Dienstag, 25. März 2008

Mein Ostern...

Letzte Woche Donnerstag war es endlich so weit: Ich sollte von Martin meinen ersten Besuch aus der Heimat bekommen! Bis Mittwoch hatte ich es noch nicht realisiert, aber am Donnerstag steigerte sich meine Aufregung und Vorfreude langsam bis zum Herzrasen :o) Endlich wieder kuscheln, endlich wieder jemand, der mich kennt, endlich wieder Streicheleinheiten, endlich nicht mehr allein schlafen gehen, endlich nicht mehr als erstes aufstehen müssen, endlich Frühstück gemacht bekommen und endlich jemand zum stenkern :o)

Aber der Reihenfolge nach: am Donnerstag klingelte gegen 11 Uhr das Telefon und Martin erzählte mir, er sei bereits in Köln. KÖLN! Von da aus sind es nur noch 2 bis 3 Stunden bis hierher. Aufgrund des bevorstehenden Osterwochenendes hatte er Angst gehabt, vor 16 oder 17 Uhr nicht anzukommen und dann ruft er um 11 Uhr an! Bis dahin hatte ich noch nichts gemacht, ich befand mich noch nicht mal auf Arbeit im Infoladen, weil Schlafmütze Ender mal wieder verschlafen hatte und ich höflicher Weise auf ihn gewartet hatte, da es auch ziemlich unlustig ist, allein zum Infoladen zu gehen.
Um halb 2 war Martin jedenfalls da und grinste mich an. Die Freude war groß…endlich wieder sehen! Seine Müdigkeit und Erschöpfung war plötzlich verschwunden. Meine erste Inspektion des Kofferraums und der ganzen Mitbringsel war überraschend…Martins Auto war so voll, als wolle er ebenfalls ein halbes Jahr bleiben.

Da ich 17 Uhr noch einen Kontrolltermin beim Augenarzt hatte, blieben wir bis dahin im Infoladen und gingen dann gemeinsam zum Arzt. An dieser Stelle noch eine gute Nachricht: mein Auge ist wieder vollkommen geheilt, der Arzt konnte zumindest nichts mehr finden. Dennoch darf ich nur sehr beschränkt und nur für kurze Zeit meine Kontaktlinsen tragen.

Anschließend ging es endlich ab nach Hause und dann ran ans Auto ausladen. Die Kisten füllten die ganze Küche und natürlich waren ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt alle WG-Mitglieder anwesend und schüttelten die Köpfe über die Menge an Lebensmittel, die nur aus der ersten Kiste kamen. Auf den Satz „Wenn ihr wollte, könnt ihr mir Mischgemüse und Nudeln schicken“ habe ich 6 Packungen Nudeln und 6 Büchsen Mischgemüse bekommen :o) Noch dazu mehrere Tuben Tomatenmark, 3 oder 4 Sorten Tee, einen ganzen Kasten Volvic, Nutella, Obst in Büchsen und Toast. Danke noch mal hierfür an alle.
Nachdem ich mit nur einem Fach im Küchenschrank einen Tiefenrekord aufgestellt hatte, mache ich nun Maria mit zweieinhalb Fächern Konkurrenz, denn zwei bis zum Anschlag volle Fächer gehören nun zu mir. Auch mein Zimmer war vollgestellt wie noch nie zuvor, denn die Kisten konnten ja nicht in der Küche bleiben…

Mein-Zimmer-voll-gestellt


Die Ostergeschenke habe ich mir auch für Ostern aufgehoben…zumindest hatte ich das vor, aber nachdem mir gesagt wurde ich könne sie öffnen, konnte ich nicht mehr wiederstehen und öffnete die Osterkisten am Sonntagabend. Zum Vorschein kamen ungeahnte Mengen Süßigkeiten, sowie viele andere kleine Sachen…auch hierfür noch mal Danke :o) Die Schokolade reicht jetzt für die verbleibenden Monate und werden dafür sorgen, dass das morgendliche Fitnesstraining nicht allzu viel bringt…

Ansonsten waren die 5 Tage mit Martin entspannend und viel zu schnell vorbei. Aufgrund des kalten Wetters konnte man nicht allzu viel machen bzw. uns fehlte die Lust dazu. Bis auf einen Spaziergang zum Briefkasten im nächsten Dorf, haben wir unsere Zweisamkeit genossen und viele Filme geguckt, viel Musik von Festplatte zu Festplatte gebracht, viel zusammen gekocht und gegessen, am Sonntag wie es sich gehört das Haus geputzt, mein Zimmer etwas umgestaltet und Beziehungsratgeber für Maria gespielt, die schlimmes Liebeskummer hatte.

Auf-dem-Weg-zum-Briefkasten


Es ist schade, dass es schon wieder vorbei ist und wieder hat es sich einmal bestätigt, dass ich hier in einem Zeitloch lebe, in dem die Zeit nur so dahin rast…


Da alle guten Dinge 3 sind: noch mal Danke, danke, danke für die vielen Geschenke und im wahrsten Sinne des Wortes die Versüßung meines Osterwochenendes :o)


Ich hab euch lieb,
bis demnext :o)

Samstag, 22. März 2008

Snack Lisbon – Der Döner Kebab

Am Mittwoch nach dem Sprachkurs bin ich wieder im türkischen Imbiss „Snack Lisbon“ gewesen, um mir die lange Wartezeit zu vertreiben.
Nett, wie die türkische Bedienung ist, bin ich mit ihm von Anfang an auf Du und Du gewesen und wie immer sofort ins Gespräch gekommen. Nach meiner Bestellung habe ich diesmal gleich nach der Entstehung des Namens „Snack Lisbon“ gefragt, bevor ich es vergessen konnte.

Jetzt möchte ich euch gern an des Rätsels Lösung teilhaben lassen, warum der türkische Imbiss nach der portugiesischen Hauptstadt benannt ist. Man könnte die Antwort in eine offizielle und eine inoffizielle teilen.
Der offizielle Grund ist, dass die Frau des Imbiss-Besitzers Portugiesin ist. Der inoffizielle Grund ist allerdings, dass 75% der Ausländer in Luxemburg, das heißt 73700 Menschen, Portugiesen sind. Steht draußen an einem Imbiss „Lisbon“ dran, dann strömen die Portugiesen nur so in den Laden. Der Name „Snack Lisbon“ ist also Kundenfang…und die Ehefrau ist auch noch glücklich gestellt, so ganz nebenbei.

