Filmdreh II und Liams Abschiedsfeier…
Am Freitag machte ich mich auf die Socken in das kleine verschlafene Städtchen Eupen in Belgien, wo der Freiwillige Liam wohnt und wo dessen kleine Abschiedsfeier stattfinden sollte. Samt Umsteigen, Bus- und Zugfahrt brauche ich da schon vier Stunden bis ich dort ankomme.
Von Luxemburg aus bin ich zusammen mit den zwei Freiwilligen Monica (Litauen) und Vangelis (Griechenland), also dem Freiwilligenpärchen, gefahren. Da beide am Samstag nach Griechenland fahren wollten, um dort einen Monat lang Urlaub bei Vangelis Familie zu machen, hatten sie drei riesig große Koffer und mehrere kleine Taschen bei sich, die man erst einmal zum Zug transportieren muss in einem Bahnhof ohne Rolltreppen. Schon Paul hatte dieses Problem bei seiner Abreise allein, ohne Hilfe bemerkt.
Auf der Hälfte der Strecke nach Eupen stieg Liam zu uns in den Zug. Er war uns extra entgegen gefahren, damit wir in diesem einen speziellen Zug, der nur von Luxemburg nach Belgien fährt, den Film zu Ende drehen konnten, den wir Montag angefangen hatten.
Da das Gepäck bereits ein ganzes Abteil in Anspruch nahm, blieb Monica in diesem, während Liam, Vangelis und ich in einem anderen Abteil den Film zu Ende drehten. Es lief wie am Schnürchen. Eine Szene nach der anderen wurde abgedreht, manchmal schon nach dem ersten Versuch. Da ich diesmal Zeit hatte den Text für meine Dialoge vorher zu lernen, klappten auch diese Szenen auf Anhieb.
Da wir in Lüttich in Belgien umsteigen mussten und wahnsinnig viel Gepäck mit uns hatten, wollten wir 10 Minuten vor Lüttich fertig sein mit Drehen, um unseren ganzen Kram schon zusammen zu packen und die vielen Taschen zum Ausgang zu tragen. Das war einfach nötig.
Aber genau in dem Moment, als wir die letzte Szene fertig gedreht hatten und wir uns fragten, wo der Zug eigentlich mittlerweile ist, schrie Vangelis „Fuck, we are in Liege“ („Verdammt, wir sind in Lüttich“).
Es war zu spät, den Kram zusammen zu packen, denn der Zug fuhr genau in diesem moment in Lüttich ein. Monicas Abteil und Unser Abteil trennten vier lange Waggongs und sie konnte die viele Taschen unmöglich allein raus tragen innerhalb von 2 Minuten Halt.
Also fuhren wir eine zum Glück sehr kurze Haltestelle weiter, zufrieden, die Zugszenen geschafft zu haben. Genau in den 10 Minuten, die wir brauchten, um aus dem Zug auszusteigen mit gefühlten 300 Taschen, das Gleis zu wechseln, um wieder eine Haltestelle zurück zu fahren und auf den Zug zu warten, regnete es in Strömen! Kaum waren wir um Zug, hörte es wieder auf, genauso wie zuvor.
In Eupen endlich angekommen, verbrachten wir einen gemütlichen Abend, zusammen mit zwei belgische Freiwilligen und jeder Menge Chips, Knoblauchbrot, Spaghetti und unfreiwillig verschütteten Getränken.
Allerdings ging es so gemütlich nicht am nächsten morgen weiter, denn wir hatten für unseren Film noch ein paar Bahnhofsszenen zu Ende zu drehen, außerhalb des Zuges. Also hieß es nach zu wenig Schlaf und einem spärlichen Frühstück ab zum Bahnhof: das bedeutete 30 Minuten in der prallen Sonne zum Teil bergauf zu gehen.
Der Dreh wurde noch einmal stressig wie immer. Liam musste ständig seine Klamotten wechseln, um unterschiedliche Tage oder Charaktere darzustellen. Aufgrund einer Szene, in der wir beide laufen, mussten wir bei unerträglicher Hitze mit Jacken immer und immer wieder die gleiche Strecke laufen.
Da Monica und Vangelis, unser Kameramann, an diesem Samstag nach Griechenland reisten, wartete auf sie ein Taxi vor Liams Haus. Wieder einmal sehr knapp trafen wir 2 Minuten später als geplant ein, Monica hatte schon wieder Stress, die Taschen allein zu transportieren. Da Monica und Vangelis ohnehin verspätet dran waren, war ihre Verabschiedung von Liam nur kurz und knapp wie immer, als würden wir uns nächstes Wochenende wieder sehen. Das war zwar schwer für Liam, aber wahrscheinlich besser, denn wer mag schon lange, dramatische Abschiede.
Die restlichen 2 Stunden vor meiner Abreise verbrachte ich damit, Liams Poster von den Wänden zu entfernen und mit ihm zu reden, in der Hoffnung, ihn etwas aufzubauen und ihm seine Traurigkeit zu nehmen. Mein wichtigstes Vermächtnis dabei: Ich habe ihm drei außerordentlich wichtige deutsche Worte beigebracht, die Créme de la Créme der Sprachkunst, nämlich „flauschig“, „fluffig“ und „flaumig“…ein herrlicher Zungenbrecher für den Italiener ;)
Es war schade, dass der Abschied generell nicht so gemütlich ablief wie geplant. Da ich früh nach Hause musste, um mich auf Schweden vorzubereiten, hatten auch Liam und ich keine Zeit mehr gemütlich zu essen oder zu reden. Dennoch war es aufgrund der fehlenden Dramatik ein Abschied nach meinem Geschmack…kurz, herzlich und als würden wir uns bald wieder sehen…
Ich hab euch lieb
Sandra
Von Luxemburg aus bin ich zusammen mit den zwei Freiwilligen Monica (Litauen) und Vangelis (Griechenland), also dem Freiwilligenpärchen, gefahren. Da beide am Samstag nach Griechenland fahren wollten, um dort einen Monat lang Urlaub bei Vangelis Familie zu machen, hatten sie drei riesig große Koffer und mehrere kleine Taschen bei sich, die man erst einmal zum Zug transportieren muss in einem Bahnhof ohne Rolltreppen. Schon Paul hatte dieses Problem bei seiner Abreise allein, ohne Hilfe bemerkt.
