Auch wenn ich vielen bereits persönlich von meiner Rückreise erzählt habe, möchte ich diesen letzten Eintrag doch noch schreiben, als Abschluss!
Maria und ich hatten einen wunderschönen letzten Abend zusammen gehabt. Sie sagte Dinge, die mir viel bedeuten. Sie sagte, dass meine Anwesenheit immer Farbe in ihr Leben brächte und dass ich es geschafft habe, ihr sich selbst wieder näher zu bringen. Sie sei in den 5 gemeinsamen Tagen durch mich wieder sie selbst geworden. Was könnte ein guter Freund einem Schöneres sagen?
Am Morgen stand ich weit vor ihr auf, da ich noch meine Tasche packen und Duschen musste, was im rosa Haus ja ein langwieriges Unterfangen ist. Als ich mir gerade Frühstück machte, kam sie in die Küche, fertig angezogen und sagte mir, dass sie jetzt los müsse zur Arbeit. Kaum stand sie da, stieg mir schon wieder das Wasser in die Augen.
Aber ansonsten war es ein kurzer und schmerzlosen Abschied. Wir wussten ja wieder, was wir aneinander haben und einander bedeuten. Wir drückten uns, bedankten uns gegenseitig für die schönen Tage, ich gab ihr noch den Ratschlag mit auf den Weg, die Farbe zu behalten, die ich ihr gebracht habe und verschwunden war sie.
Nach dem Frühstück machte ich es ähnlich mit Txalo...ich spielte ein bisschen Ball mit ihm, dann drückte und knuddelte ich ihn und gab ihm noch ein paar liebe Worte mit auf den Weg. Er solle auf Maria aufpassen, sie fröhlich machen, wenn sie traurig ist und gesund bleiben!
Sandra und Kay kamen überraschender Weise extra im Schlafanzug und mit verquollenen Augen aus ihrem Schlafzimmer, um mich noch einmal zu drücken. Sie luden mich zu ihrer Einweihungsfeier ein, wenn sie es geschafft haben, ein Haus zu finden und zu beziehen.
Der anschließende Weg aus dem Wald zur Bushaltestelle war wirklich sehr schwer, als trenne ich mich von etwas Geliebten, aber es war ok. Ich hatte mich verabschiedet, ich hatte mein gutes Ende und meinen Schlussstrich unter dem Kapitel Luxemburg.
Auf, auf ging es zur langen Rückreise. Mit Bus nach Luxemburg Stadt, mit Zug zum Hauptbahnhof Trier und dort 30 Minuten warten auf meine Mitfahrgelegenheit. Ich hatte im Internet jemanden gefunden, der mit Auto für 30€ von Trier nach Magdeburg fährt. Ein äußerst seltenes Glück! Auch wenn selbstverständlich ein großes Risiko bei solchen Mitfahrgelegenheiten immer mitfährt, war mir das die Ersparnis von 70€ wert! Und noch einmal gab es einen äußerst seltenen, glücklichen Zufall: Ein weiteres Mädchen fuhr in Trier mit uns mit und wollte ebenfalls nach Magdeburg! Wie unfassbar!
Die Fahrt war lang, verschneit, verregnet, vernebelt und einfach schrecklich. Ich konnte fast keine Minute mal NICHT aus dem Fenster gucken, weil ich dem Fahrstil unseres Fahrers weder traute, noch sehr behaglich fand. Viel zu hektisch.
Auch der Typ an sich war mir äußerst unsympathisch...einfach zu arisch :) Trotz seines jungen Alters (vielleicht Mitte 30) sehr steif, konservativ, blond, blauäugig, in Hemd und Pullunder, sehr kaltschnäuzig, von oben herab, emotionslos...schrecklich! Er ist Dozent an der Uni Trier und musste für seine Doktorarbeit nach Magdeburg. Er bat mich, nichts über ihn in meinem Blog zu schreiben, damit seine Kollegen nichts darüber lesen.
Natürlich! Wo auch bestimmt sooo viele Dozenten und Professoren im Internet surfen und den Blog eines Mädchens über ihr Abenteuer in Luxemburg suchen oder finden! Quatschi!
Ich war jedenfalls froh, dass das zweite Mädchen dabei war, da sie sich mit dem Fahrer unterhielt und ich dadurch still hinten sitzen konnte und nicht zwanghaft kommunizieren musste. Ich war einfach geschafft. Die 5 Tage waren zu viel Input und ich war zu müde, als dass ich noch Plaudern oder Small Talk hätte führen können.
Um 20 Uhr kam ich sicher am Kölner Platz in Magdeburg an und hätte echt nicht damit gerechnet! Schließlich hatten wir es während der Fahrt mit sämtlichen Unwetter-Formen zu tun, haben uns einmal auf dunkle, finstere Landstraßen verfahren, der Fahrstil dieses Schlipsträgers war äußerst unangenehm UND es war Freitag der 13.!!! Wer hätte da gedacht, dass ich lebend an meinem Ziel ankomme und nicht für meinen Geiz bestraft werde? :)
Meine Eltern holten mich beide ab und ab gings nach Hause, wo ich erst mal nicht auspackte, sondern über Stunden alles erzählte, was es noch zu erzählen gab. Daher stellte ich diesen Eintrag auch nicht mehr am Freitag Abend ins Internet. Anschließend war ich eine Woche lang auf einem Seminar und hatte ebenfalls keine Gelegenheit, meinen letzten Tag "in der Vergangenheit" zusammen zu fassen und zu veröffentlichen. Das Ergebnis der langen Pause, war, dass mein Text unauffindbar verschollen war...bis heute!
Hier ist also das gute Werk, der Abschluss meines Blogs, meines Abenteuers und eines Lebensabschnittes. Ich denke, ich bin wieder ganz gut angekommen in Magdeburg. Wenige luxemburgische Freundschaften haben dauerhaft bis heute gehalten – aber mit meiner lieben Spanierin Maria, meinem Italiener Liam und meinem Österreicher Paul habe ich nach wie vor regelmäßigen und sehr engen Kontakt! Das ist ein Resultat, mit dem ich sehr zufrieden bin und das ich noch lange aufrecht erhalten möchte!
Von nun an heißt es wieder
im Hier und Jetzt leben,
nach Vorne blicken und mit einem dicken, fetten, breiten Grinsen
fröhlich an Luxemburg zurück denken und mich über meinen Mut und meine dort gemachten Erfahrungen freuen! Schluss mit Trübsal, Schluss mit Blog! Das nächste Abenteuer kann kommen! :)
---ENDE---

Sandra_in_Luxemburg - 4. Mär, 19:41
Der Donnerstag war ein guter Tag! Eigentlich war er vollkommen und wird mir von meinem Luxemburg-Kurztripp wohl am meisten und intensivsten in Erinnerung bleiben.
Wunderschön begann schon der Morgen. Um 10 Uhr in der Früh war ich mit Pia verabredet, einer noch in Luxemburg arbeitenden, deutschen Freiwilligen, die ich schon im Februar 2008 auf dem Ausreiseseminar vor meiner Reise nach Luxemburg kennengelernt hatte.
