Meine Arbeit…
Um euch ein wenig von meiner Arbeit erzählen zu können, muss ich zuerst etwas weiter ausholen und ein wenig die Struktur meiner Organisation beschreiben.
Wenn ich das richtig verstanden habe (und dafür gebe ich keine Garantie) dann ist die große Organisation LIFE. Unter LIFE fallen ganz viele, sehr verschiedene Projekte. Zwei dieser Projekten spielen eine Rolle in meinem Arbeitsleben: die QUEESCH und der Infoladen.
Der Infoladen befindet sich in Esch, der zweitgrößten Stadt Luxemburgs, und ist Treffpunkt für die meisten Projekte von LIFE. Das heißt im Laufe einer Woche kann es sein, dass viele Menschen hier ein und aus gehen (es kann aber auch total leer bleiben). Auch für mich ist er mein Arbeitsplatz bzw. Aufenthaltsort für den Tag.
Aber wie sieht er aus? Nun das ist schwer zu erklären, darum hier ein Foto:

Im Prinzip ist der Infoladen momentan noch ein großer zugemüllter Raum. Sein Zweck ist eigentlich, nicht nur Arbeitsplatz und Treffpunkt zu sein für sämtliche Projekte, sondern eine Plattform zu bieten für alle alternativen, politisch, sozial oder kulturell engagierten Gruppen in Luxemburg. Jeder, der etwas mitzuteilen hat, kann produzierte Flyer oder Zeitschriften in den Infoladen bringen. Dort werden sie dann ausgestellt zum Mitnehmen und informieren für jeden.
Darüber hinaus ist der Laden Plattform für Veranstaltungen der bereits genannten Gruppen. Hier werden Demonstrationen gegen die Tierfell-Industrie organisiert, Veganer treffen sich zum veganen essen und vieles anderes mehr.
Jeden Donnerstag gibt es seit kurzem (seit meiner Ankunft) die sogenannte Infobar, bei der man einen gemütlichen Abend im Infoladen verbringen und sich über politische und soziale Themen austauschen kann oder über die letzte Demonstration, die man begleitet hat bzw. die nächste, die man plant :o) Außerdem gibt es hin und wieder ein Quiz oder einen Filmabend im Zuge der Infobar.
Das klingt jetzt vielleicht alles furchterregend alternativ und anders, aber für mich ist es für den Moment schön. Schön diskutieren zu können, schön so vieles zu lernen, was ich bisher nicht wusste und schön, so viele interessante und vor allem engagierte Menschen kennen zu lernen, die wenigstens versuchen etwas auszurichten.
Das tun sie übrigens auch durch die Arbeit bei der QUEESCH. Die QUEESCH ist eine Zeitschrift bzw., wie sie sich selbst beschreibt, „Das Magazin für und über Selbstbestimmung“. Themen, die besprochen werden, sind Demokratie, Faschismus, Kapitalismus, Migration aber auch Musik, aktuelle Veranstaltungen oder politische Geschehnisse in Luxemburg und der Welt und vieles anderes. In jeder Zeitung gibt es eine CD mit weniger bekannter, aber guter Musik oder auch Videos bzw. Dokumentationen.
Die QUEESCH ist dreisprachig, das heißt die Artikel in der Zeitschrift sind luxemburgisch, deutsch und französisch, jeder Artikel in einer anderen Sprache, so hat jeder was zu lesen. Meine Hauptaufgabe hier in Luxemburg ist es, deutsche Artikel für das Magazin zu schreiben. Bis jetzt gibt es auch schon 6 oder 7 Artikel, die ich zu schreiben habe – das Problem ist allerdings, dass die neue QUEESCH bereits nächste Woche erscheint. Da sie nur alle 3 Monate heraus kommt und demzufolge die Deadline für die fertigen Artikel für die nächste Ausgabe erst im Juni ist, war ich bis jetzt noch ziemlich faul und habe noch keinen meiner Artikel für die QUEESCH angefangen zu schreiben bzw. angefangen dafür zu recherchieren.
Stattdessen habe ich mich voll und ganz auf meine Internetseite sowie die Erstellung meiner Fotoalben bei studivz oder Treffen mit anderen Freiwilligen konzentriert. Ich glaube aber, dass ich das nicht bereuen werde, denn jetzt habe ich die Zeit dazu, später vielleicht nicht mehr. Und mittlerweile bin ich ziemlich froh, eine Internetseite angelegt zu haben. Mein Mitteilungsbedürfnis ist ja doch größer als ich dachte.
