehr als die Hälfte unseres selbstgemachten Essens übrig. Keiner wollte nach einmal Probieren noch einmal Nachschlag vom veganen Essen, wenn es woanders Waffeln, Bockwurst, Schmalzkuchen oder in Teig gebackene Bananen gab…also böses, unveganes Essen.
Verkauft haben wir ebenfalls nichts – keine Getränke, keine Zeitschriften, keine Buttons…Nichts. Was noch einmal verdeutlicht, dass da wirklich keine Besucher oder zumindest keine interessierten Besucher waren.
Aber hier noch mein persönlicher Höhepunkt des Tages. Die Reise nach Amsterdam hatte ich ja nun abblasen müssen. Die anderen Freiwilligen, die fahren werden, hatten die Reise vom 11. auf den 19. April verschoben, weil sie nicht wussten, dass ich laut meiner Tutorin auch am 19. April anwesend zu sein habe.
Im Laufe des Tages setzte sich dann meine Tutorin Natalia zu mir und fragte mich, wann es denn auf geht nach Amsterdam. Ich erzählte ihr, dass ich gar nicht fahren werde, weil sie gesagt hat, ich sollte da sein. UND PLÖTZLICH konnte sie sich gar nicht mehr so recht erinnern das gesagt zu aber und bekam ein ganz schlechtes Gewissen. Nachdem ich ihr unser Gespräch von damals wieder ins Gedächtnis gerufen hatte, meinte sie, dass das nicht so ernst gemeint war, dass ich da sein muss!!!!!!!!! Es wäre nicht schlecht, wenn ich da wäre, aber wenn ich verreisen wollte, könne ich das natürlich tun.
Seit diesem Gespräch ist mir noch keine gerechte Möglichkeit Natalia zu quälen eingefallen, die den Stress, den ich überflüssiger Weise wegen Amsterdam hatte, wieder ansatzweise gut macht :o)
So viel also zu meinem berauschenden Wochenende und meiner spaßigen Arbeit hier. Das beste war wohl das Ausschlafen am Sonntag :o)
Ein Bilderalbum zum ASTM-Tag werde ich heute auch bei studi reinsetzen.
Ich hab euch alle lieb und drücke euch. Bis bald,
knutschi
PS.: Zum Abschluss noch ein kleiner Witz von Stella, ebenfalls Veganerin. Die Auflösung des Witzes kriegt ihr beim nächsten Eintrag, bis dahin habt ihr ja dann genug Zeit über die Antwort nachzudenken. Also: Warum essen Veganer keine Hühner?
Vorgestern war ja nun der 12. April und eine der beiden Veranstaltungen fand statt. Der Veranstalter und Geldgeber war ASTM, Abkürzung für Action Solidarite Tiers Monde, zu deutsch so was wie Solidarische Action für die Dritte Welt oder so (alle Französischsprachigen mögen mir bei Fehlern verzeihen).
Alle Organisationen Luxemburgs, die sich mit ihrer Projektarbeit irgendwie für die Dritte Welt engagieren, waren also zugegen und hatten auf dem winzig kleinen Marktplatz des winzigen Dorfes Dudelange (oder deutsch: Dudelingen) einen Informationsstand für sich aufgebaut. So tat es auch mein Projekt, der Infoladen.
Am Tag zuvor, Freitag, hatte ich mich mit den beiden luxemburgischen Freiwilligen Stella und Ender bei Stella zuhause getroffen, um für unseren Stand beim ASTM Tag Essen zuzubereiten.
Dazu eine kleine Vorgeschichte. Schon vor ca. 4 oder 5 Wochen wurde von der ASTM in Auftrag gegeben, dass der Infoladen für den ASTM Tag einen Brunch für 100 Leute organisieren soll. Das und nur das, war die einzige Information, die ich von meinem Chef Gary erhielt, als ich mich dafür meldete, diesen Brunch zu organisieren.
Erst nach und nach habe ich dann heraus gefunden, wie viel Budget mir zu Verfügung steht zum Bestellen von Lebensmitteln, wo ich das Essen für solche Veranstaltungen bestelle und, dass das Essen ausschließlich vegan sein darf. Es wäre ja auch viel zu umständlich gewesen mir alles von Anfang an klar, deutlich und direkt zu erklären….dann hätte es zur Abwechslung ja mal reibungslos funktioniert..…und stattdessen hätte ich ja auch fragen können, auf welche wichtigen Besonderheiten ich zu achten habe. Freundlicher Weise hätte man es mir aber auch erklären können…..aber egal jetzt.
[Für alle die es nicht wissen: Veganer essen im Gegensatz zu Vegetariern keinerlei tierische Produkte. Das heißt nicht nur kein Fleisch, sondern auch keine Eier, Milch oder Gelatine, sowie keine Produkte, in denen einer dieser Stoffe enthalten ist. Veganes Essen hat oft die Angewohnheit geschmacksneutral und fade zu sein.]