Allerdings lag an diesem Morgen dicker, fetter, weißer Schnee. Nach dem Debakel mit der Kamera bzw. dem Foto-Handy am Vortag, hatte ich mir an diesem Morgen fest vorgenommen: Wenn Schnee liegt, stehe ich ganz früh auf, um noch zwischen dem Frühstück und VOR meinem Bus um halb 10 den Berg zu erklimmen und endlich mein Winterfoto vom Haus zu machen. Und so kam es dann auch…
Als ich mich nach dem Frühstück ganz rasch anzog, um hoch auf den Berg zu steigen, stand Maria gerade auf und fragte mich, ob ich nicht Txalo mitnehmen möchte. Ich wollte schon sehr gern, hatte aber eigentlich geplant, direkt vom Berg aus zur Bushaltestelle zu gehen, ohne noch mal zum Haus zurück zu kommen. Also schlug Maria vor: Wenn ich auf dem Berg bin, klingle ich sie an und sie ruft Txalo zurück zum Haus. Ich konnte es kaum glauben, aber sie sagte, Txalo wird direkt den Berg hinunter zum Haus rennen.
Zügig habe ich diesen Plan in die Tat umgesetzt und war schon nach 10 Minuten auf der Bergspitze angekommen. Eigentlich war dieses Unterfangen bei Schnee und Eis nur mit meinen Turnschuhen lebensgefährlich gewesen, aber ich kam gut durch und fand das Wandern bei Schnee irgendwie viel leichter als am Vortrag bei Matsch.
Kaum war ich oben, rief Maria vorm Haus stehend Txalo zu sich herunter. Mehrmals rief sie „Come!“, aber Txalo zögerte. Immer wieder drehte er sich nach mir um, als bräuchte er meine Erlaubnis los zu laufen und mich allein zu lassen. Klar, ein höflicher Hund lässt seine Begleitung nicht so mir nichts dir nichts im Schnee stehen ;) Zu diesem Zeitpunkt hatte ich mir jedenfalls noch nichts bei Txalos Zögern gedacht.
Nachdem ich meine Fotos gemacht hatte (übrigens sehr gelungene Bilder), sah ich auf dem Berg auf der anderen Seite des Tales eine Frau mit Hund, der Txalo erschreckend ähnlich sah. Und es war auch Txalo zusammen mit Maria :D Über das Tal hinweg schrieen wir ganz laut und konnten uns sogar unterhalten.
Weil ich überraschender Weise noch viel Zeit hatte, ging ich doch zurück zum Haus. Und nach nicht mal einer Minute kam Txalo, den ich eben noch auf der anderen Seite des Tales gesehen hatte, aus dem Wald gesprungen und war wieder bei mir! Ich war ganz schön baff und konnte mir auch nicht erklären, wie er das gemacht hat. Oder warum.
Warum ich dieses Ereignis jetzt so scheinbar überflüssig detailliert beschrieben habe, erfahrt ihr am Ende dieses Eintrages.
Ich sprintete also zum Haus, hatte noch Zeit Hose und Socken zu wechseln (was dringend nötig war) und wartete vergebens auf den Bus. Letztendlich kam ich aber an Pias und meinem Treffpunkt nur 20 Minuten zu spät an.
Die Wiedersehensfreude war groß und typisch Mädchen plauderten wir wie wild aufeinander ein, kicherten, gackerten und schwelgten etwas in schönen Erinnerungen. Nachdem wir ein paar sehr verrückte Sachen gemacht und einen Kaffee getrunken hatten, trennten sich unsere Wege wieder. Es war ein gelungenes und kurzes Wiedersehen.
Nachdem ich dann wieder mehrere Stunden auf der Couch verbracht hatte, traf ich mich mit Maria kurz nach 18 Uhr vorm Infoladen, den ich mir unbedingt noch einmal ansehen wollte. Leider war er verschlossen, aber ich konnte durch die Glastür erkennen, dass sich absolut gar nichts an seinem Antlitz geändert hatte.
Mit Maria redete ich aufgeregt über die verrückten Sachen, die Pia und ich angestellt hatten, während wir zu der kleinen Kirche in Tetange fuhren (das Dorf in dem ich wohne). Sie hatte diese Kirche, die ich im Sommer zusammen mit meinen Besuchern Stefan und Caro besichtigt hatte, in den 7 Jahren, die sie in Luxemburg lebt, noch niemals von innen gesehen. Und auch dieses Mal kam es nicht dazu, denn die Kirche war um diese Zeit bereits abgeschlossen. Wirklich schade…
Zuhause angekommen, stellten Maria und ich fest, dass unser Traum wahr geworden war: WIR WAREN fast ALLEIN!!! Nur Sandra lag krank in ihrem Bett. Aufgrund des einjährigen Bestehens der Infobar im Infoladen, waren sämtliche Hausbewohner zum Infoladen ausgeflogen.
Jetzt konnten wir uns wie früher mit unserem Essen zusammen aufs Sofa flätzen und tatsächlich GERMANYS NEXT TOPMODEL GUCKEN, so wie wir es letztes Jahr jeden Donnerstag gemacht hatten. Der Wahnsinn! Leider wurde unser Plan von Sandra durchkreuzt, die sich etwas zu essen machte und ebenfalls im Wohnzimmer sitzen blieb, natürlich auf der Couch, so dass Maria und ich mal wieder getrennt sitzen mussten.
Darum und weil die Sendung furchtbar langweilig war, gingen wir bereits nach einer Stunde in Marias Zimmer. Dort tollten wir mit Txalo noch ein bisschen im Bett herum, machten Fotos von unseren Albernheiten und ich übersetzte ein E-Mail, das meine Eltern an mich und Maria adressiert hatten.
Eigentlich wollte ich es einfach auf englisch vorlesen, aber ich konnte nicht. Jedesmal, wenn ich zu einem Versuch ansetzte, schnürte ein dicker Tränenklos mir die Kehle zu und ich bekam keinen Ton mehr raus. Die Worte in der Mail waren sehr bewegend und sehr passend. Da ich also nicht reden konnte, übersetzte ich den Text schriftlich, Maria las dabei synchron mit und war ebenfalls sehr bewegt. Allerdings hat sie nur schwer geatmet und nicht wie ich geheult wie ein Schlosshund!
Als wir dann so über Txalo redeten, kam der heutige Morgen zu Sprache und Maria sagte, Txalo würde mich sehr lieben. Ihr Begründung war: Als sie Txalo heute Morgen vom Berg zum Haus gerufen hatte, hat er gezögert. Außerdem hatte es nicht ausgereicht „Come!“ (Komm!) zu rufen, sondern sie musste „A casa!“ (Ins Haus!) schreien, damit er kam. Als er einmal mit Marias bester Freundin Arraté oben auf dem Berg gewesen war, sei er schon fast von allein und nach einem unterstützenden „Come!“ runter zum Haus gelaufen.
Dann fragte ich Maria, wie sie das gemacht hatte, dass Txalo plötzlich von der einen Seite des Tales den ganzen Berg hinunter und auf der anderen Seite wieder herauf zu mir gelaufen kam. Da meinte sie ganz trocken, sie hätte gar nichts gemacht. Txalo sei ihr einfach davon und zu mir zurück gelaufen, was heißt, das ich ihm sehr viel bedeute.
Ich weiß nicht, ob man als Außenstehender verstehen kann, warum ich diese Tatsache so schön finde, dass ich so detailliert beschreibe, aber für mich waren Marias Worte über Txalo die perfekten Gute-Nacht-Worte. Ich konnte mich darüber freuen, dass Txalo wieder wusste, wer ich war, statt nur stinkig zu sein, dass ich ihm seinen Platz in Marias Bett weggeschnappt hatte…
Sandra_in_Luxemburg - 13. Feb, 22:41
Mittwoch Morgen hatte ich einen Plan! Ich besitze vom letzten Sommer ein wunderschönes Bild von unserem rosa Haus und dem Tal, in dem es liegt, das ich bei wunderbarem Wetter vom Berg neben dem Haus aus gemacht habe. Die Landschaft rings um das rosa Häuschen erstrahlt in saftigem Grün.
