Ein letztes Mal Luxemburg … Montag
Schon ziemlich früh klingelte Marias Wecker. Da sie aber bereits um 22:30 Uhr schlafen ging (und ich ja somit auch), war ich um 8 durchaus fähig aufzustehen, trotz Urlaub. Der Weg zum Bedazimmer, in Schlaganzug und offenen Latschen durch dicken Schnee, hatte mir überhaupt nicht gefehlt. Nach einer gewohnt unkomfortablen Dusche im kalten Bad unterm dünnen Wasserrinnsal, und einem Frühstück in gewohnter Lxemburg-Manier, machte ich mich auf zur Bushaltestellen, um einige Besorgungen in der Stadt zu machen und mich von ihr zu verabschieden.
Mein erster Anlaufpunkt war die Bank zur Auflösung meines luxemburgischen Kontos. Das ging sogar ratzfratz, ohne Fragen, ohne Probleme, eine Unterschrift, Karte zurück geben, Geld einkassieren, fertig.
Wie im Shoppingwahn stürzte ich dann die Straße hinunter zum Geschäft „Coolcat“. Das ist zwar ein blöder Name, aber der Laden hatte mich ein halbes Jahr lang zuverlässig mit neuen, großartigen Klamotten versorgt. Seit ich aus Lux zurück bin, war ich immer wieder traurig, dass es diesen Laden oder dessen Klamotten nirgendwo in Deutschland gibt. Um so praller waren meine Taschen gestern zum Shoppen mit Geld gefüllt.
Aber mein Vorhaben mit einer übergroßen, prall gefüllten Coolcat-Einkaufstüte aus dem Laden zu stolzieren, wurde zu einer Enttäuschung. Im Laden begrüßten mich zahllose Outfits mit Glitzerpallietten, enge, schimmernde Legginshosen, Latzhosen, knappe Jeans-Kleidchen und pinke Strickjacken. Wo waren alle meine coolen Klamotten?!?!?!
Die magere Auswahl waren zwei Teile, die in die kleinste der Coolcat-Einkaufstüten passten und dann noch Platz ließen. Eigentlich habe ich mir auch nur ein Teil gekauft, in zwei verschiedenen Farben. Mein Shopping-Wahn war jäh dahin. Ich war in keinem einzigen Geschäft mehr drin.
Anschließend machte ich mich bei Nieselregen und Kälte auf zur Altstadt, um etwas zu besorgen, das meine Freundin Mareike sich gewünscht hatte. Ein letztes Mal deckte ich mich mit luxemburgischen Tourismusartikeln ein, also Postkarten, einer Tasse und anderem Klimbim.
Und dann hatte ich etwas Besonderes vor. Ich ging zu dem Tattoo-Shop, in dem Maria sich letztes Jahr in meinem Beisein zum ersten Mal tätowieren ließ. Und ich ging sogar hinein in den Shop und schaute mir 20 Minuten lang alle Motive an, die man sich anschauen konnte. Am Abend zuvor hatte ich mich Maria nämlich darüber unterhalten, dass ich die Zeit in Luxemburg für prägend und positiv genug halte, dass sie ein Zeichen auf meiner Haut verdient. Der einzige Grund, warum das bisher noch nicht passiert ist, ist der Mangel an einem Motiv. Also ließ ich mich inspirieren von hunderten verschiedenen Motiven und fand – nichts! Will ich eine Blume auf meinem Körper verewigt sehen? Oder einen Stern? Oder mein Sternzeichen? Oder eine Elfe? Oder eine Katzenpfote? Oder ein Wort in arabisch oder chinesisch? Oder einen Drachen? Oder ein Tribal?
Die Antwort lautete immer „nein“. Bei keinem Motiv machte es irgendwie „Klick“, nichts davon möchte ich für immer immer immer an mir betrachten müssen. Ich will ja auch die Chance haben, das Kapitel Luxemburg abzuschließen und nicht für immer durch ein Tattoo daran erinnert werden. Dennoch finde ich den Gedanken nach wie vor schön, mir in Luxemburg von einem Luxemburger ein tätowiertes Denkmal für Luxemburg zu setzen. Am besten von der gleichen Frau, die auch Maria tätowiert hat ;)
Mit 100 Motiven im Kopf schwirrend, machte ich mich zu Fuß auf den Rückweg zum Bahnhof. Auch wenn es regnete, ließ ich es mir nicht nehmen, noch mal von oben das Petrustal zu betrachten (das im Winter ohne grüne Bäume nicht sehr prächtig zu betrachten ist), über die Pont Adolphe zu schlendern, am Sparkassenmuseum vorbei zu ziehen, dem Bahnhof am Ende der Straße entgegen zu schreiten und dabei alle Erinnerungen und Flashbacks zu genießen, die mir so in den Sinn kamen. Auf der Pont Adolphe, wo ich einige Zeit stehen blieb, tat die traurige Musik in meinem MP3-Player ihren Rest und ich habe wieder etwas ins Auge bekommen, was sie feucht werden ließ ;) Innerlich machte ich „winkewinke“ zu Luxemburg…
In Tetange beim rosa Haus angekommen schneite es in dicken Flocken, so wie es schon jeden Tag seit 2 Monaten schneite, wie mir Maria und Sandra berichteten.