So ganz nebenbei hat mir dann der nette Bediener auch noch sein halbes Leben erzählt. Naja nicht ganz…aber ich weiß jetzt, dass er einmal kurzzeitig in Magdeburg war, anschließend 2 Jahre in Köln gelebt hat, dann nach Trier ging und schließlich hier in Luxemburg gelandet ist, wo er sich nun mit dem Problem rumschlägt, dass die Wohnungen hier so teuer sind. Momentan hat er ein paar Meter weiter die Straße runter neben dem „Snack Lisbon“ ein 38 Quadratmeter großes Ein-Zimmer-Appartement für 600€ Miete monatlich! Das ist hier ein Schnäppchen…normaler Weise sei es unmöglich, eine Bleibe für unter 800€ zu finden, was ich schon oft gehört habe. Eine ganze Wohnung ist hier unbezahlbar, Ein-Zimmer-Wohnungen aber kaum zu finden.

Auch ich hab einiges von mir erzählt, wie natürlich nicht zuletzt den Grund für meine Anwesenheit in Luxemburg. Zum Schluss hat er mir angeboten, mich jederzeit dort aufwärmen zu können, auch ohne etwas zu bestellen. Ich glaube, im „Snack Lisbon“ werde ich Stammkundin im Laufe der verbleibenden 5 Monate…


Allerliebste Grüße und bis bald

Dienstag, 18. März 2008

Was es so Neues gibt….das Kulturfestival

Das Land Luxemburg hat einen Ausländeranteil von knapp 42%, der sich aus Portugiesen, Franzosen, Italienern, Belgiern, Deutschen, Briten und Niederländern zusammensetzt. In diesem Sinne macht sich ein sogenanntes Kultur- und Migrationsfestival in Luxemburg, wie es vergangenes Wochenende hier stattfand, ganz gut.
Würde ich nicht im Infoladen arbeiten, wo unzählige Flyer rumliegen und darauf warten gelesen zu werden, hätte ich von der Existenz dieses Festivals womöglich nichts mitbekommen, aber stattdessen habe ich es letzten Samstag mit 2 Freunden besucht.
Meine Begleiter waren Paul und Delphine (ja Delphine, Französin). Mit Letzterer arbeite ich übrigens im Infoladen zusammen, sie ist nur ein oder zwei Wochen nach mir hier angekommen. Ihr gefällt das Leben hier und die Arbeit im Infoladen allerdings weniger gut, weil sie fast ausschließlich rum sitzt und nichts zu tun hat…sie hat es noch nicht verstanden, dass ihr niemand Aufgaben zuteilen wird, sondern sie sich selbst welche suchen muss. Am Anfang hatte ich sie ein wenig als störend empfunden, weil sie den Arbeitsrhythmus, den Ender und ich gefunden hatten, wieder zunichte machte und bei Dreien auch oftmals einer zu viel ist.
Aber mittlerweile habe ich sie etwas besser kennengelernt, was wohl unvermeidbar ist, wenn man täglich zusammen arbeitet und sie ist eigentlich sehr nett. Was ihren Musik- und Buchgeschmack sowie ihre allgemeinen Interessen betrifft, passen wir recht gut zusammen und so kam es, dass wir beide beschlossen haben, uns dieses Kulturfestival einmal anzusehen. Paul hat sich uns spontan angeschlossen.

Der Weg vom Hauptbahnhof, wo wir uns trafen, bis zum Luxemburger Messegelände war lang, der Bus war gerammelt voll und aufgrund der frühlingshaften Temperaturen unglaublich stickig. Was soll das erst im Sommer werden?
In der großen Messehalle erwarteten uns in der Vorhalle zahllose Bücherstände mit Büchern aus allen Ländern, in allen Sprachen, in jedem Format und aus jedem Zeitalter. Sogar wertvolle alte Bücher wurden dort verkauft, das meiste allerdings von teuer, über zu teuer zu unbezahlbar.
Wir drei fragten uns schon, ob das alles sei, was es hier zu sehen gab, als wir plötzlich so im Schlendern die große Haupthalle erreichten. „Hier ist die Party am sein“ war Pauls erster, anscheinend auch richtiger Kommentar: Hunderte kleine Stände verschiedener Länder und Organisationen, die sich vorstellten, eine sich drängende Menschenmasse, südländische Musik und unglaublich bunte Kleidung an brasilianischen, portugiesischen oder afrikanischen Frauenkörpern :o)
Nach einer Stunde hatten wir jeden Stand einmal besucht gehabt, sowie 2 Raucherpausen für Delphine eingelegt, mit einigen anderen Freiwilligen gequatscht und manche Stände (wie den Kuchenstand) mehrmals besucht. Fast an jedem Stand gab es zahlreiche Werbegeschenke und andere Gratisartikel.
Das Ergebnis dieser Tour sind: 4 Aufkleber, 3 Postkarten, 4 Kugelschreiber, ein Bleistift, ein Schlüsselband, eine EU-Flagge, 3 Zeitungen, zu viele Flyer, ca. 6 Stücken Kuchen, ein bei einer Tombola gewonnenes Afrika-T-Shirt in Größe 48, sowie zwei Heliumluftballons, die natürlich gleich zweckentfremdet wurden :o)
In einem stillen Eckchen haben Paul und ich die Gelegenheit genutzt, Delphine mit Helium-Stimmen ein paar Lieder vorzusingen (u.a. Money, Money, Money von ABBA). Es war das erste mal, dass ich meine Stimme unter Helium gesetzt habe – etwas, das ich schon immer einmal machen wollte!!! Und es war wirklich sehr lustig, ich würde es gern wieder machen :o) Für die nächste Party müssen wir also irgendwie versuchen Heliumballons zu besorgen…

Jetzt gibt es also schon eine Sache mehr, die ich auf meiner To-Do-Liste fürs Leben abstreichen kann:

· Helium schlucken und mit Schlumpfen-Stimme singen: check



Fühlt euch geknutscht!

