Sprachkultur in Luxemburg…

Wie ich schon einmal erwähnt habe, grenzt Luxemburg zum einen an mehrere Länder und hat zusätzlich auch noch einen hohen Ausländeranteil. Aus diesem Grund werden hier in diesem Land viele Sprachen gesprochen.
Ein echter Luxemburger lernt im Laufe seiner Schullaufbahn mit luxemburgisch, französisch, deutsch und englisch mindestens 4 Sprachen, die er FLIEßEND sprechen muss. Wahlweise kann er dann auch noch spanisch oder italienisch lernen…

Unter diesen Umständen herrscht für mich in Luxemburg eine große sprachliche Verwirrung. Wenn ich jemanden kennen lerne, was relativ häufig vorkommt, weiß ich nie, woher er kommt und welche Sprache er spricht. Das Gleiche gilt natürlich auch für Menschen die mich kennenlernen. Entweder strecken sie mir die Hand entgegen, begrüßen mich unsicher auf englisch und fragen dann nach meiner Antwort mit einem Augenzwinkern oder einem Fingerzeig „Ah, deutsch?“.
Oder Luxemburger kommen in den Infoladen, die mich auf luxemburgisch begrüßen und dann beginnen zu plaudern, als könnte ich sie verstehen. Meistens sehen sie mich dann an und fragen „An?“. „An“ heißt „Und“ und soll als Frage wahrscheinlich auslösen, dass ich meine Seele ausschütte und erzähle wie es mir geht. Und theoretisch ist das sogar möglich, ich brauche nämlich nur auf deutsch zu antworten…die Luxemburger verstehen es ja ohnehin alles.

Im Folgenden möchte ich noch ein paar weitere lustige Situationen schildern, die oft auf sprachliche Missverständnisse zurück zuführen sind. Außerdem zeige ich etwas die Besonderheit in der luxemburgischen Sprachkultur auf.


Sprachliche Besonderheiten und Missverständnisse:

· Jeder, der schon einmal Bus gefahren ist, weiß, dass man einen STOP-Knopf im Bus drücken muss, wenn man möchte, dass der Bus an der nächsten Station hält. Nachdem man STOP gedrückt hat, leuchten vorne beim Fahrer die Worte „Wagen hält“ rot auf. In Luxemburger Bussen gibt es fünf (!) verschiedene Möglichkeiten für die rot aufleuchtende Mitteilung, dass der Bus anhalten wird. Diese sind: De Bus hält (Luxemburgisch), STOP (Englisch), Arrive Demande (Französisch), Stannar (Niemand konnte mir sagen, welche Sprache das ist oder was es heißt), Wagen hält (deutsch).


· Zum Essen Bestellen benötige ich grundsätzlich einen Übersetzer…ich hab ja bereits erzählt, dass ich mir allein nicht mal Pommes kaufen konnte, weil der Verkäufer nur das französische „Fritt“ verstand.

· Am schlimmsten ist die Verwirrung im Supermarkt an der Kasse. Sage ich dort „Guten Tag“, „Hallo“, „Bonjour“, „Hello“ oder „Morjen“ (luxemburgisch)? Und zur Verabschiedung, soll ich da „Auf Wiedersehen“, „Tschüß“, „Au revoir“, „Bye“ oder „Addi“ (luxemburgisch) sagen? Da die Verkäuferinnen einen auch JEDES MAL auf eine andere Sprache ansprechen, ist die Entscheidung nicht leicht. Das Ergebnis: Da mir das Problem immer erst an der Kasse wieder einfällt, stottere ich mir meistens etwas zurecht oder sage das, was ich sage, sehr leise und betreten auf den Boden schauend.

· Das Fernsehen ist ebenfalls dreisprachig. Immerhin laufen hier die besten deutschen Sender, aber wenn mal ein geiler Film kommt, den ich gern sehen möchte, dann läuft der natürlich auf französischen oder luxemburgischen Sendern….logo. Auch beim Radio hören muss man sich an drei Sprachen gewöhnen.

