Dienstag, 19. August 2008

Västerȧs und Stockholm…Tag 4 und 5

Tag vier in Schweden, nachdem ich nicht von Krebsen geträumt hatte, sollte ein klassischer Shopping-Tag werden, wie das bei zwei Mädels schon einmal vorkommen kann. Gegen Mittag machten wir uns dafür bei sehr regnerischem und frischem Wetter mit Zug auf in die nächstgrößere Stadt Västerȧs (gesprochen Västeros).

Schon bei unserem ersten angepeilten Ziel, dem Touristik- und Informationscenter, leuchteten meine Augen und weinte mein Geldbeutel. Soo viele Souvenirs auf einen Schlag und alles so wunderschön! Am Ende des Tages auf dem Rückweg zum Zug habe ich mich hier von meinem Restgeld mit Schweden-Artikeln, also Mitbringseln eingedeckt ;)

Dazwischen lag ein Shopping-Kraftakt. Bei Regen und Kälte macht es leider weder Spaß, sich eine Stadt anzusehen,noch sich von Laden zu Laden und von Einkaufszentrum zu Einkaufszentrum zu frieren…

Das Ergebnis dieses Tages kann sich jedoch mehr als sehen lassen: In den viele Stunden in Västerȧs habe ich fast meine gesamte Shopping-Liste abgearbeitet. Etwas, das ich in den vergangenen sieben Monaten in Luxemburg nicht geschafft hatte! Zusammengefasst heißt das also: zwei Pullover, eine Jacke, ZWEI Paar Schuhe und ein T-Shirt habe ich in Västeras gekauft. Fehlte nur noch eine schwarze Jeanshose von meiner langen Wunschliste. Aber es gab ja noch Stockholm am Freitag…

In Västeras mit vollen Einkaufstüten:
Volle Einkaufstueten beim Shoppen in Schweden


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Nachdem wir Donnerstag verhältnismäßig früh ins Bett gegangen sind, klingelte am Freitag Morgen um 7 Uhr der Wecker und läutete einen nicht enden wollenden, unglaublich anstrengenden Tag ein.

Nach Duschen, Frühstücken und Tasche Packen ging es um 8:40 Uhr mit einem ca. 10 Kilo schweren Rucksack und zwei Taschen für 30 laaange Minuten auf zum Bahnhof in Köping. Anschließend die Zugfahrt nach Stockholm, bei der ich mich noch einmal schlafend innerlich auf den Tag vorbereitete ;)

Um 10:50 Uhr landete ich in Stockholm und stürzte mich in das unübersichtliche Bahnhofs-Getümmel, um ein Schließfach für meine Taschen zu finden. Bis ich ein solches noch freies Schließfach gefunden hatte, Scheine in Kleingeld gewechselt hatte, um es benutzen zu können, meine Sachen darin verstaut hatte und meine letzten Euros in Kronen getauscht hatte, war eine Stunde vergangen und mein Magen im Keller. Also aß ich nach meiner ersten Orientierung mit der Stockholm-Stadtkarte und den mich umgebenden Straßennamen zum zweiten Frühstück meinen Hot Dog Nummer 1 und eine „Kanelbulle“, zu deutsch „Zimtschnecke“, was mir von Elke unbedingt empfohlen wurde. Für alle, die vor haben nach Schweden zu reisen: diese Empfehlung kann ich nur weiter geben.

Dann ging es auf in das Stadt-Getümmel, im wahrsten Sinne des Wortes. Schon nach ein paar Minuten bin ich auf einer der Hauptstraßen des Stadtzentrums gelandet und musste mich wundern über diese unfassbaren Massen an Menschen, die dort zugange waren!!! Wirklich unglaublich…es sah aus wie man aus dem Fernsehen in New York, jeder Flecken des Fußweges war von Mensch bedeckt, eine einheitliche Masse, die sich sehr flüssig und zügig fort bewegte. So ließ ich mich treiben…

Die Menschenmassen auf der Einkaufsstraße:
Menschenmassen auf der Shoppingstraße


Zuerst wie in Västerȧs landete ich im Touristikcenter und deckte mich mit Postkarten ein. Dann ging es auf zur Shoppingstraße, die ich ganz entspannt abspazieren wollte, da ich müde war und meine Shoppingliste ja bereits fast vollständig abgehakt war. Das gelang mir auch recht gut und alles in allem fand ich die Straße auch nicht soo berauschend. Sie war lang, sie war voll und sie bestand eben aus aneinander gereihten Pubs, kleinen Restaurants oder Cafes, aus Schmuck- oder Souvenirläden, aus H&Ms und anderen Klamottenläden und einigen Gothik- und Punkshops.
Die Shoppingstraße war also so, wie eine solche Straße eben sein sollte. Aber meine Einkaustimmung kam nicht so recht auf, genauso wenig wie der Wille, sich in den Tumult von sich im Kaufrausch befindenden Frauen zu stürzen. Dennoch habe ich hier tatsächlich beim ersten und einzigen Versuch eine schwarze, passende Jeans gefunden und sie glatt gekauft! Es stimmt also: Wer NICHT sucht, der findet ;)