An diesem Tag passiert nichts besonderes mehr. Maria und ich fuhren zum Aldi und zu ihrem Fitness Studio, damit sie ihren Vertrag dort kündigen konnte. Da Maria eine Frau zugeparkt hatte, die ausparken wollte, musste ich das Auto ein paar Meter weiter nach vorne fahren. Das ließ mir mächtig die Knie weich werden, denn plötzlich konnte ich mich nicht mehr erinnern, welches Pedal wo war. Das stellte ich allerdings erst fest, als ich fälschlicher Weise das Gaspedal als Kupplung benutzte ;) Aber außer, dass das Auto laut aufheulte und ich einen Schock erlitt, passierte nichts. Es ist albern, weil ich nur anfahren musste, aber mein Herz schlug noch mindestens 3 Minuten bis zum Hals.
Ansonsten klang der Abend ruhig, aber irgendwie merkwürdig aus. Ich weiß nicht, ob es am Wetter liegt, an der schlechten Stimmung zwischen Maria und des anderen Bewohnern oder an ihren stressigen Umzugplänen, aber irgendetwas ist anders zwischen ihr und mir, als es im Sommer war.
Sie ist viel ernster, ruhiger, sie redet kaum ein Wort mit mir und wenn, haben wir meistens Verständigungsprobleme. Lachen und Witze reißen, irre Fotos von uns schießen wie im Sommer gibt’s nichts mehr. Vielleicht ist die Situation einfach zu verschieden zu damals. Vielleicht hat sie auch zu vieles anderes am Kopf. Aber zwischen uns ist eine große Distanz und nicht mehr die Offenheit und die guten Gespräche, die ich so mochte. Sie scheint auch nicht so sehr aus dem Häuschen zu sein, dass wir noch ein letztes Mal zusammen in Luxemburg sein können, wie ich es bin. Und irgendwie gelingt es mir auch nicht, sie auf all das anzusprechen und das Schweigen zu brechen, weil es scheint, als hätte sie ne dicke, große Mauer um sich gezogen.
Ich hoffe, dass es mir im Laufe der Woche noch einmal gelingt, wie in den alten Zeiten mit ihr zu reden…
Fühlt euch gedrückt und gegrüßt!
Mein erster Anlaufpunkt war die Bank zur Auflösung meines luxemburgischen Kontos. Das ging sogar ratzfratz, ohne Fragen, ohne Probleme, eine Unterschrift, Karte zurück geben, Geld einkassieren, fertig.
Wie im Shoppingwahn stürzte ich dann die Straße hinunter zum Geschäft „Coolcat“. Das ist zwar ein blöder Name, aber der Laden hatte mich ein halbes Jahr lang zuverlässig mit neuen, großartigen Klamotten versorgt. Seit ich aus Lux zurück bin, war ich immer wieder traurig, dass es diesen Laden oder dessen Klamotten nirgendwo in Deutschland gibt. Um so praller waren meine Taschen gestern zum Shoppen mit Geld gefüllt.
Aber mein Vorhaben mit einer übergroßen, prall gefüllten Coolcat-Einkaufstüte aus dem Laden zu stolzieren, wurde zu einer Enttäuschung. Im Laden begrüßten mich zahllose Outfits mit Glitzerpallietten, enge, schimmernde Legginshosen, Latzhosen, knappe Jeans-Kleidchen und pinke Strickjacken. Wo waren alle meine coolen Klamotten?!?!?!
Die magere Auswahl waren zwei Teile, die in die kleinste der Coolcat-Einkaufstüten passten und dann noch Platz ließen. Eigentlich habe ich mir auch nur ein Teil gekauft, in zwei verschiedenen Farben. Mein Shopping-Wahn war jäh dahin. Ich war in keinem einzigen Geschäft mehr drin.
Anschließend machte ich mich bei Nieselregen und Kälte auf zur Altstadt, um etwas zu besorgen, das meine Freundin Mareike sich gewünscht hatte. Ein letztes Mal deckte ich mich mit luxemburgischen Tourismusartikeln ein, also Postkarten, einer Tasse und anderem Klimbim.