· Ebenfalls im Haus werden viele Sprachen gesprochen. Sandra hält mit 5 Sprachen fließend den absoluten Rekord. Je nachdem welche ihrer Freunde kommen, redet sie französisch oder spanisch. Mit Ender redet sie luxemburgisch, mit Kay und mir deutsch. Und sie springt ständig zwischen den Sprachen hin und her, genauso wie Ender. Wenn wir mal zu fünft im Wohnzimmer sind, versteht jeder bis auf Sandra grundsätzlich nur die Hälfte. Und am Ende einer langen Diskussion weiß ich nicht mehr, was auf deutsch, auf englisch oder auf luxemburgisch erzählt wurde und ob ich deutsch oder englisch gesprochen habe. Oftmals unterhalten wir uns auch auf englisch und plötzlich sage oder antworte ich unbewusst etwas auf deutsch, weil ich den Unterschied einfach nicht mehr mitbekomme.

· Die einzigen Menschen, die hier anscheinend nur luxemburgisch und französisch verstehen, sind wahrscheinlich die Busfahrer. Die ersten beiden Male, als ich zur Sprachschule musste, wusste ich noch nicht, wann der Bus zurück nach Hause abfährt und dass ich darauf fast eine Stunde werde warten müssen.
Beide Male fragte ich den Busfahrer nach der Abfahrtszeit und beide Mail lief das Gespräch gleich ab, denn beide Busfahrer verstanden weder deutsch noch englisch. Also gings auf zur Zeichensprache: Ich zeigte auf den Bus, dann auf meine Uhr und zeigte danach mit meinen Händen eine 10 (= fährt der Bus um 10?). Die Antwort des Busfahrers war ein euphorisches „Si, si, si“, ein sich überschlagenes Kopfnicken und ebenfalls das Zeigen aller 10 Finger. Aller klar….daraufhin kann man davon ausgehen, dass der Bus tatsächlich 10 Uhr los fährt, oder? Vielleicht war es naiv von mir das zu glauben…denn die tatsächliche Abfahrtszeit war 10.15 Uhr :o)

· Mittlerweile gibt es ein französischen Wort, das ich wohl nie wieder vergessen werde und niemals zu lernen brauche. Was ich meine ist das französische Wort für Zaun: Cloture, gesprochen Klotür. :o)

· Für alle, die des Französischen nicht mächtig sind, möchte ich hier gern einmal den Irrsinn bei französischen Zahlen aufdecken. Nehme ich mal das Beispiel 92. Wir in Deutschland sagen zwei und neunzig, also quasi 2+90.
Im Französischen, wo die Zahlen durch Bindestriche getrennt werden und nicht durch ein „und“, sagt man 92 folgendermaßen: 4-20-12, also quasi 4 mal 20 + 12 oder auf französisch quatre (4) – vingt (20) – douze (12). Warum also einfach, wenn’s auch schwer geht?

· Hier ein Dialog zwischen Maria (Spanierin) und mir. Ich muss dazu sagen, dass sie kein deutsch spricht und ich noch immer kein französisch. Ich stehe in der Küche, sie sitzt im Wohnzimmer. Ich niese. Maria sagt: „Gesundheit“. Ich sage: „Merci“. So viel zur sprachlichen Verwirrung…


Das werden nicht die letzten Probleme sein, die ich hier mit der Sprache haben werde. Auch über die nächsten Schwierigkeiten halt ich euch weiter auf dem Laufenden :o)


Das war’s wieder von mir…ich drücke euch
Und hab euch lieb
Elke (Gast) - 14. Apr, 00:25

Stannar?

Hejhej,

Also es verwundert mich ja selbst, aber "Stannar" ist schwedisch!!! Also keine Ahnung, wie das nun nach Luxemburg kommt... Vielleicht ist es ja auch dänisch oder niederländisch!???

Hlat mich auf dem Laufenden, wenn du dem Mysterium auf den Grund gegangen bist! Frag doch einfach mal den Bufahrer! Auf französisch natürlich und nicht mit Zeichensprache, wenn du eine Antwort willst! ;-)

Kram,
Elke

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