Vor gut zwei Wochen setzte ich mich mit Ender und Delphine, der Freiwilligen aus Frankreich, vor den Computer und dort mit der Bestellliste auseinander. Wir bestellten Unmengen an Essen…..Nudeln, Reis, Couscous, Aufstriche und Marmeladen fürs Brot, Zwiebeln, Karotten, Wurst und Käse, weil wir noch nicht wussten, dass alles vegan sein muss, und jede Menge Tee und Säfte. Diese Bestellung schickten wir ab.
Am letzten Mittwoch, also 3 Tage vor der eigentlichen Veranstaltung, erfuhr ich dann von Gary, dass die Leute von ASTM einen Kostenvoranschlag von ihm gewollt hatten, wie viel die bestellten Lebensmittel kosten würden. Weil Gary es nicht gebacken gekriegt hat das einem der Freiwilligen (am besten mir) zu sagen und es selbst auch nicht auf die Reihe bekam das zu erledigen, wurde uns der Auftrag, den Brunch zu organisieren, zur Hälfte entzogen.
Der ASTM war es zu riskant geworden uns den ganzen Auftrag zu überlassen und so mussten wir nur noch einen Brunch für 50 Personen organisieren – allerdings war nun schon lange für 100 Personen bestellt und wir haben somit weit mehr Geld ausgegeben, als uns zur Verfügung gestellt wurde.
Vor 3 Tagen, am Freitag, kam die Lieferung dann an. Glücklicher Weise und wahrscheinlich typisch für Luxemburg, konnte die Hälfe nicht geliefert werden. Das Problem war also schon mal gelöst….mal angenommen, wir hätten doch für 100 Leute servieren müssen, dann wäre das eine Katastrophe gewesen.
Ender holte also das Essen ab, holte anschließend mich von zuhause ab und wir fuhren zu Stella zum kochen. Was wir noch im großen Van hatten: Neben zahlreichen Töpfen zum Kochen, sowie Salatschüsseln, hatten wir sage und schreibe 25 Teller sowie Messer, Gabeln und Löffel, zwei Bänke und zwei Tische und eine Handvoll Tassen – für 50 Leute, ursprünglich 100 Leute, für die wir auch nicht mehr mitgebracht hätten.
Auf die Frage, warum wir keine Packung Pappteller holen, kam die Antwort, das sei nicht ökologisch. Der Infoladen steht nun mal für Veganismus und ökologiebewusstes Verhalten – das heißt nicht für Pappteller. Zu diesem Zeitpunkt war ich schon gut bedient von der ganzen Organisation.
Als wäre das nicht schon alles blöd genug für einen einzigen Tag gewesen, sagt mir Ender, dass wir kein Brot haben. Mhh…was sagt man dazu? Wir haben Kiloweise Aufstriche und Marmelade sowie 50 hungrige Mäuler zu stopfen, aber kein Brot. Wie kommt das?!?!?!
Er organisierte es, dass ein Bäcker sein gesamtes Restbrot am Ende des Tages für uns zum abholen aufbewahrt und wir dann kostenlos haben können, was noch übrig ist. Immerhin etwas…es gab nur niemanden, der das Brot abholen konnte…
Ich verbrachte also meinen Freitag von 11 bis 17 Uhr 6 Stunden lang mit kochen veganer Gerichte und war gleichzeitig am Verhungern. Zuhause angekommen konnte ich kaum noch auf beiden Beinen stehen und das, wo ich eine halbe Stunde später mein erstes Boxtraining hatte! Eigentlich wollte ich ja schon eher zuhause sein, weil ich nicht gedacht hätte, dass das Zubereiten 4 veganer Salate 6 Stunden dauert, wenn man zu dritt ist.
Zum Boxtraining wird es allerdings noch einen eigenen Extra-Eintrag geben.
Dann wurde es Samstag und der große Tag begann. Um 10 Uhr machte ich mich auf nach Dudelange, wo bereits unser Stand halbwegs aufgebaut war. Anschließend ging es erst mal eine ganze Weile ans Brötchen schmieren, denn ein Wunder war geschehen: Enders Eltern hatten das Brot vom Becker abgeholt! Genauer gesagt war es ein großer blauer Sack voll mit 80 verschiedenen Brötchen und 2 Broten. Also genug…
Hier ein Bild vom Brötchen schmieren mit Stella und Ender.

Das Wetter war immerhin auch in Ordnung. Es war sehr kalt, aber es regnete nicht und die Sonne kam hin und wieder zum Vorschein. Dennoch: Schon bald stellte sich die Veranstaltung als ein (für meinen Geschmack schlechten) Witz heraus. Auf dem besagten winzig kleinen Marktplatz hatten 9 oder 10 Organisationen ihren Stand aufgebaut und die dazugehörigen Leute standen oder liefen von Stand zu Stand rum. Der Grund war wohl, dass mehr, als die Leute der Organisationen und deren Freunde, nicht kamen. Von Besuchern weit und breit keine Spur. Hin und wieder mal ein paar einzelne Personen, ansonsten waren die Stände nur zum Spaß und zum gucken aufgebaut worden.