Anschließend schaute ich mir die sich auf einer Insel befindende Altstadt an, zu der die Einkaufsstraße führte. Sie war mit engen Gassen und wunderschönen Straßen und Häusern weitaus schöner als die Shoppingstraße. Die Hauptstraße führte zum Hafen, den ich eine Ewigkeit entlang spazierte, auf der Suche nach etwas Essbarem. Das führte mich zu Hot Dog Nummer 2 und einem Kinderfest.

Danach war mein letztes Tagesziel das größte Freilichtmuseum der Welt, wie es zumindest im Prospekt beschrieben wird. Ich hatte keine Ahnung, was mich dort erwartet. Da ich viele Pausen machte, aus Müdigkeit und um Stockholm in mich aufzusaugen (Menschen und Kleidungsstile beobachten, Gesprächsfetzen aufschnappen, die Stadt und den Hafen genau betrachten) dauerte es sehr lange, bis ich das Museum endlich erreicht hatte.
Als ich ankam war es bereits 18 Uhr und der Mann am Ticket-Schalter erklärte mir, dass die kleineren Häuser bereits geschlossen hätten. Das war mir egal…ich hatte den ganzen Weg nicht umsonst zurück gelegt, außerdem hatte ich ehe keine Zeit und Lust mehr mir ALLES anzusehen und da ich in Stockholm alles zu Fuß zurück gelegt hatte, um die Zug- und Busfahrkarte zu sparen, konnte ich mir den Museumseintritt noch locker leisten, ob er sich lohnt oder nicht.

Das Freilichtmuseum war auch recht hübsch anzusehen. Ein großes Gebiet mit schönen Wegen, Wald, vielen kleinen typischen schwedischen Holzhäuschen, Türmchen und einem kleinen Zoo mit ausschließlich schwedischen Tieren. In jedem der Häuser wurde ein wichtiger Bestandteil der schwedischen Kultur dargestellt. So befand sich in einem Haus z.B. eine kleine Möbelfabrik usw.

Als ich auf der Karte, die ich am Eingang bekommen hatte, jedoch den Streichelzoo für Kinder entdeckte, hatte Klein Sandra nur noch ein Ziel: Ab zu den Häschen, Meerschweinchen und Ziegen und so tun als wäre ich ein Kleinkind. Die Begeisterung für Streichelzoos wird man mir wohl niemals nehmen können!
Das Problem war, dass der Streichelzoo am Ende des Museumsgeländes lag und sich auf dem Weg dort hin mehrere interessante kleine Häuser, eine Kirche aus Holz, eine Farm und der Zoo befanden, in dem ich mich sehr lange aufhielt und staunte, wie wunderschön und natürlich er war. Die Tiere hatten Gehege, so groß, dass man sie gar nicht überblicken konnte. Nichts war künstlich, der Wald wucherte wild, die Tiere lebten wie in ihrer natürlichen Umgebung. Sehr erfreulich so etwas…

Suchbild: Wo ist der glückliche Wolf in seinem wuchernden Gehege im Freilichtmuseum?
Suchbild: Wo ist der Wolf


Als ich den Streichelzoo gerade erreicht hatte, hatte dieser gerade zwei Minuten geschlossen gehabt und die Tiere waren alle verschwunden. Nur ein einzelnes Ziegenbaby drehte mir den Hintern zu und ich war geknickt :(
Von da an schlossen alle anderen kleinen Häuser der Reihe nach, immer, wenn ich sie gerade erreicht hatte. Was ich unbedingt sehen wollte war das Aquarium, aber auch hier kam ich zu spät, dieses Mal drei Minuten. Der Eintritt war also mehr oder weniger in den Sand gesetzt…

Anschließend ging ich eine Stunde zurück bis zum Bahnhof und aß unterwegs meinen Mc Chicken Nummer 1 bei McDonalds. Als ich schockiert feststellen musste, wie klein dieser ist, gab es Mc Chicken Nummer 2 im Bahnhof. Was für ein Fast Food Tag…gut ging es mir anschließend im Zug auf dem Weg nach Nyköping nicht.