So jetzt wisst ihr also mehr oder weniger über meine Arbeit bescheid. Momentan beschäftige ich mich am meisten mit dem Aufräumen, säubern und umgestalten des Infoladens, was mir (wer mich kennt, weiß das) eigentlich relativ Spaß macht. Es ist zwar leider keine Arbeit, bei der ich mich verausgabe, aber es ist eine aktive Arbeit und es ist schön zu sehen, wie der Infoladen immer schöner wird und dass man das mit seiner eigenen Anstrengung geschafft hat. Allerdings weiß ich bis jetzt noch nicht genau, wie ich bei der spärlichen Arbeit meine 35 Wochenstunden zusammen kriegen soll, die ich eigentlich arbeiten sollte :o)
Außerdem genieße ich die absolute Freiheit, die ich hier habe. Ich kann aufstehen, wann ich möchte (trotzdem tue ich es jeden Morgen um halb 9), ich kann tun was ich möchte, denn da der Infoladen eigentlich nicht mein Aufgabengebiet ist, bin ich nicht verpflichtet zu helfen und was das Schreiben der Artikel für die QUEESCH betrifft, habe ich freie Themenwahl und kann ebenfalls arbeiten wann und wo (zuhause oder im Infoladen) ich will.
Da ich so frei und ohne jeglichen Druck mit großer Wahrscheinlichkeit nie wieder in meinem Leben sein werde genieße ich das momentan sehr. Sicher ich könnte mich auch beschweren, weil die Realität hier nicht im entferntesten der Projektvorstellung entspricht, aufgrund derer ich mich ja überhaupt beworben hatte, aber warum soll ich Stress machen?!
Ich bin ein positiver Mensch und ich kann aus jeder Situation was positives ziehen…und das ist in diesem Fall ja gar nicht so schwer :o) Klar könnte ich rumnörgeln, aber mir geht es doch hier super und alles ist so schön einfach….ich werde es mir nicht unnötig schwerer machen. Für mich ist das hier auch keine Zeitverschwendung, sondern ein großer Batzen Lebenserfahrung, die mich auf jeden Fall lockerer und schlauer machen wird.
Ja, was gibt es sonst noch zu erzählen. Jeden Mittwoch ist eine Versammlung im Infoladen, bei der geklärt wird, ob es jedem gut und seinen Wünschen entsprechend geht (die Emo-Runde, also Emotions-Runde). Anschließend wird über anstehende Veranstaltungen und Aufgaben gesprochen.
Nächste Woche werden wir im Akkord die CD’s in 1000 Exemplare der neuen QUEESCH-Ausgabe kleben, aber zu viert geht das angeblich ganz fix.
Dann werde ich mit jemandem dafür sorgen, dass die QUEESCH an den Mann gebracht wird, sprich, sie zu Geschäften bringen, in denen sie ausgestellt wird.
Achja…was ich fast vergessen hätte: Jeden Montag und Mittwoch habe ich jetzt seit letzter Woche von 19:30 Uhr bis 21 Uhr Sprachunterricht in Französisch an einer Sprachschule in Luxemburg. Ich kann nicht gerade behaupten, dass mir französisch Spaß macht und auch die unterschiedliche Schnelligkeit der anwesenden Schüler sowie die Tatsache, dass ich die ersten 3 Wochen des Kurses verpasst habe, machen es nicht leichter oder schöner für mich.
Das Schlimmste ist allerdings, dass ich 52 Minuten warten muss, bis mein Bus nach Hause kommt. Da man aber ab 21:40 Uhr schon aus dem Aufwärmraum im Luxemburger Bahnhof rausgeschmissen wird, muss ich noch ne halbe Stunde in der Kälte warten….und das jeden Montag und Mittwoch bis Juni….*heul*.
Manchmal ist es wirklich unglaublich, wie sehr Luxemburg die Mentalität eines Dorfes hat, aber zu diesem Thema schreibe ich mal mehr in einem anderen Beitrag.
So ich glaube für heute ist der hier auch schon lang genug :o) Fotos gibt es nachträglich, weil ich heute vergessen habe, meine Kamera mit in den Infoladen zu nehmen.