Sonntag, 16. März 2008

Was es so Neues gibt…..Sprachkurs und Gesundheitszustand

Seit 3 Wochen schleppe ich mich jetzt nun schon jeden Montag und Mittwoch Abend zum Französisch-Sprachkurs in die Hauptstadt. Warum schleppen?
Nun das ist ganz einfach: zum einen braucht mein Bus von Zuhause bis nach Luxemburg 30 Minuten, anschließend muss ich mit einem anderen Bus durch die gesamte Stadt fahren, um dann 19:25 Uhr an der Haltestelle „vor“ der Sprachschule anzukommen – „vor“ heißt, dass ich noch 10 Minuten Fußweg habe, um die Sprachschule zu erreichen…da der Unterricht aber schon 19:30 Uhr beginnt, wird jetzt jeder, der rechnen kann gemerkt haben, dass ich nur selten pünktlich bin. Aber entweder so oder ich komme eine halbe Stunde zu früh und das kommt für mich nicht infrage…glücklicher Weise fängt der Lehrer mittlerweile ohnehin 5 Minuten später an.
Der Unterricht an sich ist anstrengend und kräftezehrend und verlangt mir jede Menge nicht existenter Geduld ab. Da ich die ersten 2 Wochen des Sprachkurses verpasst hatte, hinke ich hinterher…da wird es mir nicht gerade leichter dadurch gemacht, dass sowohl der Lehrer ausschließlich französisch mit uns redet, als auch die Lehrbücher auf französisch sind und die französische Grammatik oder Aufgaben im Aufgabenbuch auf frz. erklärt werden.
WER DENKT SICH SOWAS AUS??? Die meiste Zeit sitze ich da und verstehe Bahnhof….(oder sollte ich sagen „Baguette“?). Auch das lesen ist nicht gerade einfach, wenn man die erste Hälfte eines Wortes komisch und die zweite Hälfte eines Wortes, also die Endung, gar nicht ausspricht. WER DENKT SICH SOWAS AUS???

Nichts desto trotz war ich mal wieder relativ schnell im Begreifen und die Aussprache klappt schon ganz gut. Im Gegensatz zu mir stellen sich einige der anderen Teilnehmer jedenfalls an, als müssten sie das Sprechen grundsätzlich erst einmal erlernen, in einem Tempo das einschläfernd ist (es kann schon mal vorkommen, dass man für eine Übung 60 Minuten benötigt). Wenn mir der Lehrer vormacht, wie ich ein Wort aussprechen soll, liegt es dann nicht im Bereich des Möglichen, seine Lautgebung nach ca. 3 Versuchen nachmachen zu können? Die Antwort lautet: NEIN! Manche kriegen es auch nach dem 13ten Mal nicht auf die Reihe…aber durch meine Deutschnachhilfe letztes Jahr bei dem kleinen Vietnamesen Tino weiß ich ja eigentlich, dass manche Menschen manche Laute einfach nicht erzeugen können…
Der Sprachkurs ist jedenfalls ein Sammelbecken für die unterschiedlichsten Menschen…sowohl was das Alter betrifft, als auch die Nationalität der Teilnehmer. Manche sprechen nicht einmal englisch…aber ich hab dort auch eine sehr nette Deutsche kennengegelernt.

Leider bleibt jedoch keine Zeit, die anderen Teilnehmer kennenzulernen, also zu erfahren, wo sie herkommen und was sie hier machen. Denn am Ende des Unterrichts um 21 Uhr muss ich den 10-Minuten-Weg zur Haltestelle in 3 bis 5 Minuten zurücklegen (je nachdem wie pünktlich Schluss ist), da um 21:05 Uhr der Bus zurück kommt. Ich stehe also mittlerweile voll im Training...morgens Fittness, Montag und Mittwoch Abend Joggen :o)
Bisher habe ich den Bus immer bekommen, allerdings bringt mir das überhaupt nichts! Denn dieser Bus bringt mich zwar zum Hauptbahnhof, wo irgendwann der Bus steht, der mich nach Hause bringt….ABER auf dessen Abfahrt muss ich noch geschlagene 52 Minuten warten.
In dem Aufwärmraum im Hauptbahnhof kann ich mich allerdings nur 20 Minuten aufwärmen, da man dort um 21:40 Uhr rausgeschmissen wird. Warum auch immer! WER DENKT SICH SOWAS AUS???
Anschließend habe ich genug Zeit, etwas essen zu gehen – und nach dem ganzen Tamtam habe ich auch genug Hunger! Das einzig Essbare, das in Luxemburg allerdings bezahlbar ist und das man zur Genüge findet, ist Fast Food. Ich habe bereits einen sehr netten Laden am Bahnhof gefunden: es ist, wenn man einen Blick auf die mit Dörner-Gerichten gefüllte Karte wirft, eindeutig ein türkischer Imbiss…dennoch heißt der Laden Lisbon, was mir schon einiges Kopfzerbrechen besorgt hat. Für die, die es nicht wissen: Lissabon (auf englisch Lisbon) ist die portugiesische Hauptstadt.
Aber wen kümmert’s, immerhin spricht die Bedienung deutsch, weshalb ich dort bei der Bestellung nicht ganz so aufgeschmissen bin! Bei meiner ersten Bestellung dort habe ich nämlich weder mit dem Begriff „Pommes“, noch mit dem Begriff „Fritten“ mehr als einen ahnungslosen „Bahnhofblick“ aus dem Kellner heraus kitzeln können. Hier in Luxemburg nennt man das nämlich „Fritte“, gesprochen „Fritt“, wobei wir wieder bei der nicht ausgesprochenen Endung im französischen wären und der Frage, WER SICH SOWAS AUSDENKT???
Nachdem die Bedienung wusste, dass ich Deutsche bin, verstand sie mich übrigens problemlos. Aber nach 3 Wochen kann ich Pommes (große Portion, sehr billig, nur 1,70€ ) nicht mehr sehen, will mir aber einen Döner für unfassbare 7,30€ aber nicht leisten.
Letzte Woche bin ich mal kurz mit McDonalds fremd gegangen, was mir den Rest gebeben hat…für dieses Jahr brauche ich kein Fast Food mehr. Ich habe zwar den „Quick“ entdeckt, eine Fast Food Kette, die EXAKT die gleichen Produkte wie McDonalds verkauft, nur anders benennt und im Schnitt 20 Cent billiger ist, aber das ändert nichts an der Tatsache, dass mir nach einem Bürger schlecht wird, nur damit ich nach einer Stunde wieder Hunger habe. Also mal sehen was ich die ausstehenden 11 oder 12 Wochen essen werde…