Nun wollte ich aber genau das selbe Bild im Winter machen, ohne Grün, aber mit jeder Menge weiß. Genug Schnee gab es ja die Tage zuvor hier und so wollte ich ganz früh Morgens nach dem Frühstück den Berg erklimmen und das Foto schnell machen.
Wie irgendwie immer, gab es aber auch bei diesem Vorhaben einen Haken. Ich hatte Kay meine Digitalkamera ausgeliehen, damit er Fotos bei einer Hausbesichtigung am Nachmittag machen kann. Ich hatte vergessen, dass ich die Kamera selbst brauchte und Kay würde erst Abends zurück kommen, wenn es schon dunkel ist und ich das Foto nicht mehr machen kann.
Als Maria mir ihre Digitalkamera gab, SCHIEN das Problem gelöst und ich war glücklich. Der Haken dieses Mal: Die Akkus ihrer Kamera waren leer. Nirgendwo im Haus gab es nun irgendwo Batterien!!!! Ist das zu fassen? Also musste ich die Akkus mit dem Ladegerät laden, das ich glücklicher Weise von zuhause mitgebracht hatte.
Nach einer Stunde ging die Kamera immer noch nicht an. Leider hatte ich nicht mein Schnell-Ladegerät dabei, sondern nur ein langsames. Kaum tauchte Carlo, einer der neuen Mitbewohner, der jetzt in meinem alten Zimmer wohnt, in der Küche auf, fragte ich ihn um Hilfe. Er hatte sowohl Batterien (die nicht funktionierten), als auch ein Schnell-Ladegerät! Nach einer halben Stunde waren die Batterien aufgeladen.
Kaum waren die Batterien in der Kamera stellte ich fest: Die interne Speicherkarte der Kamera ist kaputt. Carlo friemelte noch mit ihr rum, aber man konnte nichts mehr machen. Die Kamera war auf deutsch gesagt „im Arsch“. Die Fotos hatten sich erledigt, Schnee lag an diesem Morgen ausnahmsweise auch keiner. Damit ging alles schief, was schief gehen konnte…
DANN gab mir Carlo sein Foto-Handy und wollte mir weiß machen, dass es angeblich genauso gute Fotos macht, wie eine Kamera. Nachdem er mich 20 Minuten bearbeitet hatte, ließ ich mich breit schlagen und ging mit Txalo und Carlos Fotohandy hinauf auf den Berg. Ich machte ein paar Fotos und stellte fest, dass das Tal ohne grün und ohne weiß, sondern nur mit braunen, kahlen Bäumen, total scheiße aussieht. Und auch wenn die Bilder auf dem Handy-Bildschirm gut aussahen, sahen sie auf dem deutlich größeren Computer-Bildschirm furchtbar aus! Verpixelt und verschwommen! Ich hatte Recht, ein Fotohandy kann nicht das gleiche, wie eine Kamera!!! Aber das band ich dem hilfreichen Carlo nicht auf die Nase.
Nach vielen, vielen Stunden Langeweile und Schreibkram am Computer, holte mich Maria nach der Arbeit Abends ab. Das Ziel unserer Fahrt war „Decathlon“, ein riesig großes Einkaufszentrum für Sportartikel, die qualitativ hochwertig und im Preis nicht zu schlagen sind! Mein persönliches Ziel war allerdings, ENDLICH mit Maria zu reden und sie dazu zu kriegen, sich auszusprechen. Offensichtlich lang ihr ja etwas auf dem Herzen.
Über den Verlauf dieses Abends bin ich nun viel viel mehr als glücklich! Ich bin überglücklich!!! Den ganzen Tag hatte ich überlegt, wie ich dezent ein tiefgründiges, ernstes Gespräch mit Maria anzetteln könnte. Und ohne viel Mühe gelang mir das auch. Nach einer einzigen Frage fing Maria an zu plappern – und zwar ohne Luft zu holen und ununterbrochen den gesamten Weg bis zum Decathlon (das in Frankreich kurz hinter der Grenze bei der Stadt Thionville liegt) und vom Decathlon wieder zurück zum rosa Haus. In diesen eineinhalb Stunden hatte ich kaum 3 Sätze gesagt, während sie sich, teilweise äußerst emotional, sowohl traurig als auch wütend, alles von der Seele redete. Sie erzählte mir, wie sie behandelt und gemobbt wurde im Haus seit meiner Rückkehr nach Deutschland, sie erzählte mir von den vielen Streits mit Sandra, Kay und auch Ender und sie erzählte mir wie traurig sie ist, dass sie Luxemburg verlassen muss! Sie wäre gern noch ein oder zwei Jahre länger geblieben und der Grund ihrer verfrühten Rückkehr nach Spanien macht sie sehr wütend und traurig. Aber aufgrund der Stimmung zuhause ist sie Tag für Tag nur frustriert. Verständlich, nach dem, was ich gehört habe!
Die Stimmung zwischen den Anderen und Maria ist einfach unterirdisch und eiskalt. Sie wurde und wird raus geekelt. Dass sie das Gefühl hat, das nicht mehr länger zu können, verstehe ich und ich leide mit ihr! Es tut mir furchtbar leid, dass ein so lieber und herzensguter Mensch wie sie so scheußlich behandelt wird.
Seit diesem Gespräch ist zwischen Maria und mir wieder alles so, wie es immer war. Wir lachen, wir witzeln herum, wir reden über alles, wir zeigen uns Musik und Videos, wir drücken uns zu jedem kurzzeitigen Abschied am Morgen. Das ist es, weshalb ich her gekommen bin!
Als wir an dem Abend zuhause ankamen, lud Maria Txalo ins Auto und wir fuhren ein paar hundert Meter weiter in den Wald. Dort zeigte sie mir, was sie mit Txalo neuerdings immer macht: Sie fährt Auto, Txalo läuft draußen nebenher. Die Ausnahme dieses Mal war, dass Txalo überhaupt nicht nebenher lief, sondern voraus oder links und rechts im Wald verschwand. Aber es war wunderschön ihn so glücklich und übermütig zu sehen, wie er durch Schlamm und Fützen springt und es so scheint, als würde er Lachen. Dieser Anblick reicht mir, um mich zu freuen :D
An dem Abend haben wir noch viel geredet. Es war ein ganz toller Abschluss und mir ist ein riesig großer Stein vom Herzen gefallen, dass mit Maria endlich alles geklärt ist.
Ich drücke euch!
Sandra_in_Luxemburg - 12. Feb, 21:18
Am Dienstag gab es Sturm! Einen so heftigen Sturm, dass er mich um halb 8 in der Früh weckte und mich auch nicht wieder einschlafen ließ. Ich konnte in Marias Bett liegend aus dem Fenster mit ansehen, wie sich die Dachziegel auf dem Haus nebenan bei jeder Windböe lösten und einige Zentimeter in die Höhe klappten. Wie das Stromkabel, das die beiden Häuser verbindet, Besorgnis erregend schlackerte. Und wie die Bäume ihre Köpfe neigten.
Nach dem morgendlichen Gang durchs Badezimmer, stand ich gerade ganz unschuldig in Marias Zimmer vorm Spiegel, als sie schrie „Txalo, no!“.
Txalo, der es seit Sonntag auf meine Hausschuhe abgesehen hatte, hat an diesem Morgen mein Handy zum spielen gewählt. Das Ergebnis seiner Spielwut sind tiiiiefe Zahnabdrücke in meinem Handy und der Handy-Ledertasche, sowie ein zerstörtes, äußeres Display, das sowieso keinerlei Zweck hatte bei einem Klapphandy. Jetzt ist es bunt. Tja….selbst schuld, wenn man sein Handy im Bett liegen lässt. Zwar unter drei Kissen versteckt, aber Txalo findet alles! Immerhin funktioniert es immer noch anstandslos.