In Nyköping, einem winzig kleinen Kaff, 15 Minuten vom Flughafen entfernt und eineinhalb Stunden von Stockholn, hatte ich die Wahl: Entweder nehme ich den nächsten Bus um 23:03 Uhr zum Flughafen und mache dort die Nacht durch oder ich schlafe in einem kleinen Railway Hotel für Durchreisende, das ich dann aber auch extra bezahlen muss.

Die Müdigkeit trieb mich zum Hotel 500 Meter neben der Bushaltestelle (eher ein kleiner, gemütlicher Bungalow mit ca. 10 Zimmer á ca. 6 Betten). Das machte mich zum Glücksmariechen der Woche.
Das Licht in der Rezeption brannte zwar, aber sie war bereits nicht mehr besetzt. Die Telefonnummer an der Fensterscheibe brachte mich auch nicht weiter, denn niemand ging ans Telefon. Zum Glück entschloss ich mich um das Haus herum zur zweiten Glastür zu gehen. Und zum Glück gingen genau in diesem Moment die zwei letzten noch wachen Mädchen an der Glastür vorbei und öffneten sie für mich.

Sie erklärten mir, dass die Frau von der Rezeption bereits seit 20 Uhr weg ist und ich überzeugte mich selbst davon, dass sie recht hatten. Was hätte ich als nächstes anderes tun sollen, als die Mädchen zu fragen, ob sie noch ein Bett im Zimmer frei haben?! Genau das tat ich auch und genau ein Bett war in dem Sechser-Zimmer noch frei. Was für Glück! Meine 5 Zimmergenossinnen waren auch noch 5 nette Mädchen aus Österreich, also mitten in Schweden Menschen, die die gleiche Sprache sprechen ;)

Kann man mehr Glück haben? Man kann! Gegen 1 Uhr hört ich jemanden mit Schlüssel in das abgeschlossene Hotel kommen. Das zusammen mit der Tatsache, dass dieser jemand Hackenschuhe trug, verleitete mich zu der Annahme, dass es sich um die Frau von der Rezeption handelte. Sie verließ das Hotel nicht mehr und von diesem Moment an konnte ich nicht mehr schlafen, von Albträumen gequält, wie sie mich morgens beim Gehen erwischt, stink sauer ist und mich für 3 Stunden Schlaf bezahlen lässt.

Aber um 3:45 Uhr schlich ich mich erfolgreich und ungehört aus dem Hotel ;) Es folgte ein kurzer Zittermoment: Ich saß an der Bushaltestelle und eine Frau kam plötzlich kurz nach mir morgens um 4 Uhr in einem toten Kaff aus Richtung des Hotels auf mich zu. Ich war mir sicher: das ist die Frau aus der Rezeption, die mich jetzt zur Schnecke macht…und mein Herz blieb stehen, als sie mich mit dem schwedischen „Hej“ (Guten Tag) angesprochen hat. Dann dreht sie mir den Rücken zu und auf ihrer Jacke stand….“Airport Security“. Sie war eine Sicherheitsfrau vom Flughafen und wollte zur Arbeit ;)

Der Rest der Geschichte ist Warterei. Eine Stunde im Flughafen warten bis die Shops aufmachen, um den letzten Tingel Tangel vom letzten Geld zu kaufen. Dann Kronen in Euros tauschen, einchecken, dann fast zwei Stunden warten, bis das Flugzeug endlich startet, dann eineinhalb Stunden warten, bis das Flugzeug wieder landet und dann in Frankfurt Hahn noch einmal eineinhalb Stunden warten bis mein Bus nach Luxemburg fuhr. Zum Frühstück hatte ich Pizza und setzte damit meine Fast Food Ernährung fort. Ab diesem Punkt ging es mir wirklich unterirdischst dreckig…

Zusätzlich zu all dem hat Maria auch noch verschlafen und konnte mich nicht um 11:45 Uhr vom Luxemburg Bahnhof abholen, wo ich dann noch eine halbe Stunde warten musste auf meinen Bus nach Hause. Schuld daran war der Busfahrer zuvor: aufgrund eines Problems musste er 10 Minuten telefonieren, weshalb ich eine Minuten zu spät am Bahnhof ankam, um meinen Bus zur WG zu erwischen. Als dieser los fuhr, trennten uns vielleicht 30 Meter, aber auch 15 Kilo Gepäck, Müdigkeit und Übelkeit, die mich vom Laufen abhielten…

Zuhause angekommen war ich nach dieser anstrengenden Reise tot. Zum Glück war es für August meine letzte ;) Das Fotoalbum hierzu gibt es am Donnerstag... *versprochen*


Ich hab euch lieb!
Sandra

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