Ich habe jedenfalls 20 Minuten zum Essen oder in der Kälte rumstehen Zeit, bis der Bus da ist und man schon mal einsteigen kann…um dann IM Bus noch mal 15 Minuten zu warten. EIGENTLICH ist die Abfahrtszeit 22:10 Uhr, aber in dem Dorf Luxemburg wartet der nette Busfahrer noch 5 Minuten länger auf Leute, die eventuelle noch angelaufen kommen könnten…Blödmann.
Für 90 Minuten Sprachkurs bin ich also 4 Stunden unterwegs und DREIVIERTEL 11 zuhause….und das werde ich jetzt bis Juni so machen dürfen. WER DENKT SICH SOWAS AUS???

Bei diesem Wetter hier (Regen, Stürme, letzte Woche sogar einige Zentimeter Schnee, kalt, grau) und diesem ewigen draußen Rumstehen habe ich mich natürlich seit Montag heftig erkältet: Halsschmerzen, dicke Mandeln, Sausen in den Ohren, Müdigkeit, Kraftlosigkeit. Momentan bin ich langsam auf dem Weg der Besserung, verbrauche aber noch, da mir die Taschentücher ausgegangen sind, eine Klorolle nach der anderen :o) An dieser Stelle mal die Frage: WIE VIEL ROTZE KANN EINE EINZELNE NASE EIGENTLICH PRODUZIEREN??? Hört das irgendwann auch mal wieder auf? Wo kommt das alles her? Und wieso wird es so schnell nachproduziert? Welchen biologischen Sinn hat das?
Für Antworten bitte an meine Mailadresse sandra.1987@web.de schreiben. Danke!

Als wäre eine Erkältung nicht genug, habe ich seit eineinhalb Wochen eine Bindehautentzündung im Auge, weil ICH BLÖDE KUH vergessen habe, meine Kontaktlinsen über Nacht raus zu nehmen. Nach meiner letzten Bindehautentzündung letzten Sommer hat es immerhin ein halbes Jahr gedauert, bis ich meine Linsen wieder tragen konnte und endlich hat es seit Februar auch wieder anstandslos funktioniert. UND DANN DAS! Wie kann man nur so blöd sein? Dafür musste ich wahrscheinlich bestraft werden…
Die Konsultation des Augenarztes hat mich 53€ gekostet, was erstens angeblich ganz normal sein soll hier in Luxemburg und zweitens, was ich von meiner Versicherung wieder zurück erstattet bekommen.
Trotzdem! 53€ dafür, dass mir der gute Mann nicht mal sagen konnte, was meinem Auge fehlt, weil er kein deutsch und nur gebrochen englisch sprach. Alles, was er mir vermitteln konnte, war, dass es meinem Auge alles andere als gut geht und ich Augentropfen sowie AugenCREME nehmen muss und 2 Wochen keine Kontaktlinsen tragen darf. Aber immerhin etwas….der letzte deutsche Augenarzt hat gesagt, ich soll, wenn es geht, NIE WIEDER Linsen tragen. Wer sagt jetzt die Wahrheit und wer will nur Geld machen?


Naja…alles in allem geht es mir aber ganz gut. :o) Meine Augen sehen wieder normal aus und auch die Erkältung wird irgendwann ganz weg sein…hoffentlich.

Jetzt mangelt es mir wieder an einem Schlusswort. Also…danke fürs lesen!


Au revoir, (---> gesprochen o rewuar)
isch ab eusch libb (--> bitte mit frz. Akzent lesen)

Montag, 10. März 2008

Célines Geburtstagsparty…

Vorgestern, am Samstag, hatte Céline Geburtstag und schon vor einiger Zeit zu ihrer großen Geburtstagsparty eingeladen. Sie wurden 19.
Eingeladen waren wie immer alle Freiwilligen, sowie mit einem großen Ausrufezeichen jede Menge Freunde und Freundes Freunde. Die Party sollte 20 Uhr beginnen, aber wer kommt schon pünktlich?!
Als ich um dreiviertel 9 ankam war ich der zweite Gast. Der Erste war Célines Nachbarin. Außerdem waren ihre Eltern und ihr kleiner Bruder da, der für die meiste Zeit des Abends für die „Musik“ sorgte. Diese „Musik“ war dann rhythmische BUM-BUM-BUM-du-hast-den-schönsten-Arsch-der-Welt-Musik :o) Dieses Lied war zwar nicht dabei, aber jede Menge BUM-BUM, Scooter und DJ’s ohne Ende. Aber jede Musik hat ihre Berechtigung, solange sie nur von genügend Menschen gehört wird :o)

Überraschend war das grandiose Buffet in der Küche. Es gab nicht nur viele verschiedene, klein geschnittene Früchte (Äpfel, Kiwi, Ananas, Banane, Melone…), sondern was noch viel wichtiger ist, einen kleinen Schokoladen-Springbrunnen, in den man die Früchte eintauchen konnte :o) Außerdem gab viele Süßigkeiten, Chips, Kekse und Kuchen. Ich war im Paradies…

Ich will auch einen Schokoladen-Springbrunnen für Zuhause...