Viele Liebe Grüße und danke für euer Interesse und eure Geduld, so viel von mir zu lesen :o)
Hab euch lieb,
knutsch
Wenn ich das richtig verstanden habe (und dafür gebe ich keine Garantie) dann ist die große Organisation LIFE. Unter LIFE fallen ganz viele, sehr verschiedene Projekte. Zwei dieser Projekten spielen eine Rolle in meinem Arbeitsleben: die QUEESCH und der Infoladen.
Der Infoladen befindet sich in Esch, der zweitgrößten Stadt Luxemburgs, und ist Treffpunkt für die meisten Projekte von LIFE. Das heißt im Laufe einer Woche kann es sein, dass viele Menschen hier ein und aus gehen (es kann aber auch total leer bleiben). Auch für mich ist er mein Arbeitsplatz bzw. Aufenthaltsort für den Tag.
Aber wie sieht er aus? Nun das ist schwer zu erklären, darum hier ein Foto:

Im Prinzip ist der Infoladen momentan noch ein großer zugemüllter Raum. Sein Zweck ist eigentlich, nicht nur Arbeitsplatz und Treffpunkt zu sein für sämtliche Projekte, sondern eine Plattform zu bieten für alle alternativen, politisch, sozial oder kulturell engagierten Gruppen in Luxemburg. Jeder, der etwas mitzuteilen hat, kann produzierte Flyer oder Zeitschriften in den Infoladen bringen. Dort werden sie dann ausgestellt zum Mitnehmen und informieren für jeden.
Darüber hinaus ist der Laden Plattform für Veranstaltungen der bereits genannten Gruppen. Hier werden Demonstrationen gegen die Tierfell-Industrie organisiert, Veganer treffen sich zum veganen essen und vieles anderes mehr.
Jeden Donnerstag gibt es seit kurzem (seit meiner Ankunft) die sogenannte Infobar, bei der man einen gemütlichen Abend im Infoladen verbringen und sich über politische und soziale Themen austauschen kann oder über die letzte Demonstration, die man begleitet hat bzw. die nächste, die man plant :o) Außerdem gibt es hin und wieder ein Quiz oder einen Filmabend im Zuge der Infobar.
Das klingt jetzt vielleicht alles furchterregend alternativ und anders, aber für mich ist es für den Moment schön. Schön diskutieren zu können, schön so vieles zu lernen, was ich bisher nicht wusste und schön, so viele interessante und vor allem engagierte Menschen kennen zu lernen, die wenigstens versuchen etwas auszurichten.
Das tun sie übrigens auch durch die Arbeit bei der QUEESCH. Die QUEESCH ist eine Zeitschrift bzw., wie sie sich selbst beschreibt, „Das Magazin für und über Selbstbestimmung“. Themen, die besprochen werden, sind Demokratie, Faschismus, Kapitalismus, Migration aber auch Musik, aktuelle Veranstaltungen oder politische Geschehnisse in Luxemburg und der Welt und vieles anderes. In jeder Zeitung gibt es eine CD mit weniger bekannter, aber guter Musik oder auch Videos bzw. Dokumentationen.
Die QUEESCH ist dreisprachig, das heißt die Artikel in der Zeitschrift sind luxemburgisch, deutsch und französisch, jeder Artikel in einer anderen Sprache, so hat jeder was zu lesen. Meine Hauptaufgabe hier in Luxemburg ist es, deutsche Artikel für das Magazin zu schreiben. Bis jetzt gibt es auch schon 6 oder 7 Artikel, die ich zu schreiben habe – das Problem ist allerdings, dass die neue QUEESCH bereits nächste Woche erscheint. Da sie nur alle 3 Monate heraus kommt und demzufolge die Deadline für die fertigen Artikel für die nächste Ausgabe erst im Juni ist, war ich bis jetzt noch ziemlich faul und habe noch keinen meiner Artikel für die QUEESCH angefangen zu schreiben bzw. angefangen dafür zu recherchieren.
Stattdessen habe ich mich voll und ganz auf meine Internetseite sowie die Erstellung meiner Fotoalben bei studivz oder Treffen mit anderen Freiwilligen konzentriert. Ich glaube aber, dass ich das nicht bereuen werde, denn jetzt habe ich die Zeit dazu, später vielleicht nicht mehr. Und mittlerweile bin ich ziemlich froh, eine Internetseite angelegt zu haben. Mein Mitteilungsbedürfnis ist ja doch größer als ich dachte.