Mittlerweile ist es mal an der Zeit zu erwähnen, dass sich jede Menge im Haus verändert hat! Dabei meine ich nicht nur die Mitbewohner oder die sehr miese Stimmung zwischen Maria und den anderen. Ich meine vor allem die Äußerlichkeit. Ich zähle mal auf von oben nach unten, was ich noch im Kopf habe: Kay hat jetzt eine Tür und nicht mehr nur ein Loch zu seinem Zimmer, mein Zimmer ist vollkommen umgestaltet (neue Möbel, kein Teppich), aber das habe ich noch nicht gesehen. Der kaputte Kühlschrank, der in der Küche als Aufbewahrungsschrank genutzt wurde, ist durch eine sehr schöne Arbeitsfläche aus Holz ersetzt worden. Über dem Waschbecken befinden sich zwei Regale, unter anderem mit Henkeln für alle Tassen. Sehr hübsch. Das braune Ledersofa ist aus der Küche verschwunden, stattdessen stehe an selbiger Stelle die Ikea-Schränke aus meinem ehemaligen Zimmer. Der Toaster ist ENDLICH neu! Die Wände in der Küche sind nicht mehr rosa und hellblau, sondern weiß, die Wände im Wohnzimmer sind von ganz rosa zu halb rosa halb gelb gestrichen wurden. Die Sessel im Wohnzimmer sind weggeschmissen wurden, dafür stehen da jetzt die braunen Ledersessel aus der Küche. Die Eingangstür wurde wunderschön in braun und weiß gestrichen. Ender hat einen neuen Ofen.
Nebenan ist auch die Toilette nicht mehr rosa, sondern weiß. Sie Situation mit der Toilette, die mit dem Waschmaschinen-Abwasser gefüllt wird, hat sich allerdings nicht geändert und wird mir auch nicht fehlen. Der Duschkopf ist neu, was bei einem derart geringen Wasserdruck sehr viel ausmacht! Endlich gibt es einen weiteren (dritten) Wäscheständer. Und zu guter Letzt gab es zumindest einen Versuch, der Torbogen vorm Haus mit Efeu zu bepflanzen. Und zu guter Letzt das wichtigste nicht zu vergessen: Sandra und Kay wollen noch in diesem Jahr ausziehen und sich zusammen mit ihren verheirateten Freunden Alex(andra) und Claude ein Haus kaufen. Prophezeiungen, dass die WG im Doemptchengrond nicht mehr lange existieren wird, gibt es natürlich zur Genüge.
Da fragt sich nur, warum das alles passiert, NACHDEM ich weg bin!
Aber zurück zu meinem Tag. Bis 15 Uhr habe ich an diesem Tag erledigt, was es für mein FSJ-Seminar nächste Woche in Havelberg zu erledigen gab. Und zwar musste ich ein Konzept für ein Projekt ausarbeiten und bin ziemlich stolz, dass ich es so schnell geschafft habe.
Anschließend wurde ich abgeholt von Kay, Alex und Claude, die bereits ihr aller erstes Haus besichtigen wollten. Ja, ich bin tatsächlich genau in der Haus-Besichtigungs-Phase hier und da war ich doch mal neugierig. Ich ließ es mir nicht nehmen, mitzukommen.
Das Haus, das wir besichtigten war allerdings unter aller Sau! Viele Wände waren nicht richtig verputzt, die Decken waren teilweise ganz schön marode, genauso wie das Linoleum, die Elektronik wirkte lebensgefährlich. Das Haus war einfach ein Wrack. Wir alle waren uns einig, dass es irrsinnig viel Potential hat und dass man mit jeder Menge Geld und Zeit viel draus machen kann. Aber wer hat das schon beides…
Die zweite Hausbesichtigung fiel wegen des Unwetters aus, da der Verantwortliche es nicht durch den Sturm zum Haus schaffte.
Der Tag klang dann früh und gemütlich aus, allerdings immer noch mit der selben, schweigsamen Situation zwischen Maria und mir. Aber wer weiß, vielleicht kriege ich das noch geregelt…
Ich drücke euch!
Sandra
Sandra_in_Luxemburg - 11. Feb, 22:47
Schon ziemlich früh klingelte Marias Wecker. Da sie aber bereits um 22:30 Uhr schlafen ging (und ich ja somit auch), war ich um 8 durchaus fähig aufzustehen, trotz Urlaub. Der Weg zum Bedazimmer, in Schlaganzug und offenen Latschen durch dicken Schnee, hatte mir überhaupt nicht gefehlt. Nach einer gewohnt unkomfortablen Dusche im kalten Bad unterm dünnen Wasserrinnsal, und einem Frühstück in gewohnter Lxemburg-Manier, machte ich mich auf zur Bushaltestellen, um einige Besorgungen in der Stadt zu machen und mich von ihr zu verabschieden.
Mein erster Anlaufpunkt war die Bank zur Auflösung meines luxemburgischen Kontos. Das ging sogar ratzfratz, ohne Fragen, ohne Probleme, eine Unterschrift, Karte zurück geben, Geld einkassieren, fertig.
Wie im Shoppingwahn stürzte ich dann die Straße hinunter zum Geschäft „Coolcat“. Das ist zwar ein blöder Name, aber der Laden hatte mich ein halbes Jahr lang zuverlässig mit neuen, großartigen Klamotten versorgt. Seit ich aus Lux zurück bin, war ich immer wieder traurig, dass es diesen Laden oder dessen Klamotten nirgendwo in Deutschland gibt. Um so praller waren meine Taschen gestern zum Shoppen mit Geld gefüllt.
Aber mein Vorhaben mit einer übergroßen, prall gefüllten Coolcat-Einkaufstüte aus dem Laden zu stolzieren, wurde zu einer Enttäuschung. Im Laden begrüßten mich zahllose Outfits mit Glitzerpallietten, enge, schimmernde Legginshosen, Latzhosen, knappe Jeans-Kleidchen und pinke Strickjacken. Wo waren alle meine coolen Klamotten?!?!?!
Die magere Auswahl waren zwei Teile, die in die kleinste der Coolcat-Einkaufstüten passten und dann noch Platz ließen. Eigentlich habe ich mir auch nur ein Teil gekauft, in zwei verschiedenen Farben. Mein Shopping-Wahn war jäh dahin. Ich war in keinem einzigen Geschäft mehr drin.
Anschließend machte ich mich bei Nieselregen und Kälte auf zur Altstadt, um etwas zu besorgen, das meine Freundin Mareike sich gewünscht hatte. Ein letztes Mal deckte ich mich mit luxemburgischen Tourismusartikeln ein, also Postkarten, einer Tasse und anderem Klimbim.
Und dann hatte ich etwas Besonderes vor. Ich ging zu dem Tattoo-Shop, in dem Maria sich letztes Jahr in meinem Beisein zum ersten Mal tätowieren ließ. Und ich ging sogar hinein in den Shop und schaute mir 20 Minuten lang alle Motive an, die man sich anschauen konnte. Am Abend zuvor hatte ich mich Maria nämlich darüber unterhalten, dass ich die Zeit in Luxemburg für prägend und positiv genug halte, dass sie ein Zeichen auf meiner Haut verdient. Der einzige Grund, warum das bisher noch nicht passiert ist, ist der Mangel an einem Motiv. Also ließ ich mich inspirieren von hunderten verschiedenen Motiven und fand – nichts! Will ich eine Blume auf meinem Körper verewigt sehen? Oder einen Stern? Oder mein Sternzeichen? Oder eine Elfe? Oder eine Katzenpfote? Oder ein Wort in arabisch oder chinesisch? Oder einen Drachen? Oder ein Tribal?