Nach 20 Minuten war ich total satt und bis zum Scheitel vollgestopft…leider hatte ich zum Abendbrot zuhause zu gut gegessen.
Auch der Alkohol ließ wenig zu wüschen übrig. Neben natürlich Bier gab es sowohl viele härtere Sachen, als auch eine wahnsinnig leckere Bowle, die ich im Überfluss in mich hinein geschüttet habe :o)
Als mir Céline im Laufe des Abends allerdings erklärte, dass ihr der Pfirsich-Sekt MIT Alkohol für die Bowle zu teuer war und sie deshalb Pfirsich-Sekt OHNE Alkohol genommen hatte, konnte ich mir auch erklären, warum die Bowle selbst nach dem achten Becher überhaupt nicht anschlug. Dazu kam noch das viele Essen zuvor…da konnte das bisschen Weißwein in der Bowle ja gar nicht anschlagen.

Das wäre allerdings dringend notwendig gewesen, denn so berauschend war die Party nicht, außerdem musste ich irgendwie die Musik überstehen :o)
An netten Leuten und jeder Menge Small-Talk mangelte es zwar nicht, aber es waren für meinen Geschmack ein bisschen zu wenig Freiwillige da (mit mir und den Mitbewohnern von Céline 12 von möglichen 28) und ein bisschen zu viele Fremde…eben die Freunde und Freundes Freunde :o)
So musste ich ca. 8 Mal am Abend erzählen wie ich heiße, woher ich ursprünglich komme, was ich in Luxemburg mache, woraus meine Arbeit besteht ob es mir hier gefällt. Diese Art Gespräche führe ich wirklich nicht allzu gern….reden, nur um was zu sagen, ist eben nicht mein Ding, das kann ich leider nicht ändern. Was das betrifft bin ich wirklich nicht allzu gesellschaftsfähig :o)
Überhaupt war reden das große Thema: solange ich anwesend war, bis ca. 2:30 Uhr, hat sich niemand aus seinem Sessel, von seinem Stuhl oder von seiner Couch hoch bewegt und sich mal bewegt. Alle saßen mit nem Becher in der Hand da und haben geplaudert, gegessen oder in der Gegend umher geguckt, wenn es mal grad nix zu reden gab :o)

Auch Céline langweilte sich etwas und war um 2 Uhr müde genug, um ins Bett zu gehen, was natürlich nicht möglich war, da die Party noch lange nicht zu Ende war und viele Leute dort zum schlafen blieben :o) Allerdings haben mir mehrere Personen um diese Uhrzeit erzählt, wie müde sie sind und wie gern sie schlafen gehen würden…

Für ca. eine Stunde lang bekam ich dann plötzlich unfreiwillig den Job des DJ’s zugeteilt. Weil das BUM-BUM jedem auf die Nerven ging und Célines Bruder irgendwann keine Lust mehr hatte am PC zu sitzen und Musik zu machen, die kaum jemand hören möchte, wählte ich ein Lied bei YouTube aus. (Für alle Mamas, Papas, Omas und Opas: YouTube ist eine Internetseite, auf der man unter anderem Musik finden kann. Man muss nur den Namen des Künstlers oder des Liedes eingeben und schon hat man das Lied samt Video und kann es abspielen). Da es niemand anderes tat, gab ich weiter Musik ein und befand mich auf meiner Couch in guter Gesellschaft von Leuten, die meine Musik klasse fanden.
Natürlich gab bei mir kein BUM-BUM, sondern Rock. Ich spielte erst mal konsequent alles mit „The“ durch, das mir einfiel. The White Stripes, The Strokes, The Hives, The Killer, The Arctic Monkeys….usw. (Für alle Mamas, Papas, Omas und Opas: britische Bands, die mit dem Artikel “The” beginnen, haben meistens einen ganz besonderen, oft ähnlichen Stil, der mir und meinen Mitmenschen auf dem Sofa sehr gefällt. Die erste britische Band mit „The“ waren übrigens „The Beatles“, so viel zu dem Stil).
Nach einer knappen Stunden beschwerten sich allerdings die ganzen Couch-Potatoes (zu deutsch Sesselpupser…*haha*) über meine Musik. „Zu rockig“….na ja, aber kaum, dass ich weg war, haben sie nach mir geschrieen (das Wort ist richtig geschrieben!), weil keiner mehr Musik machte. Was sie gerne hören möchten, konnten sie mir allerdings auch nicht sagen….aber egal…Hauptsache beschweren.

Ich hatte mir jedenfalls den Night Rider mal wieder bestellt….diesmal für 2 Uhr morgens. Als dieser um 2:30 Uhr aber immer noch nicht da war, musste ich mir Horrorgeschichten anhören, wie „der ist bestimmt schon früher durchgefahren“ oder „der kommt bestimmt nicht mehr“. Ich wollte dort aber nicht schlafen.
Glücklicherweise wollten sich Kristel, eine Freiwillige, und ihr Freund gerade mit dem Auto auf den Heimweg nach Frankreich machen. Da Tétange an der französischen Grenze liegt und damit sozusagen auch auf ihrem Heimweg, haben die beiden mich gern mitgenommen, um mich nach Hause zu bringen. Und jetzt ratet mal….es war 2:40 Uhr, wir sind gerade einmal eine knappe Minute unterwegs, da kommt uns der Night Rider entgegen…:o) Irgendwie tat mir der Fahrer dann ein wenig leid! Nachdem ich zwei Wochen zuvor eineinhalb Stunden lang mit ihm gefahren bin, weiß ich ja, wie sehr der Fahrer im Stress steht und sich alle Mühe der Welt gibt, pünktlich zu kommen. Und jetzt kommt er am Ziel an, aber seine Zielperson ist nicht mehr da…der Ärmste.

Um 3 Uhr war ich jedenfalls zuhause und bin (schon wieder) hungrig und tot ins Bett gefallen :o)


Knutschis,
bis Morgen :o)

Sonntag, 9. März 2008

Das Leben im Haus…Teil 1

Bei dem Thema „Das Leben im Haus“ habe ich schon beinah eine Schreibblockade. Da das Leben hier für mich zum Alltag geworden ist, ist es schwer Dinge zu finden, die erwähnenswert und besonders sind.
Daher schildere ich euch einfach die allgemeine Situationen hier, die euch vielleicht merkwürdig oder bemerkenswert vorkommen mag, für mich aber schon normal ist.