Im Laufe der Zeit stellte sich dann auch ein Missverständnis heraus: Ich war die ganzen Wochen davon ausgegangen, dass eine Gruppe von 100 Besuchern kommen wird, für die wir den Brunch zubereitet haben. In Wahrheit war dieser Brunch, der für 100 Leute organisiert werden sollte, aber nicht für eine feste Gruppe von Besuchern, sondern für jeden, der Essen möchte, ganz egal für wen. Und das waren nur wir und die Leute der anderen Stände, denn mehr waren ja nicht da.
Außerdem hatte die ASTM für zahlreiche Bänke und Tische gesorgt hatte, was bestimmt den teilnehmenden Organisationen mitgeteilt worden war und nur die Chaostruppe, für die ich arbeite, hat es mal wieder nicht mitbekommen.
Was es allerdings nicht wie geplant gab, war das Wasserbecken, das da sein sollte und in dem die (fehlenden) Besucher ihr gebrauchtes Geschirr und Besteck selbst abwaschen sollten….natürlich, was sonst! Das Wasserbecken stelle sich als 5-Liter Schüssel aus dem Infoladen heraus, das fließende Wasser dazu gab es jedoch nirgendwo.
Die Folge: Nachdem die 25 mitgebrachten Teller sich dem Ende neigten, wurde Plastikgeschirr verwendet. Jaja so viel zu ökologiebewusstem Verhalten und ich hab Recht gehabt…haha!
Und jetzt steht im Infoladen eine unfassbar große Menge Geschirr, die abgewaschen werden muss. Und dreimal dürft ihr raten, wer das macht?! Und noch dazu werde ich mit kaltem Wasser abwaschen, denn warmes Wasser gibt’s im Infoladen nicht. Lecker. Die Ekelschwelle muss hier oft sehr hoch sein.
Naja…zurück zur Veranstaltung. Ansonsten gab es noch eine große Anzahl Afrikaner, die es tatsächlich geschafft haben abwechselnd 6 Stunden lang ohne Atempause Musik zu machen. Es gab jede Menge Reggae-Musik, eine große Percussion-Gruppe, viele verschiedene Tanzgruppen, zwei Gitarristen…und alles Afrikaner, die afrikanische Musik in ohrenbetäubender, kopfschmerzerregender Lautstärke machten und furchtbar rumschreien mussten.

Da es an jedem Stand etwas zu essen gab, blieb am lang ersehnten Ende des Tages um 17 Uhr weit mehr als die Hälfte unseres selbstgemachten Essens übrig. Keiner wollte nach einmal Probieren noch einmal Nachschlag vom veganen Essen, wenn es woanders Waffeln, Bockwurst, Schmalzkuchen oder in Teig gebackene Bananen gab…also böses, unveganes Essen.
Verkauft haben wir ebenfalls nichts – keine Getränke, keine Zeitschriften, keine Buttons…Nichts. Was noch einmal verdeutlicht, dass da wirklich keine Besucher oder zumindest keine interessierten Besucher waren.
Aber hier noch mein persönlicher Höhepunkt des Tages. Die Reise nach Amsterdam hatte ich ja nun abblasen müssen. Die anderen Freiwilligen, die fahren werden, hatten die Reise vom 11. auf den 19. April verschoben, weil sie nicht wussten, dass ich laut meiner Tutorin auch am 19. April anwesend zu sein habe.
Im Laufe des Tages setzte sich dann meine Tutorin Natalia zu mir und fragte mich, wann es denn auf geht nach Amsterdam. Ich erzählte ihr, dass ich gar nicht fahren werde, weil sie gesagt hat, ich sollte da sein. UND PLÖTZLICH konnte sie sich gar nicht mehr so recht erinnern das gesagt zu aber und bekam ein ganz schlechtes Gewissen. Nachdem ich ihr unser Gespräch von damals wieder ins Gedächtnis gerufen hatte, meinte sie, dass das nicht so ernst gemeint war, dass ich da sein muss!!!!!!!!! Es wäre nicht schlecht, wenn ich da wäre, aber wenn ich verreisen wollte, könne ich das natürlich tun.
Seit diesem Gespräch ist mir noch keine gerechte Möglichkeit Natalia zu quälen eingefallen, die den Stress, den ich überflüssiger Weise wegen Amsterdam hatte, wieder ansatzweise gut macht :o)
So viel also zu meinem berauschenden Wochenende und meiner spaßigen Arbeit hier. Das beste war wohl das Ausschlafen am Sonntag :o)
Ein Bilderalbum zum ASTM-Tag werde ich heute auch bei studi reinsetzen.
Ich hab euch alle lieb und drücke euch. Bis bald,
knutschi
PS.: Zum Abschluss noch ein kleiner Witz von Stella, ebenfalls Veganerin. Die Auflösung des Witzes kriegt ihr beim nächsten Eintrag, bis dahin habt ihr ja dann genug Zeit über die Antwort nachzudenken. Also: Warum essen Veganer keine Hühner?
Sandra_in_Luxemburg - 14. Apr, 10:40
Witz