Die Antwort lautete immer „nein“. Bei keinem Motiv machte es irgendwie „Klick“, nichts davon möchte ich für immer immer immer an mir betrachten müssen. Ich will ja auch die Chance haben, das Kapitel Luxemburg abzuschließen und nicht für immer durch ein Tattoo daran erinnert werden. Dennoch finde ich den Gedanken nach wie vor schön, mir in Luxemburg von einem Luxemburger ein tätowiertes Denkmal für Luxemburg zu setzen. Am besten von der gleichen Frau, die auch Maria tätowiert hat ;)
Mit 100 Motiven im Kopf schwirrend, machte ich mich zu Fuß auf den Rückweg zum Bahnhof. Auch wenn es regnete, ließ ich es mir nicht nehmen, noch mal von oben das Petrustal zu betrachten (das im Winter ohne grüne Bäume nicht sehr prächtig zu betrachten ist), über die Pont Adolphe zu schlendern, am Sparkassenmuseum vorbei zu ziehen, dem Bahnhof am Ende der Straße entgegen zu schreiten und dabei alle Erinnerungen und Flashbacks zu genießen, die mir so in den Sinn kamen. Auf der Pont Adolphe, wo ich einige Zeit stehen blieb, tat die traurige Musik in meinem MP3-Player ihren Rest und ich habe wieder etwas ins Auge bekommen, was sie feucht werden ließ ;) Innerlich machte ich „winkewinke“ zu Luxemburg…
In Tetange beim rosa Haus angekommen schneite es in dicken Flocken, so wie es schon jeden Tag seit 2 Monaten schneite, wie mir Maria und Sandra berichteten.
An diesem Tag passiert nichts besonderes mehr. Maria und ich fuhren zum Aldi und zu ihrem Fitness Studio, damit sie ihren Vertrag dort kündigen konnte. Da Maria eine Frau zugeparkt hatte, die ausparken wollte, musste ich das Auto ein paar Meter weiter nach vorne fahren. Das ließ mir mächtig die Knie weich werden, denn plötzlich konnte ich mich nicht mehr erinnern, welches Pedal wo war. Das stellte ich allerdings erst fest, als ich fälschlicher Weise das Gaspedal als Kupplung benutzte ;) Aber außer, dass das Auto laut aufheulte und ich einen Schock erlitt, passierte nichts. Es ist albern, weil ich nur anfahren musste, aber mein Herz schlug noch mindestens 3 Minuten bis zum Hals.
Ansonsten klang der Abend ruhig, aber irgendwie merkwürdig aus. Ich weiß nicht, ob es am Wetter liegt, an der schlechten Stimmung zwischen Maria und des anderen Bewohnern oder an ihren stressigen Umzugplänen, aber irgendetwas ist anders zwischen ihr und mir, als es im Sommer war.
Sie ist viel ernster, ruhiger, sie redet kaum ein Wort mit mir und wenn, haben wir meistens Verständigungsprobleme. Lachen und Witze reißen, irre Fotos von uns schießen wie im Sommer gibt’s nichts mehr. Vielleicht ist die Situation einfach zu verschieden zu damals. Vielleicht hat sie auch zu vieles anderes am Kopf. Aber zwischen uns ist eine große Distanz und nicht mehr die Offenheit und die guten Gespräche, die ich so mochte. Sie scheint auch nicht so sehr aus dem Häuschen zu sein, dass wir noch ein letztes Mal zusammen in Luxemburg sein können, wie ich es bin. Und irgendwie gelingt es mir auch nicht, sie auf all das anzusprechen und das Schweigen zu brechen, weil es scheint, als hätte sie ne dicke, große Mauer um sich gezogen.
Ich hoffe, dass es mir im Laufe der Woche noch einmal gelingt, wie in den alten Zeiten mit ihr zu reden…
Fühlt euch gedrückt und gegrüßt!
Sandra_in_Luxemburg - 10. Feb, 22:19
Die lange Geschichte von der Planung meines Vorhabens Luxemburg noch einmal zu besuchen, bis hin zur komplizierten Zugreise, erspare ich euch aus humanitären Gründen, da ich niemanden von euch mit unnötigem Gefasel langweilen mag. Nur so viel: Der Weg hierher war umständlich und teuer und es grenzt an ein Wunder, dass ich überhaupt hier bin und dann auch noch planmäßig.
Tatsache ist aber, dass es hieß „Jetzt oder Nie“. Maria, meine ehemalige Mitbewohnerin, verlässt das Land am 28. Februar, um nach Spanien in ihre Heimat zurück zu kehren. Ohne sie, gäbe es niemanden mehr, der mich im Haus für mehrere Tage willkommen heißen würde und ohne sie gäbe es auch fast keinen Grund hier zu sein.
Da es für mich jedoch undenkbar war, mein geliebtes Haus im luxemburgischen Wald nie wieder zu sehen, MUSSTE ich einfach alles daran setzen, noch einmal her zu kommen. Und wie ihr seht, hab ich es geschafft.
In Luxemburg angekommen musste ich noch eineinhalb Stunden auf den Bus warten, der mich zum rosa Haus bringen würde. Im Bus angekommen fühlte sich das Entlangfahren der mir so bekannten Strecke zum einen an, wie ein sehnlich erwünschtes „Nach-Hause-Kommen“ und andererseits wie eine Reise in die Vergangenheit, zurück zum Sommer, zurück zum EFD. Der Klos in meinem Hals wurde immer größer und erreichte seinen ersten Höhepunkt, als der Bus an der Dorfkirche vorbei fuhr, die ich so ausführlich mit meinen Magdeburger Besuchern Caro und Stefan inspiziert hatte.
Der zweite Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten: Als ich aus dem Bus stieg und in der Ferne das Haus und Licht in meinem alten Zimmer sah, hatte ich plötzlich feuchte Augen. Aber ich hab sicher nur was ins Auge bekommen ;)
Bergauf mit der schweren Reisetasche merkte ich dann, wie wenig Kraft und Substanz man haben kann, wenn man gerade 9 Stunden mit Zug und Bus gefahren ist. Etwas weiter vorm Haus, auf der matschigen Auto-Park-Stelle, begrüßte mich Neckel, einer der nach mir eingezogenen Mitbewohner, der meinen Platz im Infoladen und der „Queesch“ eingenommen hatte. Er war gerade dabei im Dunkeln mit einer Taschenlampe seinen Van zu reparieren, bei dem während des Fahrens wohl öfter die Schiebetür an der Seite aufgeht. Und ich hatte schon für eine Sekunde gedacht, dass ich von Maria mit einer Wunderkerze empfangen werde, statt von einem großen, stark behaarten Typen mit Taschenlampe :D
Neckel drückte mir nicht nur erfreulicher Weise die neue Queesch in die Hand, in der auch endlich meine Artikel veröffentlicht sind, sondern er lud mich auch in den Infoladen ein, zu dem er gleich fahren wollte und wo im Zuge der „VoKü“ alle mir bekannten, luxemburgischen Gesichter versammelt sein würden. „Vokü“ heißt Volksküche und ist ein Abend, an dem vegan gekocht und geschlemmt wird.