Ein Tag in Luxemburg beginnt relativ spät. Als erstes verlässt Kay (41), der erste und einzige Fahrradkurier ganz Luxemburgs, um ca. 8 Uhr das Haus, um mit dem Bus zu seinem Fahrrad zu fahren.
Um 8:30 Uhr krieche ich aus meinem Bett und wechsle das Haus, um ins Bad zu kommen. Anschließend frühstücke ich und werde mit riesen großen unschuldigen Kulleraugen von Katze Matschka anmiaut, weil sie Milch möchte. Was das betrifft ist sie sehr gut konditioniert…sobald ich meinen Toast in den Toaster packe, weiß sie, dass ich gleich zum Kühlschrank gehe und folgt mir auf Schritt und Tritt bzw. läuft mir vor den Füßen herum und schreit mich an. Manchmal gebe ich nach, aber meistens nicht, denn sie zeigt keinerlei Dankbarkeit.
Beim Frühstücken sehe ich das deutsche Frühstücksfernsehen auf Sat.1. Bis 9:30 Uhr ist auch Sandra mit ihrem Tee und ihrem morgendlichen Sudoku fertig und wir beginnen (seit jetzt 2 Wochen) mit unserem gemeinsamen Frühsport, nach Anleitung meines Fitnessbuches.
Ich bin sehr froh, dass Sandra auf diesen Frühsport so begeistert angesprungen ist und die morgendliche Aktivität nun nicht mehr wegzudenken ist. Wir fühlen uns zwar jeden Morgen aufs neue wie vom Laster überfahren aufgrund des starken Muskelkaters, aber nach dem Sport haben wir immer gute Laune und sind frisch. Das tut gut…

Irgendwann zwischen 10 und 11 Uhr (ganz selten auch mal danch) kommt Ender aus seiner Hütte oder von seiner Freundin und wir fahren zusammen mit dem Bus zum Infoladen nach Esch. Da er jeden Abend Badmintontraining und eine Freundin hat, verlassen wir getrennt zwischen 17 und 18 den Infoladen.

Zuhause wird Abends gekocht…meistens kocht jeder für sich, außer natürlich Kay und Sandra füreinander, aber manchmal kann ich bei den beiden auch mitessen. Das ist auch gut so, denn was die warmen Speisen betrifft, ernähre ich mich fast ausschließlich von Nudeln oder manchmal Reis oder Couscous. Das alles kommt mir wirklich schon aus den Ohren.

Was die Sauberkeit betrifft ist dieser Haushalt unschlagbar – sowohl was die Produktion an Dreck betrifft, als auch was das häufige Putzen betrifft.
Bei 4 Katzen, einem Hund und jeder Menge Wald bzw. bei Regen ggf. Schlamm um uns herum fällt jede Menge Dreck an. Auch wie viel Geschirr 6 Menschen über den Tag verbrauchen ist unglaublich.
Doch glücklicher Weise haben wir Sandra. Mindestens einmal am Tag hat sie den Besen in der Hand und was den Abwasch betrifft, ist es schwer ihr zuvor zu kommen. Ich habe manchmal sogar ein schlechtes Gewissen, wenn ich meinen Abwasch einfach mal eine Stunde stehen lassen möchte, um mein Essen zu verdauen. Das schlechte Gewissen mag unnötig sein, denn Sandra ist einem ja nicht böse. Aber putzen, vor allem SOFORT putzen liegt ihr einfach in den Adern…sie kann nicht anders. Aber lieber so, als Mitbewohner, die das Haus verwahrlosen lassen.
Sauber ist es hier also. Es gibt zwar keinen Haushaltsplan, aber es funktioniert anstandslos, dass jedes Wochenende jemand anderes mit putzen dran ist und jeden Tag jeder mal abwäscht oder das gewaschene Geschirr wegstellt. Jedes Wochenende wird ausführlichst bis in die kleinste Ecke gefegt, gesaugt und gewischt.
Falls jemand nichts zu tun hat – Abwasch gibt es immer!

Und noch etwas ist ganz elementar für das Wochenende: die Gartenarbeit. Der Garten ist riesig und bietet daher ohnehin viel Arbeitsfläche. Es ist Platz für unzählige Beete, die allerdings erst wieder „erschaffen“ werden müssen, da hier am Wald über den Winter alles mit Gras und Pflanzen zuwächst.
Vor zwei Wochen, es war wunderschönes warmes Wetter, haben Sandra und ich die ersten 3 Beete freigehackt (eine wirkliche Knochenarbeit)und schon Bohnen gepflanzt. So haben wir uns stundenlang an der frischen Luft aufgehalten, während Kay und Ender das Chaos im Wald beseitigt haben. Nur wenige Tage vor meiner Ankunft in Luxemburg wurden nämlich anscheinend alle an das Haus angrenzenden Bäume beschnitten oder gefällt.
Die Menge an herum liegenden Holz war immens, so dass wir von morgens bis spät nachts Feuer gemacht haben. Den ganzen Tag an der frischen Luft zu verbringen und so viel harte, körperliche Arbeit zu verrichten hat mir wirklich Spaß gemacht, vor allem, wenn man dann am Ende des Tages das Ergebnis sieht: ein sauberer, viel größerer, holfreier Garten mit Beeten :o)

Der Garten von Kays Zimmer aus


Dieses Bild ist von vorhin. Denn auch gestern und heute wurde viel gearbeitet (z.B. einer der Gartenschuppen gnadenlos entrümpelt) und wieder Feuer gemacht (diesmal auf dem Foto rechts in der großen Metalltonne, an der Ender steht), aber weil ich so viel zu schreiben habe und es relativ kalt draußen ist, hatte ich diesmal nicht so richtig die Lust, daran teil zu nehmen.


