Kalte Seen, traumhafte Supermärkte und das große Krebs-Schlachten…Tag 2 und 3

Für den zweiten Tag hatten Elke und ich uns vorgenommen, in einem schwedischen See schwimmen zu gehen. Ich bin zwar weder einer Wasserratte, noch besonderer Fan von kaltem Wasser (um es mal zu untertreiben), aber allein schon, um etwas zu erzählen zu haben, wollte ich mir die Erfahrung des Badens in einem schwedischen See nicht nehmen lassen.

Allerdings gingen wir nicht zu zweit schwimmen, sondern mit einer großen Gruppe Kinder und Jugendlicher. Elke arbeitet als Freiwillige nämlich bei einem Tischtennis Verein in ihrer kleinen Stadt Köping, wo sie Kinder trainiert oder beschäftigt, soweit sie es kann. Dort waren jedenfalls ca. 20 Tischtennis-Spieler aus Deutschland für eine Woche zu Besuch in Schweden, zum Training und für Turniere.
Diese Rasselbande von 10 bis 21jährigen und Malin vom Tag zuvor begleiteten uns nun zum See, wo außer baden gehen nun auch nichts weiter spektakuläres passiert ist. JA, ich war bis zum Bauch im Wasser und JA, es war recht frisch, bei windigem, bewölktem Wetter ohne Sonne. Von Kopf bis Fuß nass wurde ich jedoch nur, weil die Jungs uns nass machten, (wie Jungs das eben so tun, wenn sie frierende Mädchen sehen), als sie bemerkten, dass wir gerade von einem Trainer fotografiert werden und nicht mit einer Attacke rechnen.

Baden im Schwedischen See


Nach dem Schwimmen und trocken Werden, fuhren Elke und ich mit Fahrrad in zwei schwedische Supermärkte. Was ich nie gedacht hätte, ist, dass Schweden mindestens genauso ein Fahrradland ist, wie Amsterdam eine Fahrradstadt. Wo man auch hinsieht fahren die Menschen mit Zweirad, meistens mit einem Gestell kurz vorm auseinander fallen, damit es niemand klaut.
Der Supermarkt sah aus, wie die meisten anderen, bot aber spezielle Besonderheiten, wie das im Ausland nun schon mal vorkommt. Zunächst gab es eine riesige Abteilung mit Knäckebrot, dann musste ich feststellen, dass die Schweden auf Zimt stehen und diesen auch überall rein machen. So zum Beispiel auch ins Knäckebrot.
Was mich überzeugt hat Schweden zu lieben, waren die Süßigkeitenstände in jedem Supermarkt. Sie waren groß, sie waren bunt, sie boten alles, was man sich nur wünschen kann! Noch dazu hieß es hier: „Selbstbedienung“!

Die Suessigeitenabteilung im schwedischen Supermart


Der Abend klang extrem gemütlich aus, diesmal mit saugutem Essen. Elke und ihr schwedischer Freund haben eine Lachs-Lasagne gezaubert, die unfassbar lecker war! Das Rezept hab’ ich mir gleich mal geben lassen.
Anschließend gingen wir zu Elke auf Arbeit und ich schaute einem kleinen, niedlichen Jungen zu, wie er beim Tischtennis die Großen der Reihe nach in die Knie zwang und locker mit ihnen mithalten konnten.

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Am Mittwoch Vormittag zeigten mir Malin und Elke die kleine Innenstadt Köpings und das Alkoholgeschäft. In Schweden wird Alkohol nämlich niemals in Supermärkten verkauft, sondern nur in extra Geschäften, in denen man sich mit sehr teuren Getränken eindecken kann.

Dann sollte der Mittwoch etwas ganz besonderes werden. In Schweden wird anscheinend immer im August ein Krebs-Fest veranstaltet, bei dem man eben Krebs isst und die Familie zusammen kommt. Wann im August, ist jeder Familie selbst überlassen.
Bei der Familie von Elkes Freund Tobias war es dann am Mittwoch soweit. Wir trafen uns zu dritt in seiner Wohnung, da er noch einige Vorbereitungen treffen musste. Bereits hier sah ich zum ersten mal 100 rote, tote Krebse, die er einfach nur in Wasser mit Zwiebeln und Dill einlegte und bereits hier schwand mein Enthusiasmus, sie tatsächlich zu essen. Sie sind hart, wirken irgendwie wie große Käfer und gleichzeitig sind sie mit ihrer kräftigen Farbe wunderschön.