Das Angebot klang mehr als verlockend! Nicht wegen des veganen Essens (das tatsächlich hin und wieder ausgezeichnet geschmeckt hatte), sondern weil die Besichtigung des Infoladens und das Wiedersehen alter Bekannter ohnehin auf meinem Wochenplan stand. Aber mein Kopf sagte ja, mein Bauch und meine Beine sagten entschieden Nein.
Neckel berichtete mir noch, dass Kay und Sandra müde und krank seien. Vorm Haus angekommen, sah ich in Küche und Wohnzimmer kein Licht mehr, ein eindeutiges Zeichen, dass Kay und Sandra schlafen. Und das um 18:45 Uhr. Ich betrachtete es als Rebellion gegen meine Ankunft und als Zeichen, dass ich für die beiden nur wenig willkommen bin.
In der Küche bestätigte sich der Eindruck von außen – keiner mehr „wach“, reden hörte ich Sandra und Kay trotzdem.
Kaum machte ich das Licht an, erblickte ich jenen tierischen Hausbewohner, auf den ich mich am meisten gefreut hatte: die kleine, weiße Mietzi, die aus dem Fenster späte! Ohne Schuhe, Jacke oder Schal auszuziehen, stürmte ich auf sie zu und gab ihr die Gelegenheit, an meiner Hand zu schnuppern, um dann wie früher schnurstracks ins Wohnzimmer zu gehen, ohne sie weiter zu beachten.
Und wie früher hörte ich nicht mal eine Minute später ein lautes Plumpsen, ein leichtes tippeln und schon war Mietzi im Wohnzimmer, sprang auf das Sofa und dann ganz zaghaft auf meine Beine. Immer wieder stupste sie meine Finger an oder legte ihren Kopf unter meine Hand, damit ich sie kraule. Als Begrüßungsritual kam sie wie gewöhnlich meinen Bauch hochgekrabbelt und legte ihre Nase sehr lang auf meine. Es hatte sich absolut gar nichts geändert, sie wusste noch genau, wer ich war! und rollte sich für gut 20 Minuten auf meinem Schoß zusammen.
Und dann war da auch wieder dieser Klos in meinem Hals. Nach so einer tollen Begrüßung, was blieb mir da anderes übrig, als ne Träne zu vergießen?! Wahrscheinlich habe ich nur eine Katzenallergie…das wird es sein…! Ich bin ich sentimental, nein nein!
Sobald Neckel die Küche betrat, sprang Mietzi übrigens wie vom Blitz getroffen vom Sofa. Auch das war schon früher so gewesen. Es darf ja niemand sehen, dass sie in Wahrheit ein verschmuster Softi ist nicht nur ein im Dreck wühlender Mausejäger.
Der Abend nahm dann noch eine überraschende Wendung. Kaum war Neckel in der Küche, kamen auch Kay und Sandra aus ihrem Loch gekrochen und begrüßten mich beide mit einer dicken, fetten, herzlichen Umarmung, um mich anschließend über mein Leben seit Luxemburg auszuquetschen. Zu guter Letzt aßen wir gemeinsam am Küchentisch. Das war eine echt positive Überraschung, die mich wahnsinnig gefreut hat!
Zwei Stunden nach meiner Ankunft kam dann auch endlich Maria, die eine Woche lang bei Freunden in Brüssel gewesen war. Ich kam gerade von Toilette, als sie mit dem Auto vor fuhr. Kaum erspähten wir uns, rannten wir uns mit offenen Armen, hüpfend und schreiend entgegen ;)
In ihrem Bett, dass ich mir glücklicher Weise nur mit ihr teilen musste und nicht wie von ihr angekündigt auch noch mit Txalo, redeten wir noch lange, bevor wir einschliefen.
Achja apropos Txalo, wie geht es dem eigentlich? Aufgrund seines Winterfells wirkt er sehr dick und massig. Erkannt hat er mich meiner Meinung nach nicht, zumindest hat er mir keine Aufmerksamkeit geschenkt und mich nicht besonders begrüßt. Er ist eher stinkig, weil ich ihm sein Platz in Marias Bett weg nehme. Was aber sofort auffällt, ist, dass er älter geworden ist, vor allem im Kopf. Er ist reifer, ruhiger, gesetzter, ernster, gar nicht mehr bissig und er begeistert sich nicht mehr für sämtlichen Quatsch. Vielleicht liegt das aber auch am Wetter und am Schnee, der hier den ganzen Tag fast nonstop fällt…
Eine schöne Ankunft in Luxemburg!
Liebste Grüße an euch,
Sandra
Sandra_in_Luxemburg - 9. Feb, 22:02
Meine diesjährige Studentenlaufbahn ist kurz – sie ist genau eine Woche lang. Dafür gab es in dieser Woche einen einmaligen, komplizierten, langwierigen Hick Hack, dessen Schilderung alles andere als einfach ist.
Die Geschichte beginnt am vorletzten Samstag auf meiner Willkommensfeier, als meine Eltern mir einen Brief von der Universität Erfurt übergaben. Dort hatte ich mich für zwei Fächer, ein Haupt- und ein Nebenfach beworben und hatte bereits beide Absagen erhalten.
In diesem dritten Brief am Samstag stand nun, dass ich im Nachrückverfahren für das Nebenfach Erziehungswissenschaften in Erfurt zugelassen wurde. Es war meine erste Zulassung, deren Annahme ich in Betracht ziehen konnte und diese Zulassung schien ein Zeichen zu sein. Denn neben mir auf der Hollywood-Schaukel saß Caro, die Freundin, die ich seit 18 Jahren kenne, mit der ich zusammen im Kindergarten und in der Schule war und die dieses Jahr ebenfalls eine Zusage aus Erfurt erhalten hatte und nun dort studieren gehen wird.
Prompt wurden Pläne entwickelt und Caro kam auf die Idee, dass wir in Erfurt zu zweit eine WG gründen könnten. Die Studienpläne schienen innerhalb kürzester Zeit Gestalt anzunehmen. Ich hätte mit Caro eine nette Mitbewohnerin, bei der ich weiß, was mich erwartet und ich müsste mich nicht allein un die erschlagende Studienorganisation kümmern.
Ich musste mir nicht einmal allein eine Wohnung suchen, denn Caro hatte für den folgenden Mittwoch bereits geplant, zur Wohnungsbesichtigung nach Erfurt zu fahren, wo ich natürlich mitkommen könnte. Während ich dann den Sonntag damit verbrachte, mir den Kopf über Erfurt und Luxemburg zu zerbrechen, suchte Caro nach weiteren Wohnungsangeboten für uns zwei.
Dann begann die schwierige Entscheidungsphase. Am 8. September, einem Montag, hätte ich das Vorstellungsgespräch in Luxemburg gehabt. Am 9. September hätten aber schon alle Unterlagen und die Semestergebühren bei der Universität Erfurt eingehen müssen, wenn ich die Zusage rechtzeitig hätte annehmen wollen.
Ich musste mich also entscheiden – und entschied mich gegen Luxemburg. Natürlich wäre ich liebend gerne wieder zurück in meine WG nach LUX gezogen und hätte dort gelebt und das studiert, was wirklich studieren will. Psychologie! Aber das Psychologie-Studium an der Uni Lux ist dreisprachig – deutsch, englisch und französisch. Auf der ohnehin schon französischen Website des Studienganges wird ausdrücklich geschrieben, dass man alle drei Sprachen beherrschen muss. Mir ist allerdings klar, dass ich meine mangelnden Französischkenntnisse nicht stark genug aufbessern kann für ein Psychologiestudium mit Fachsprache, selbst wenn ich mich mit aller Macht in das Lernen hinein knie.
