Ein letztes Mal Luxemburg … Mittwoch

Mittwoch Morgen hatte ich einen Plan! Ich besitze vom letzten Sommer ein wunderschönes Bild von unserem rosa Haus und dem Tal, in dem es liegt, das ich bei wunderbarem Wetter vom Berg neben dem Haus aus gemacht habe. Die Landschaft rings um das rosa Häuschen erstrahlt in saftigem Grün.
Nun wollte ich aber genau das selbe Bild im Winter machen, ohne Grün, aber mit jeder Menge weiß. Genug Schnee gab es ja die Tage zuvor hier und so wollte ich ganz früh Morgens nach dem Frühstück den Berg erklimmen und das Foto schnell machen.

Wie irgendwie immer, gab es aber auch bei diesem Vorhaben einen Haken. Ich hatte Kay meine Digitalkamera ausgeliehen, damit er Fotos bei einer Hausbesichtigung am Nachmittag machen kann. Ich hatte vergessen, dass ich die Kamera selbst brauchte und Kay würde erst Abends zurück kommen, wenn es schon dunkel ist und ich das Foto nicht mehr machen kann.
Als Maria mir ihre Digitalkamera gab, SCHIEN das Problem gelöst und ich war glücklich. Der Haken dieses Mal: Die Akkus ihrer Kamera waren leer. Nirgendwo im Haus gab es nun irgendwo Batterien!!!! Ist das zu fassen? Also musste ich die Akkus mit dem Ladegerät laden, das ich glücklicher Weise von zuhause mitgebracht hatte.
Nach einer Stunde ging die Kamera immer noch nicht an. Leider hatte ich nicht mein Schnell-Ladegerät dabei, sondern nur ein langsames. Kaum tauchte Carlo, einer der neuen Mitbewohner, der jetzt in meinem alten Zimmer wohnt, in der Küche auf, fragte ich ihn um Hilfe. Er hatte sowohl Batterien (die nicht funktionierten), als auch ein Schnell-Ladegerät! Nach einer halben Stunde waren die Batterien aufgeladen.

Kaum waren die Batterien in der Kamera stellte ich fest: Die interne Speicherkarte der Kamera ist kaputt. Carlo friemelte noch mit ihr rum, aber man konnte nichts mehr machen. Die Kamera war auf deutsch gesagt „im Arsch“. Die Fotos hatten sich erledigt, Schnee lag an diesem Morgen ausnahmsweise auch keiner. Damit ging alles schief, was schief gehen konnte…

DANN gab mir Carlo sein Foto-Handy und wollte mir weiß machen, dass es angeblich genauso gute Fotos macht, wie eine Kamera. Nachdem er mich 20 Minuten bearbeitet hatte, ließ ich mich breit schlagen und ging mit Txalo und Carlos Fotohandy hinauf auf den Berg. Ich machte ein paar Fotos und stellte fest, dass das Tal ohne grün und ohne weiß, sondern nur mit braunen, kahlen Bäumen, total scheiße aussieht. Und auch wenn die Bilder auf dem Handy-Bildschirm gut aussahen, sahen sie auf dem deutlich größeren Computer-Bildschirm furchtbar aus! Verpixelt und verschwommen! Ich hatte Recht, ein Fotohandy kann nicht das gleiche, wie eine Kamera!!! Aber das band ich dem hilfreichen Carlo nicht auf die Nase.

Nach vielen, vielen Stunden Langeweile und Schreibkram am Computer, holte mich Maria nach der Arbeit Abends ab. Das Ziel unserer Fahrt war „Decathlon“, ein riesig großes Einkaufszentrum für Sportartikel, die qualitativ hochwertig und im Preis nicht zu schlagen sind! Mein persönliches Ziel war allerdings, ENDLICH mit Maria zu reden und sie dazu zu kriegen, sich auszusprechen. Offensichtlich lang ihr ja etwas auf dem Herzen.
Über den Verlauf dieses Abends bin ich nun viel viel mehr als glücklich! Ich bin überglücklich!!! Den ganzen Tag hatte ich überlegt, wie ich dezent ein tiefgründiges, ernstes Gespräch mit Maria anzetteln könnte. Und ohne viel Mühe gelang mir das auch. Nach einer einzigen Frage fing Maria an zu plappern – und zwar ohne Luft zu holen und ununterbrochen den gesamten Weg bis zum Decathlon (das in Frankreich kurz hinter der Grenze bei der Stadt Thionville liegt) und vom Decathlon wieder zurück zum rosa Haus. In diesen eineinhalb Stunden hatte ich kaum 3 Sätze gesagt, während sie sich, teilweise äußerst emotional, sowohl traurig als auch wütend, alles von der Seele redete. Sie erzählte mir, wie sie behandelt und gemobbt wurde im Haus seit meiner Rückkehr nach Deutschland, sie erzählte mir von den vielen Streits mit Sandra, Kay und auch Ender und sie erzählte mir wie traurig sie ist, dass sie Luxemburg verlassen muss! Sie wäre gern noch ein oder zwei Jahre länger geblieben und der Grund ihrer verfrühten Rückkehr nach Spanien macht sie sehr wütend und traurig. Aber aufgrund der Stimmung zuhause ist sie Tag für Tag nur frustriert. Verständlich, nach dem, was ich gehört habe!
Die Stimmung zwischen den Anderen und Maria ist einfach unterirdisch und eiskalt. Sie wurde und wird raus geekelt. Dass sie das Gefühl hat, das nicht mehr länger zu können, verstehe ich und ich leide mit ihr! Es tut mir furchtbar leid, dass ein so lieber und herzensguter Mensch wie sie so scheußlich behandelt wird.

Seit diesem Gespräch ist zwischen Maria und mir wieder alles so, wie es immer war. Wir lachen, wir witzeln herum, wir reden über alles, wir zeigen uns Musik und Videos, wir drücken uns zu jedem kurzzeitigen Abschied am Morgen. Das ist es, weshalb ich her gekommen bin!
Als wir an dem Abend zuhause ankamen, lud Maria Txalo ins Auto und wir fuhren ein paar hundert Meter weiter in den Wald. Dort zeigte sie mir, was sie mit Txalo neuerdings immer macht: Sie fährt Auto, Txalo läuft draußen nebenher. Die Ausnahme dieses Mal war, dass Txalo überhaupt nicht nebenher lief, sondern voraus oder links und rechts im Wald verschwand. Aber es war wunderschön ihn so glücklich und übermütig zu sehen, wie er durch Schlamm und Fützen springt und es so scheint, als würde er Lachen. Dieser Anblick reicht mir, um mich zu freuen :D

An dem Abend haben wir noch viel geredet. Es war ein ganz toller Abschluss und mir ist ein riesig großer Stein vom Herzen gefallen, dass mit Maria endlich alles geklärt ist.


Ich drücke euch!

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