So viel sei also erst mal über mein Leben im Haus gesagt. Sofern mir ein paar mehr Besonderheiten einfallen sind, werde ich euch in Teil 2 davon berichten., aber das wird sicher noch ein Weilchen dauern :o)


Liebe Grüße und fühlt euch gedrückt…:-*

Samstag, 8. März 2008

Meine Arbeit…

Um euch ein wenig von meiner Arbeit erzählen zu können, muss ich zuerst etwas weiter ausholen und ein wenig die Struktur meiner Organisation beschreiben.
Wenn ich das richtig verstanden habe (und dafür gebe ich keine Garantie) dann ist die große Organisation LIFE. Unter LIFE fallen ganz viele, sehr verschiedene Projekte. Zwei dieser Projekten spielen eine Rolle in meinem Arbeitsleben: die QUEESCH und der Infoladen.
Der Infoladen befindet sich in Esch, der zweitgrößten Stadt Luxemburgs, und ist Treffpunkt für die meisten Projekte von LIFE. Das heißt im Laufe einer Woche kann es sein, dass viele Menschen hier ein und aus gehen (es kann aber auch total leer bleiben). Auch für mich ist er mein Arbeitsplatz bzw. Aufenthaltsort für den Tag.
Aber wie sieht er aus? Nun das ist schwer zu erklären, darum hier ein Foto:

Chaos-im-Infoladen


Im Prinzip ist der Infoladen momentan noch ein großer zugemüllter Raum. Sein Zweck ist eigentlich, nicht nur Arbeitsplatz und Treffpunkt zu sein für sämtliche Projekte, sondern eine Plattform zu bieten für alle alternativen, politisch, sozial oder kulturell engagierten Gruppen in Luxemburg. Jeder, der etwas mitzuteilen hat, kann produzierte Flyer oder Zeitschriften in den Infoladen bringen. Dort werden sie dann ausgestellt zum Mitnehmen und informieren für jeden.
Darüber hinaus ist der Laden Plattform für Veranstaltungen der bereits genannten Gruppen. Hier werden Demonstrationen gegen die Tierfell-Industrie organisiert, Veganer treffen sich zum veganen essen und vieles anderes mehr.
Jeden Donnerstag gibt es seit kurzem (seit meiner Ankunft) die sogenannte Infobar, bei der man einen gemütlichen Abend im Infoladen verbringen und sich über politische und soziale Themen austauschen kann oder über die letzte Demonstration, die man begleitet hat bzw. die nächste, die man plant :o) Außerdem gibt es hin und wieder ein Quiz oder einen Filmabend im Zuge der Infobar.

Das klingt jetzt vielleicht alles furchterregend alternativ und anders, aber für mich ist es für den Moment schön. Schön diskutieren zu können, schön so vieles zu lernen, was ich bisher nicht wusste und schön, so viele interessante und vor allem engagierte Menschen kennen zu lernen, die wenigstens versuchen etwas auszurichten.

Das tun sie übrigens auch durch die Arbeit bei der QUEESCH. Die QUEESCH ist eine Zeitschrift bzw., wie sie sich selbst beschreibt, „Das Magazin für und über Selbstbestimmung“. Themen, die besprochen werden, sind Demokratie, Faschismus, Kapitalismus, Migration aber auch Musik, aktuelle Veranstaltungen oder politische Geschehnisse in Luxemburg und der Welt und vieles anderes. In jeder Zeitung gibt es eine CD mit weniger bekannter, aber guter Musik oder auch Videos bzw. Dokumentationen.
Die QUEESCH ist dreisprachig, das heißt die Artikel in der Zeitschrift sind luxemburgisch, deutsch und französisch, jeder Artikel in einer anderen Sprache, so hat jeder was zu lesen. Meine Hauptaufgabe hier in Luxemburg ist es, deutsche Artikel für das Magazin zu schreiben. Bis jetzt gibt es auch schon 6 oder 7 Artikel, die ich zu schreiben habe – das Problem ist allerdings, dass die neue QUEESCH bereits nächste Woche erscheint. Da sie nur alle 3 Monate heraus kommt und demzufolge die Deadline für die fertigen Artikel für die nächste Ausgabe erst im Juni ist, war ich bis jetzt noch ziemlich faul und habe noch keinen meiner Artikel für die QUEESCH angefangen zu schreiben bzw. angefangen dafür zu recherchieren.

Stattdessen habe ich mich voll und ganz auf meine Internetseite sowie die Erstellung meiner Fotoalben bei studivz oder Treffen mit anderen Freiwilligen konzentriert. Ich glaube aber, dass ich das nicht bereuen werde, denn jetzt habe ich die Zeit dazu, später vielleicht nicht mehr. Und mittlerweile bin ich ziemlich froh, eine Internetseite angelegt zu haben. Mein Mitteilungsbedürfnis ist ja doch größer als ich dachte.

So jetzt wisst ihr also mehr oder weniger über meine Arbeit bescheid. Momentan beschäftige ich mich am meisten mit dem Aufräumen, säubern und umgestalten des Infoladens, was mir (wer mich kennt, weiß das) eigentlich relativ Spaß macht. Es ist zwar leider keine Arbeit, bei der ich mich verausgabe, aber es ist eine aktive Arbeit und es ist schön zu sehen, wie der Infoladen immer schöner wird und dass man das mit seiner eigenen Anstrengung geschafft hat. Allerdings weiß ich bis jetzt noch nicht genau, wie ich bei der spärlichen Arbeit meine 35 Wochenstunden zusammen kriegen soll, die ich eigentlich arbeiten sollte :o)

Außerdem genieße ich die absolute Freiheit, die ich hier habe. Ich kann aufstehen, wann ich möchte (trotzdem tue ich es jeden Morgen um halb 9), ich kann tun was ich möchte, denn da der Infoladen eigentlich nicht mein Aufgabengebiet ist, bin ich nicht verpflichtet zu helfen und was das Schreiben der Artikel für die QUEESCH betrifft, habe ich freie Themenwahl und kann ebenfalls arbeiten wann und wo (zuhause oder im Infoladen) ich will.
Da ich so frei und ohne jeglichen Druck mit großer Wahrscheinlichkeit nie wieder in meinem Leben sein werde genieße ich das momentan sehr. Sicher ich könnte mich auch beschweren, weil die Realität hier nicht im entferntesten der Projektvorstellung entspricht, aufgrund derer ich mich ja überhaupt beworben hatte, aber warum soll ich Stress machen?!
Ich bin ein positiver Mensch und ich kann aus jeder Situation was positives ziehen…und das ist in diesem Fall ja gar nicht so schwer :o) Klar könnte ich rumnörgeln, aber mir geht es doch hier super und alles ist so schön einfach….ich werde es mir nicht unnötig schwerer machen. Für mich ist das hier auch keine Zeitverschwendung, sondern ein großer Batzen Lebenserfahrung, die mich auf jeden Fall lockerer und schlauer machen wird.