Ein dreisprachiges Psychologie-Studium ist vermutlich schon schwer genug, auch ohne mangelnde Sprachkenntnisse. Da kann ich mir nichts vormachen. Noch dazu habe ich keine Ahnung, ob und wie ich finanziell in Luxemburg als Student unterstützt werden würde. Wie es aussieht, genießen dort nur Staatsbürger eine finanzielle Unterstützung. All das, plus der zusätzliche Grund, dass ich 200€ Zugkosten ausgeben müsste, um zum Vorstellungsgespräch zu fahren und herauszufinden, ob die Uni LUX mich annehmen würde, haben mich zu der Entscheidung gegen Luxemburg und VORERST für Erfurt gebracht.
Am Montag rief Caro an und ich teilte ihr meine Entscheidung, aber auch meine Bedenken mit. Immerhin wurde ich in Erfurt nur für ein Nebenfach zugelassen, nicht für ein Hauptfach. Von den noch übrigen zulassungsfreien Hauptfächern an der Uni Erfurt kam für mich nur Literaturwissenschaft infrage und ich geriet ins Grübeln, ob ich tatsächlich extra für ein Jahr nach Erfurt umziehen will, um etwas zu studieren, das ich lediglich „ganz nett“ finde und mit dem ich kaum berufliche Chancen habe. Mir war klar, dass ich nach einem Jahr versuchen würde, die Studienfächer und vielleicht die Uni zu wechseln, um dann endlich Psychologie zu studieren.
Es stellte sich mir folgende Frage: Will ich tatsächlich Bafög und einen Studentenkredit beantragen und dadurch mit bereits 20 Jahren Schulden machen, für zwei Studienfächer, die ich nicht zu Ende studieren werde, sondern nach einem Jahr wieder wechseln will?!?!?!?! Lohnt es sich, etwas zu studieren, nur um studieren zu gehen, wenn man dabei Schulden macht?
Ich ließ Caro über meine Unsicherheit nicht im Unklaren, sondern ließ sie wissen, dass meine Entscheidung gegen Luxemburg keine Garantie sei, dass ich mit ihr in Erfurt zusammen studieren und wohnen würde. Wie so oft hätte ich auch hier gern auf mein Bauchgefühl gehört, aber Erfurt sagte mir nichts und rief auch keinerlei Gefühl in mir hervor. Weder ein positives noch ein negatives...Erfurt ist für mich Bedeutungslos.
Trotzdem vereinbarten wir für Mittwoch eine Zeit, zu der sie und ihre Mutter mich abholten, um nach Erfurt zur ersten Wohnungsbesichtigung zu fahren. Mittwoch Morgen um 10 Uhr saß ich also mit Caro und ihrer Mum im Auto und fuhr mit einem nicht funktionierenden Navigationssystem nach Erfurt.
Dort war das erste, was ich von der Stadt sah, die Plattenbausiedlung von Erfurt, in der wir auch die ersten beiden Wohnungsbesichtigungen hatten. Es handelte sich um zwei völlig gleich geschnittene Wohnungen in einem miefenden, großen, Unbehagen erregenden Plattenbau im siebten Stock. Insgesamt war die Wohnung groß genug für 2 Personen, aber eines der beiden Schlafzimmer war so winzig, dass viel mehr als ein Bett und ein Stuhl nicht rein gepasst hätten. Noch dazu gab es keine Küchenmöbel, keine Lampen und die eine Wohnung war noch nicht mal verputzt. Diese Wohnungen schlugen Caro und ich uns gleich aus dem Kopf, war die Wohngegend ja nicht gerade Vertrauenserweckend.
Auf dem Weg zur nächsten Besichtigung, bereits der letzten, fuhren wir an der Uni vorbei. Es war eine sehr hübsche und sehr kleine Uni, aber auch hier empfand ich nichts, außer dem Gefühl, dass Erfurt nicht die richtige Stadt für mich ist. Jetzt zu studieren in Erfurt schien mir nicht mein Weg zu sein.
Bei der zweiten Wohnung handelte es sich um eine WG mit zwei Mädchen, die noch einen weiteren Mitbewohner suchten. Caro hatte diese Wohnung im Internet gefunden, bevor sie wusste, dass ich mit nach Erfurt kommen würde.
Dieses Mal handelte es sich um eine wunderschöne, friedliche und äußerst hübsche Wohngegend. Ebenfalls die Wohnung und das Mädchen, das sie uns vorstellte, ließen nichts zu wünschen übrig. Caro wäre sofort eingezogen und ich hätte es ihr mehr als gegönnt. Aber es gab ca. 20 Leute, die sich für die WG in erstklassiger Lage interessiert hatten und Caro war leider nicht diejenige, die ausgewählt wurde, um dort einzuziehen.
Wir riefen zwar noch bei mehreren Wohnungen an, aber niemand hatte Zeit für eine spontane, sofortige Wohnungsbesichtigung. Vor der Rückfahrt nach Magdeburg sahen wir uns dann nur noch den Erfurter Dom an, was uns von dem Mädchen aus der WG ausdrücklich empfohlen wurde. Es lohnte sich tatsächlich. Der Dom war atemberaubend schön, ebenso wie die kleine Altstadt, die mich an die Märchenstadt aus „Die Schöne und das Biest“ erinnerte. Sehr sympathisch, sehr klein und sehr friedlich und gemütlich. Heimisch – aber nicht mein Heim.
Nachdem ich die Stadt gesehen und mich ausgiebig mit Caro und ihrer Mum über meine Situation unterhalten hatte, tendierte ich dazu, mich gegen Erfurt zu entscheiden, um ein Jahr lang arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen.
Bei dieser Entscheidung blieb es auch. Ich fühlte mich zwar weder wohl mit dem Plan in Erfurt zu studieren, noch mit dem Plan, ein Jahr lang arbeiten zu gehen, aber Letzteres machte mehr Sinn. Von jetzt an heißt es also arbeiten gehen, was es zu arbeiten gibt. Immerhin lebe ich in Magdeburg, einer der deutschen Städte mit der höchsten Arbeitslosenrate.
Mittlerweile hat sich Maria, meine Mitbewohnerin und beste Freundin aus Luxemburg, bei mir gemeldet. Sie war 7 Wochen lang in Spanien bei ihrer Familie gewesen, weshalb wir kaum Kontakt gehabt hatten. Vor 4 Tagen nun rief sie mich aus Luxemburg an, um mir zu sagen, dass ich ihr fehle und zu fragen, wann ich zurück komme, da ich ja auch in Luxemburg arbeiten könne, wo ich deutlich mehr Geld als in Magdeburg verdienen kann...
Eine Antwort bin ich Maria schuldig geblieben. Was ab jetzt passieren wird, ist ziemlich unklar, da mir viele kleine Tore offen stehen und ich mich nicht übereilt für Eines entscheiden möchte. Bis Ende September können von den Universitäten immer noch Zusagen zum Studium kommen. Davor passiert erst mal gar nichts. Dahinter liegt das Unbekannte...
Vermutlich werde ich euch weiterhin über die wichtigsten Ereignisse hier auf dem Laufenden halten. Danke für euer Interesse und die Aufmerksamkeit!
Ich drücke euch!
Sandra
Sandra_in_Luxemburg - 14. Sep, 19:37
Auf Bitte einer einzelnen Person sollte ich meinen letzten Tagebucheintrag über meinen Freiwilligendienst in Luxemburg „Zurück im Leben“ nennen. So ganz bin ich damit aber nicht einverstanden, wie man sieht...;)
Die 7stündige Autofahrt nach Magdeburg war weniger eine Zerreißprobe, als ich es erwartet hatte. Eigentlich war es gar keine. Ich war etwas gespannt auf zuhause und so ganz hatte ich meine Situation auch noch nicht realisiert. Die Gewissheit nach LUX zurück zu kehren, nahm mir jegliche Traurigkeit.