Auf der Hälfte der Strecke nach Eupen stieg Liam zu uns in den Zug. Er war uns extra entgegen gefahren, damit wir in diesem einen speziellen Zug, der nur von Luxemburg nach Belgien fährt, den Film zu Ende drehen konnten, den wir Montag angefangen hatten.
Da das Gepäck bereits ein ganzes Abteil in Anspruch nahm, blieb Monica in diesem, während Liam, Vangelis und ich in einem anderen Abteil den Film zu Ende drehten. Es lief wie am Schnürchen. Eine Szene nach der anderen wurde abgedreht, manchmal schon nach dem ersten Versuch. Da ich diesmal Zeit hatte den Text für meine Dialoge vorher zu lernen, klappten auch diese Szenen auf Anhieb.
Da wir in Lüttich in Belgien umsteigen mussten und wahnsinnig viel Gepäck mit uns hatten, wollten wir 10 Minuten vor Lüttich fertig sein mit Drehen, um unseren ganzen Kram schon zusammen zu packen und die vielen Taschen zum Ausgang zu tragen. Das war einfach nötig.
Aber genau in dem Moment, als wir die letzte Szene fertig gedreht hatten und wir uns fragten, wo der Zug eigentlich mittlerweile ist, schrie Vangelis „Fuck, we are in Liege“ („Verdammt, wir sind in Lüttich“).
Es war zu spät, den Kram zusammen zu packen, denn der Zug fuhr genau in diesem moment in Lüttich ein. Monicas Abteil und Unser Abteil trennten vier lange Waggongs und sie konnte die viele Taschen unmöglich allein raus tragen innerhalb von 2 Minuten Halt.
Also fuhren wir eine zum Glück sehr kurze Haltestelle weiter, zufrieden, die Zugszenen geschafft zu haben. Genau in den 10 Minuten, die wir brauchten, um aus dem Zug auszusteigen mit gefühlten 300 Taschen, das Gleis zu wechseln, um wieder eine Haltestelle zurück zu fahren und auf den Zug zu warten, regnete es in Strömen! Kaum waren wir um Zug, hörte es wieder auf, genauso wie zuvor.
In Eupen endlich angekommen, verbrachten wir einen gemütlichen Abend, zusammen mit zwei belgische Freiwilligen und jeder Menge Chips, Knoblauchbrot, Spaghetti und unfreiwillig verschütteten Getränken.
Allerdings ging es so gemütlich nicht am nächsten morgen weiter, denn wir hatten für unseren Film noch ein paar Bahnhofsszenen zu Ende zu drehen, außerhalb des Zuges. Also hieß es nach zu wenig Schlaf und einem spärlichen Frühstück ab zum Bahnhof: das bedeutete 30 Minuten in der prallen Sonne zum Teil bergauf zu gehen.
Der Dreh wurde noch einmal stressig wie immer. Liam musste ständig seine Klamotten wechseln, um unterschiedliche Tage oder Charaktere darzustellen. Aufgrund einer Szene, in der wir beide laufen, mussten wir bei unerträglicher Hitze mit Jacken immer und immer wieder die gleiche Strecke laufen.
Da Monica und Vangelis, unser Kameramann, an diesem Samstag nach Griechenland reisten, wartete auf sie ein Taxi vor Liams Haus. Wieder einmal sehr knapp trafen wir 2 Minuten später als geplant ein, Monica hatte schon wieder Stress, die Taschen allein zu transportieren. Da Monica und Vangelis ohnehin verspätet dran waren, war ihre Verabschiedung von Liam nur kurz und knapp wie immer, als würden wir uns nächstes Wochenende wieder sehen. Das war zwar schwer für Liam, aber wahrscheinlich besser, denn wer mag schon lange, dramatische Abschiede.
Die restlichen 2 Stunden vor meiner Abreise verbrachte ich damit, Liams Poster von den Wänden zu entfernen und mit ihm zu reden, in der Hoffnung, ihn etwas aufzubauen und ihm seine Traurigkeit zu nehmen. Mein wichtigstes Vermächtnis dabei: Ich habe ihm drei außerordentlich wichtige deutsche Worte beigebracht, die Créme de la Créme der Sprachkunst, nämlich „flauschig“, „fluffig“ und „flaumig“…ein herrlicher Zungenbrecher für den Italiener ;)
Es war schade, dass der Abschied generell nicht so gemütlich ablief wie geplant. Da ich früh nach Hause musste, um mich auf Schweden vorzubereiten, hatten auch Liam und ich keine Zeit mehr gemütlich zu essen oder zu reden. Dennoch war es aufgrund der fehlenden Dramatik ein Abschied nach meinem Geschmack…kurz, herzlich und als würden wir uns bald wieder sehen…
Ich hab euch lieb
Sandra
Sandra_in_Luxemburg - 12. Aug, 01:22