Die Schüssel mit Krebsen
Schuessel mit Krebsen


Bei Tobias’ Familie angekommen erwartete uns dann auf einer riesigen Dachterrasse eine lange aufgebaute Tafel mit allen möglichen schwedischen Köstlichkeiten, darunter Kartoffel- und Hünchenpie. Pie sieht aus wie Kuchen, ist aber eben warm und herzhaft, mit Fleisch oder Kartoffeln. Dazu gab es Salate, Fisch aus der Büchse, verschiede Soßen für den Fisch, viele Sorten Kräcker, Kekse und Brot und dazu ebenso viele Frischkäsesorten, in die man sie eintunken konnte. Getrunken wurde hauptsächlich Schnaps, Vodka und alles, was man noch als „Kurze“ bezeichnen kann.
Zentrum der beiden Tische waren zwei große Schüsseln mit hunderten Krebsen drin. Neben dem Teller hatte jeder ein Liederbuch mit schwedischen Schnapsliedern zu liegen, außerdem trug jeder einen Papp-Hut. Nach jedem Lied, wird ein Kurzer getrunken. Tobias erklärte mir, dass die Schweden bei so einem Fest immer mehr trinken als essen, da an so einem Krebs nicht viel dran sei.

Nach dem ersten Lied und folglich erstem Anstoßen („Skȧl“, wie bei „Dinner for one“) und nachdem mein Teller voll beladen war, mit allem, was zum Angebot stand, nahm ich mir aus der großen Schüssel einen Krebs. Ich erwischte einen mächtig großen, der mich mit seinen schwarzen Augen anzusehen schien. Ich inspizierte ihn – die Scheren, die Beine, die Fühler, die Nase – und die Neugier, wie er wohl schmeckte, siegte.
Dann zeigte uns Tobias, wie man den Krebs isst und die Neugier wurde prompt ersetzt durch Ekel. Zuerst sollte ich dem Krebs die Scheren Abreißen, einfach herausreißen aus den Armen. Ich tat es mit großem Schauder. Das Stück Krebsfleisch, das dann aus der Schere hervor schaut, sollte ich abknabbern oder raussaugen. Auch das tat ich, mit größtem Widerwillen und Schuldgefühlen für das hübsche, makellose Tier. Als ich feststellte, wie lecker das Fleisch ist, war ich bereit, mir noch den Rest anzusehen.

Als ich dem Krebs dann allerdings das Hinterteil abreißen, ihn also in der Mitte auseinander reißen sollte, da tat ich das zwar und aß das Bauchstück, war dann aber am Ende mit den Nerven und rührte keinen Krebs mehr an, weder den Angefangenen, noch einen Neuen. Echte Schweden saugen dem Krebs übrigens das Gehirn aus, so erklärt mir Tobias. Aber lieber verzichte ich auf leckeres Krebsfleisch, also so etwas je wieder zu tun. Da bin ich zimperlich…

Mein erster und letzter Krebs
Mein erster und letzter Krebs


Der Rest des Angebots war ok bis lecker. Ich habe mich dann hauptsächlich an Brot, Käse und Salat gehalten, da konnte ich nur wenig falsch machen. Zwischendurch wurde immer wieder ein Lied angestimmt und anschließend die Gläser erhoben. Nach dem 5ten Lied, fing ich an, pro Lied nur noch einen halben und keinen ganzen Kurzen mehr zu trinken, da in dem Heft immerhin 11 Lieder waren und Absolut Vodka nicht gerade leicht verträglich ist.

Für den Rest des Abends lauschte ich den schwedischen Unterhaltungen und aß immer in mich hinein, was so um mich herum stand. Nach dem Fest gab es dann plötzlich noch Kaffee und Kuchen und ich bereute, so viel gegessen zu haben ;) Da das Fest bereits zwischen 17 und 18 Uhr angefangen hatte, war es relativ zeitig vorbei. Zwischendurch mussten wir aufgrund eines heftigen Regenschauers die Tische nach innen in den Hausflur tragen und aßen dort weiter.

Nach einer herzlichen Verabschiedung, obwohl mich niemand kannte oder sich mit mir hatte unterhalten können, war der Abend noch jung und wir gingen zu Tobias nach Hause und schauten DVD.

Als ich dann endlich kugelrund und müde im Bett lang, konnte ich nichts weiter hoffen, als keine Albträume zu haben, die das Zerreißen von Krebsen thematisieren. Und glücklicher Weise wurde ich davon tatsächlich verschont…



Das 4 bis 5 folgt gleich bald…
Sandra

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