Und dann hatte ich etwas Besonderes vor. Ich ging zu dem Tattoo-Shop, in dem Maria sich letztes Jahr in meinem Beisein zum ersten Mal tätowieren ließ. Und ich ging sogar hinein in den Shop und schaute mir 20 Minuten lang alle Motive an, die man sich anschauen konnte. Am Abend zuvor hatte ich mich Maria nämlich darüber unterhalten, dass ich die Zeit in Luxemburg für prägend und positiv genug halte, dass sie ein Zeichen auf meiner Haut verdient. Der einzige Grund, warum das bisher noch nicht passiert ist, ist der Mangel an einem Motiv. Also ließ ich mich inspirieren von hunderten verschiedenen Motiven und fand – nichts! Will ich eine Blume auf meinem Körper verewigt sehen? Oder einen Stern? Oder mein Sternzeichen? Oder eine Elfe? Oder eine Katzenpfote? Oder ein Wort in arabisch oder chinesisch? Oder einen Drachen? Oder ein Tribal?
Die Antwort lautete immer „nein“. Bei keinem Motiv machte es irgendwie „Klick“, nichts davon möchte ich für immer immer immer an mir betrachten müssen. Ich will ja auch die Chance haben, das Kapitel Luxemburg abzuschließen und nicht für immer durch ein Tattoo daran erinnert werden. Dennoch finde ich den Gedanken nach wie vor schön, mir in Luxemburg von einem Luxemburger ein tätowiertes Denkmal für Luxemburg zu setzen. Am besten von der gleichen Frau, die auch Maria tätowiert hat ;)
Mit 100 Motiven im Kopf schwirrend, machte ich mich zu Fuß auf den Rückweg zum Bahnhof. Auch wenn es regnete, ließ ich es mir nicht nehmen, noch mal von oben das Petrustal zu betrachten (das im Winter ohne grüne Bäume nicht sehr prächtig zu betrachten ist), über die Pont Adolphe zu schlendern, am Sparkassenmuseum vorbei zu ziehen, dem Bahnhof am Ende der Straße entgegen zu schreiten und dabei alle Erinnerungen und Flashbacks zu genießen, die mir so in den Sinn kamen. Auf der Pont Adolphe, wo ich einige Zeit stehen blieb, tat die traurige Musik in meinem MP3-Player ihren Rest und ich habe wieder etwas ins Auge bekommen, was sie feucht werden ließ ;) Innerlich machte ich „winkewinke“ zu Luxemburg…
In Tetange beim rosa Haus angekommen schneite es in dicken Flocken, so wie es schon jeden Tag seit 2 Monaten schneite, wie mir Maria und Sandra berichteten.
An diesem Tag passiert nichts besonderes mehr. Maria und ich fuhren zum Aldi und zu ihrem Fitness Studio, damit sie ihren Vertrag dort kündigen konnte. Da Maria eine Frau zugeparkt hatte, die ausparken wollte, musste ich das Auto ein paar Meter weiter nach vorne fahren. Das ließ mir mächtig die Knie weich werden, denn plötzlich konnte ich mich nicht mehr erinnern, welches Pedal wo war. Das stellte ich allerdings erst fest, als ich fälschlicher Weise das Gaspedal als Kupplung benutzte ;) Aber außer, dass das Auto laut aufheulte und ich einen Schock erlitt, passierte nichts. Es ist albern, weil ich nur anfahren musste, aber mein Herz schlug noch mindestens 3 Minuten bis zum Hals.
Ansonsten klang der Abend ruhig, aber irgendwie merkwürdig aus. Ich weiß nicht, ob es am Wetter liegt, an der schlechten Stimmung zwischen Maria und des anderen Bewohnern oder an ihren stressigen Umzugplänen, aber irgendetwas ist anders zwischen ihr und mir, als es im Sommer war.
Sie ist viel ernster, ruhiger, sie redet kaum ein Wort mit mir und wenn, haben wir meistens Verständigungsprobleme. Lachen und Witze reißen, irre Fotos von uns schießen wie im Sommer gibt’s nichts mehr. Vielleicht ist die Situation einfach zu verschieden zu damals. Vielleicht hat sie auch zu vieles anderes am Kopf. Aber zwischen uns ist eine große Distanz und nicht mehr die Offenheit und die guten Gespräche, die ich so mochte. Sie scheint auch nicht so sehr aus dem Häuschen zu sein, dass wir noch ein letztes Mal zusammen in Luxemburg sein können, wie ich es bin. Und irgendwie gelingt es mir auch nicht, sie auf all das anzusprechen und das Schweigen zu brechen, weil es scheint, als hätte sie ne dicke, große Mauer um sich gezogen.
Ich hoffe, dass es mir im Laufe der Woche noch einmal gelingt, wie in den alten Zeiten mit ihr zu reden…
Fühlt euch gedrückt und gegrüßt!
Sandra_in_Luxemburg - 10. Feb, 22:19