Das Wiedersehen zuhause war so unspektakulär, wie es überhaupt sein konnte. Da mein Papa im Keller war, standen Haus- und Wohnungstür offen und völlig unerwartet für meine Mama, stand ich plötzlich vor ihr in der Wohnung. Drücken, küssen, grinsen, angucken....das war die Wiedersehensprozedur. Nachdem Martin und seine Mum nach Hause abgedüst waren, folgten stundenlange Gespräche und ich begrüßte meine Großeltern nebenan. Die Wiedersehensprozedur war hier die gleiche. Nach meinem Wunsch-Sonntagsessen zuhause (Blumenkohl, Klops, Kartoffeln), war der Tag gelaufen.
Es folgte fünf Tage langes auspacken, ausrangieren und wegwerfen. Ich stürzte mich förmlich in meine 2 großen Reisekoffer, 2 Rucksäcke, unzählige Handtaschen, in meinen Kleiderschrank und meine vielen Zimmerschränke, um nicht nur den Inhalt meiner Koffer in mein Zimmer zu stopfen, sondern dieses vorher zu entrümpeln. Ich entsorgte zwei große Müllsäcke Klamotten, zwei große Müllsäcke mit Kram und eineinhalb große Papierkörbe Papier. Eine unglaubliche Erleichterung! Nach 7 Monaten Abwesenheit merkt man genau, was einem alles nicht gefehlt hat und plötzlich fällt es ungeahnt leicht, Dinge wegzuschmeißen.
Am Mittwoch erhielt ich ungeahnt einen Anruf von einem Professor der Universität Luxemburg, wo ich mich für Psychologie beworben hatte, nachdem ich bereits 12 Absagen aus Deutschland erhalten hatte. Der Professor lud mich für den 8. August nach Luxemburg zu einem Vorstellungsgespräch ein!!! Noch nie empfand ich so viel Freude, Panik, Aufregung und Übelkeit zugleich, wie ich es nach diesem Telefonat tat. Sofort checkte ich die Zugpreise im Internet und stellte fest, dass es mich ca. 200€ kosten würde, nach LUX hin und zurück zu fahren. Tagelang dachte ich nach, ob ich diesen Termin wirklich wahrnehmen sollte, denn 200€ wollte ich nur ausgeben, wenn ich auch eine Chance hatte, an der Uni Lux angenommen zu werden. Zusätzlich machte mir zu schaffen, dass ich nichts über die finanzielle Studien-Unterstützung in Luxemburg weiß. Die Gedanken, die ich mir bezüglich dieses Vorstellungsgespräches machte, sollten noch lange kein Ende nehmen...Dazu aber mehr in Teil II meines Eintrages!
Es folgte meine große Willkommenfeier am Samstag, sechs Tage nach meiner Ankunft in Magdeburg. Gewünscht hatte ich mir eigentlich eine Überraschungsfeier, also eine Feier, von der mir weder der Aufenthaltsort, noch Uhrzeit oder Gästeliste vorher verraten werden.
Leider ging dieser Wunsch irgendwie unter oder wurde nicht richtig verstanden, denn innerhalb der letzten 3 Monaten meines Aufenthalten in Luxemburg wurde ich gefragt, ob es okay sei, wenn die Party im Garten stattfände, wer alles kommen solle und welches Datum und welche Uhrzeit mir am liebsten seien. Im Prinzip organisierte ich die Einzelheiten meiner „Überraschungs-“party selbst.
Das Ergebnis war, dass ich erst mal mit Martin und Caro, meine langjährigste Freundin, die mich auch zusammen mit Stefan in LUX besucht hatte, im Garten auf der Hollywood-Schaukel saß und sowohl auf meine Eltern wartete, die sich zuhause noch einmal frisch machten, als auch auf meine restliche Familie, die plötzlich erst später zur Party erscheinen wollte, als geplant. Hinter dieser plötzlichen Verspätung vermutete ich die so sehr von mir gewünschte Überraschung, hatte aber falsch vermutet.
Das heißt nicht ganz: von meiner Tante erhielt ein wunderschönes Buch über das Land Luxemburg, wie ich es sieben Monate lang gebraucht hätte. Meine Großeltern schenkten mit einen Salz- und Pfefferstreuer aus dem Hundertwasserhaus, die in ihrer Form und Farbe so einmalig sind, dass nur ich sie habe. Damit passen sie super zu meiner Hundertwasser-Vase. Über die Geschenke habe ich mich wirklich sehr gefreut, da sie völlig unerwartet kamen.
Als dann meine Eltern in den Garten kamen übergaben sie mir einen Brief von der Universität Erfurt. Hiermit beginnt die komplizierte Geschichte meiner Studiensuche und meines kurzen „Studentendaseins“, die ich in Teil II dieses Eintrages fortsetze. Denn Erfurt schickte mir eine Zusage...
Damit waren die aufregenden Minuten meiner Party vorbei. Für die eingeladenen Gäste, meine Familie, machte diese Feier den Eindruck einer Pflichtveranstaltung, als hätte ich festgelegt, dass jeder zu kommen hat, um mich gefälligst zu begrüßen und alle unterwerfen sich nun meinem Wunsch. Der Grund für die Feier und die Anwesenheit wurde schnell vergessen. Nach der Begrüßungsprozedur - drücken, küssen, grinsen, angucken – wurde die Feier genau so, wie jede andere unserer Familienfeiern auch ist. Die Gäste saßen am großen Tisch, plauderten über jede Menge Zeugs, tranken und aßen reichlich, während ich den Großteil der Feier damit verbrachte, beinahe unbemerkt anwesend zu sein. Nach der anfänglichen Plauderei über meinen Freiwilligendienst war das Thema Luxemburg abgehakt. Niemand stellte mir mehr Fragen, quetschte mich aus oder wollte ein paar Erzählungen hören.
Meine Großeltern hatten immerhin regelmäßig mein detailliertes Internet-Tagebuch mitgelesen und oft mit mir telefoniert. Tante, Onkel, Cousin und Cousine waren ebenfalls recht gut informiert. Also gab es nicht mehr viel zu erzählen. Ich schloss den Abend mit einer Fotopräsentation auf meinem Laptop, um die ich nicht gebeten wurde und die es nicht vermochte die ganze Aufmerksamkeit aller Gäste auf sich zu ziehen.
Es war vielleicht naiv von mir, aber diese Feier hatte ich mir anders vorgestellt, hatte ich doch so lange auf sie gewartet. Fairer Weise muss ich allerdings sagen, dass ich nicht weiß, wie diese Feier anders hätte verlaufen können. Vielleicht habe ich nach 7 Monaten Auslandsaufenthalt und Trennung von meiner Familie auch einfach nur den Bezug zur Realität verloren. Ich hatte gedacht, dass nach so langer Abwesenheit ein ganzer Nachmittag und die gesamte Aufmerksamkeit meiner Familie mir gehören könnte...
Das war jedenfalls meine erste Woche zurück in der Heimat. In Teil II erzähle ich euch, wie es mit meiner Uni-Laufbahn in Erfurt und Luxemburg weiter ging. Seid gespannt! Ich hoffe ihr seid des Lesens noch nicht müde ;)
Ich hab euch lieb und drücke euch,
Sandra
Sandra_in_Luxemburg - 10. Sep, 13:14