Ja, was gibt es sonst noch zu erzählen. Jeden Mittwoch ist eine Versammlung im Infoladen, bei der geklärt wird, ob es jedem gut und seinen Wünschen entsprechend geht (die Emo-Runde, also Emotions-Runde). Anschließend wird über anstehende Veranstaltungen und Aufgaben gesprochen.
Nächste Woche werden wir im Akkord die CD’s in 1000 Exemplare der neuen QUEESCH-Ausgabe kleben, aber zu viert geht das angeblich ganz fix.
Dann werde ich mit jemandem dafür sorgen, dass die QUEESCH an den Mann gebracht wird, sprich, sie zu Geschäften bringen, in denen sie ausgestellt wird.

Achja…was ich fast vergessen hätte: Jeden Montag und Mittwoch habe ich jetzt seit letzter Woche von 19:30 Uhr bis 21 Uhr Sprachunterricht in Französisch an einer Sprachschule in Luxemburg. Ich kann nicht gerade behaupten, dass mir französisch Spaß macht und auch die unterschiedliche Schnelligkeit der anwesenden Schüler sowie die Tatsache, dass ich die ersten 3 Wochen des Kurses verpasst habe, machen es nicht leichter oder schöner für mich.
Das Schlimmste ist allerdings, dass ich 52 Minuten warten muss, bis mein Bus nach Hause kommt. Da man aber ab 21:40 Uhr schon aus dem Aufwärmraum im Luxemburger Bahnhof rausgeschmissen wird, muss ich noch ne halbe Stunde in der Kälte warten….und das jeden Montag und Mittwoch bis Juni….*heul*.
Manchmal ist es wirklich unglaublich, wie sehr Luxemburg die Mentalität eines Dorfes hat, aber zu diesem Thema schreibe ich mal mehr in einem anderen Beitrag.

So ich glaube für heute ist der hier auch schon lang genug :o) Fotos gibt es nachträglich, weil ich heute vergessen habe, meine Kamera mit in den Infoladen zu nehmen.


Viele Liebe Grüße und danke für euer Interesse und eure Geduld, so viel von mir zu lesen :o)

Hab euch lieb,
knutsch

Donnerstag, 6. März 2008

Was bisher geschah…Teil 2

Was bisher geschah…Teil 2


Seid meiner Ankunft hier habe ich zwangsläufig (wie schon erklärt) jede Menge andere Freiwillige kennengelernt. Und da werden auch schon mal Parties gefeiert, um sie wieder zu sehen und alle Freiwilligen wieder zu vereinen.
Die erste und BISHER einzige Feiern unter uns Volunteers war die Sunglasses-Party (Sonnenbrillen-Party) in einer großen WG, in der u.a. 5 Mädels zusammen wohnen. Wie der Name schon sagt, sollte jeder dem Motto entsprechend eine Sonnenbrille tragen. Ich musste mir dafür extra eine kaufen.
Da fast alle Freiwilligen, sogar die aus Belgien, gekommen waren und viele noch Freunde mitgebracht haben, war das Haus voll und die Party gut. Es war hauptsächlich eine Steh- und Rede-Party, da sich fremde Menschen aus so vielen unterschiedlichen Nationen doch einiges zu erzählen haben. Getanzt wurde nur zwischenzeitlich ab und an mal und auch nicht jeder nutzte die Tanzfläche zur Expression seiner körperlichen Ausdruckskraft ;-)

Einige Tage vor der Party hatte ich für mich und Céline den sogenannten Night Rider (Nacht-Fahrer) bestellt. Da in Luxemburg Nachts nämlich keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr fahren und Taxen unbezahlbar sind, gibt es den Night Rider, einen großen Transporter, den man bestellen kann wie ein Taxi und der einen nach Hause bringt.
Die Night Rider – Karte, die man benötigt um kostenlos transportiert zu werden, hatte ich bei meiner Registrierung als Luxemburgerin im Einwohnermeldeamt kostenlos erhalten, da ich offiziell als Studentin registriert wurde.
Ich bestellt also den Night Rider für 3 Uhr morgens zur entsprechenden Adresse. Der tauchte nicht nur zu früh auf, nämlich ca. 2:20 Uhr, sondern hatte nur eine Registrierung für Céline, nicht aber für mich. Der Fahrer, der täglich seinen fertigen und ziemlich vollen Fahrplan in die Hand gedrückt bekommt, weigerte, mich nach Hause zu fahren, weil er dann alle anderen Fahrgäste erst zu spät abholen könnte und er jetzt schon ziemlich Verspätung habe.
Was die Frau in der Zentrale auf den Ohren hatte, dass sie statt 3 Uhr irgendwas von viertel 3 verstanden hat und wieso meine Registrierung spurlos verschwunden war bzw. einfach nicht existierte, das weiß ich nicht.
Auf jeden Fall hat mich das ganze tierisch aufgeregt…und ich konnte meine Wut nicht mal an dem Fahrer auslassen, der ja nix dafür konnte. Glücklicherweise konnte ich mit dem Fahrer noch vereinbaren, dass ich einfach bis zum Schluss, bis er alle nach Hause gebracht hat, mit ihm mit fahre und er mich am Ende als Letztes noch nach Hause bringt. Damit war er einverstanden und so fuhr ich mit ihm bis 4:30 Uhr schweigend noch 6 laute, betrunkene Fahrgäste nach Hause…

Das war’s von der Sunglasses-Party…Fotos dazu findet ihr jede Menge bei studivz, auf denen ich verlinkt wurde, aber eigene habe ich leider nicht.

Da der Beitrag jetzt doch relativ lange geworden ist, müsst ihr bis morgen warten, wenn ihr etwas über meine Arbeit und mein Leben im Haus wissen wollt :o)


Bis morgen,
knutschi

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