So jetzt wisst ihr also mehr oder weniger über meine Arbeit bescheid. Momentan beschäftige ich mich am meisten mit dem Aufräumen, säubern und umgestalten des Infoladens, was mir (wer mich kennt, weiß das) eigentlich relativ Spaß macht. Es ist zwar leider keine Arbeit, bei der ich mich verausgabe, aber es ist eine aktive Arbeit und es ist schön zu sehen, wie der Infoladen immer schöner wird und dass man das mit seiner eigenen Anstrengung geschafft hat. Allerdings weiß ich bis jetzt noch nicht genau, wie ich bei der spärlichen Arbeit meine 35 Wochenstunden zusammen kriegen soll, die ich eigentlich arbeiten sollte :o)
Außerdem genieße ich die absolute Freiheit, die ich hier habe. Ich kann aufstehen, wann ich möchte (trotzdem tue ich es jeden Morgen um halb 9), ich kann tun was ich möchte, denn da der Infoladen eigentlich nicht mein Aufgabengebiet ist, bin ich nicht verpflichtet zu helfen und was das Schreiben der Artikel für die QUEESCH betrifft, habe ich freie Themenwahl und kann ebenfalls arbeiten wann und wo (zuhause oder im Infoladen) ich will.
Da ich so frei und ohne jeglichen Druck mit großer Wahrscheinlichkeit nie wieder in meinem Leben sein werde genieße ich das momentan sehr. Sicher ich könnte mich auch beschweren, weil die Realität hier nicht im entferntesten der Projektvorstellung entspricht, aufgrund derer ich mich ja überhaupt beworben hatte, aber warum soll ich Stress machen?!
Ich bin ein positiver Mensch und ich kann aus jeder Situation was positives ziehen…und das ist in diesem Fall ja gar nicht so schwer :o) Klar könnte ich rumnörgeln, aber mir geht es doch hier super und alles ist so schön einfach….ich werde es mir nicht unnötig schwerer machen. Für mich ist das hier auch keine Zeitverschwendung, sondern ein großer Batzen Lebenserfahrung, die mich auf jeden Fall lockerer und schlauer machen wird.
Ja, was gibt es sonst noch zu erzählen. Jeden Mittwoch ist eine Versammlung im Infoladen, bei der geklärt wird, ob es jedem gut und seinen Wünschen entsprechend geht (die Emo-Runde, also Emotions-Runde). Anschließend wird über anstehende Veranstaltungen und Aufgaben gesprochen.
Nächste Woche werden wir im Akkord die CD’s in 1000 Exemplare der neuen QUEESCH-Ausgabe kleben, aber zu viert geht das angeblich ganz fix.
Dann werde ich mit jemandem dafür sorgen, dass die QUEESCH an den Mann gebracht wird, sprich, sie zu Geschäften bringen, in denen sie ausgestellt wird.
Achja…was ich fast vergessen hätte: Jeden Montag und Mittwoch habe ich jetzt seit letzter Woche von 19:30 Uhr bis 21 Uhr Sprachunterricht in Französisch an einer Sprachschule in Luxemburg. Ich kann nicht gerade behaupten, dass mir französisch Spaß macht und auch die unterschiedliche Schnelligkeit der anwesenden Schüler sowie die Tatsache, dass ich die ersten 3 Wochen des Kurses verpasst habe, machen es nicht leichter oder schöner für mich.
Das Schlimmste ist allerdings, dass ich 52 Minuten warten muss, bis mein Bus nach Hause kommt. Da man aber ab 21:40 Uhr schon aus dem Aufwärmraum im Luxemburger Bahnhof rausgeschmissen wird, muss ich noch ne halbe Stunde in der Kälte warten….und das jeden Montag und Mittwoch bis Juni….*heul*.
Manchmal ist es wirklich unglaublich, wie sehr Luxemburg die Mentalität eines Dorfes hat, aber zu diesem Thema schreibe ich mal mehr in einem anderen Beitrag.
So ich glaube für heute ist der hier auch schon lang genug :o) Fotos gibt es nachträglich, weil ich heute vergessen habe, meine Kamera mit in den Infoladen zu nehmen.
Viele Liebe Grüße und danke für euer Interesse und eure Geduld, so viel von mir zu lesen :o)
Hab euch lieb,
knutsch
Sandra_in_Luxemburg - 8. Mär, 14:11