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Sonntag, 14. September 2008

Zurück nach Magdeburg – Zurück ins Leben? Teil II

Meine diesjährige Studentenlaufbahn ist kurz – sie ist genau eine Woche lang. Dafür gab es in dieser Woche einen einmaligen, komplizierten, langwierigen Hick Hack, dessen Schilderung alles andere als einfach ist.

Die Geschichte beginnt am vorletzten Samstag auf meiner Willkommensfeier, als meine Eltern mir einen Brief von der Universität Erfurt übergaben. Dort hatte ich mich für zwei Fächer, ein Haupt- und ein Nebenfach beworben und hatte bereits beide Absagen erhalten.
In diesem dritten Brief am Samstag stand nun, dass ich im Nachrückverfahren für das Nebenfach Erziehungswissenschaften in Erfurt zugelassen wurde. Es war meine erste Zulassung, deren Annahme ich in Betracht ziehen konnte und diese Zulassung schien ein Zeichen zu sein. Denn neben mir auf der Hollywood-Schaukel saß Caro, die Freundin, die ich seit 18 Jahren kenne, mit der ich zusammen im Kindergarten und in der Schule war und die dieses Jahr ebenfalls eine Zusage aus Erfurt erhalten hatte und nun dort studieren gehen wird.

Prompt wurden Pläne entwickelt und Caro kam auf die Idee, dass wir in Erfurt zu zweit eine WG gründen könnten. Die Studienpläne schienen innerhalb kürzester Zeit Gestalt anzunehmen. Ich hätte mit Caro eine nette Mitbewohnerin, bei der ich weiß, was mich erwartet und ich müsste mich nicht allein un die erschlagende Studienorganisation kümmern.

Ich musste mir nicht einmal allein eine Wohnung suchen, denn Caro hatte für den folgenden Mittwoch bereits geplant, zur Wohnungsbesichtigung nach Erfurt zu fahren, wo ich natürlich mitkommen könnte. Während ich dann den Sonntag damit verbrachte, mir den Kopf über Erfurt und Luxemburg zu zerbrechen, suchte Caro nach weiteren Wohnungsangeboten für uns zwei.

Dann begann die schwierige Entscheidungsphase. Am 8. September, einem Montag, hätte ich das Vorstellungsgespräch in Luxemburg gehabt. Am 9. September hätten aber schon alle Unterlagen und die Semestergebühren bei der Universität Erfurt eingehen müssen, wenn ich die Zusage rechtzeitig hätte annehmen wollen.
Ich musste mich also entscheiden – und entschied mich gegen Luxemburg. Natürlich wäre ich liebend gerne wieder zurück in meine WG nach LUX gezogen und hätte dort gelebt und das studiert, was wirklich studieren will. Psychologie! Aber das Psychologie-Studium an der Uni Lux ist dreisprachig – deutsch, englisch und französisch. Auf der ohnehin schon französischen Website des Studienganges wird ausdrücklich geschrieben, dass man alle drei Sprachen beherrschen muss. Mir ist allerdings klar, dass ich meine mangelnden Französischkenntnisse nicht stark genug aufbessern kann für ein Psychologiestudium mit Fachsprache, selbst wenn ich mich mit aller Macht in das Lernen hinein knie.
Ein dreisprachiges Psychologie-Studium ist vermutlich schon schwer genug, auch ohne mangelnde Sprachkenntnisse. Da kann ich mir nichts vormachen. Noch dazu habe ich keine Ahnung, ob und wie ich finanziell in Luxemburg als Student unterstützt werden würde. Wie es aussieht, genießen dort nur Staatsbürger eine finanzielle Unterstützung. All das, plus der zusätzliche Grund, dass ich 200€ Zugkosten ausgeben müsste, um zum Vorstellungsgespräch zu fahren und herauszufinden, ob die Uni LUX mich annehmen würde, haben mich zu der Entscheidung gegen Luxemburg und VORERST für Erfurt gebracht.

Am Montag rief Caro an und ich teilte ihr meine Entscheidung, aber auch meine Bedenken mit. Immerhin wurde ich in Erfurt nur für ein Nebenfach zugelassen, nicht für ein Hauptfach. Von den noch übrigen zulassungsfreien Hauptfächern an der Uni Erfurt kam für mich nur Literaturwissenschaft infrage und ich geriet ins Grübeln, ob ich tatsächlich extra für ein Jahr nach Erfurt umziehen will, um etwas zu studieren, das ich lediglich „ganz nett“ finde und mit dem ich kaum berufliche Chancen habe. Mir war klar, dass ich nach einem Jahr versuchen würde, die Studienfächer und vielleicht die Uni zu wechseln, um dann endlich Psychologie zu studieren.

Es stellte sich mir folgende Frage: Will ich tatsächlich Bafög und einen Studentenkredit beantragen und dadurch mit bereits 20 Jahren Schulden machen, für zwei Studienfächer, die ich nicht zu Ende studieren werde, sondern nach einem Jahr wieder wechseln will?!?!?!?! Lohnt es sich, etwas zu studieren, nur um studieren zu gehen, wenn man dabei Schulden macht?

Ich ließ Caro über meine Unsicherheit nicht im Unklaren, sondern ließ sie wissen, dass meine Entscheidung gegen Luxemburg keine Garantie sei, dass ich mit ihr in Erfurt zusammen studieren und wohnen würde. Wie so oft hätte ich auch hier gern auf mein Bauchgefühl gehört, aber Erfurt sagte mir nichts und rief auch keinerlei Gefühl in mir hervor. Weder ein positives noch ein negatives...Erfurt ist für mich Bedeutungslos.
Trotzdem vereinbarten wir für Mittwoch eine Zeit, zu der sie und ihre Mutter mich abholten, um nach Erfurt zur ersten Wohnungsbesichtigung zu fahren. Mittwoch Morgen um 10 Uhr saß ich also mit Caro und ihrer Mum im Auto und fuhr mit einem nicht funktionierenden Navigationssystem nach Erfurt.

Dort war das erste, was ich von der Stadt sah, die Plattenbausiedlung von Erfurt, in der wir auch die ersten beiden Wohnungsbesichtigungen hatten. Es handelte sich um zwei völlig gleich geschnittene Wohnungen in einem miefenden, großen, Unbehagen erregenden Plattenbau im siebten Stock. Insgesamt war die Wohnung groß genug für 2 Personen, aber eines der beiden Schlafzimmer war so winzig, dass viel mehr als ein Bett und ein Stuhl nicht rein gepasst hätten. Noch dazu gab es keine Küchenmöbel, keine Lampen und die eine Wohnung war noch nicht mal verputzt. Diese Wohnungen schlugen Caro und ich uns gleich aus dem Kopf, war die Wohngegend ja nicht gerade Vertrauenserweckend.

Auf dem Weg zur nächsten Besichtigung, bereits der letzten, fuhren wir an der Uni vorbei. Es war eine sehr hübsche und sehr kleine Uni, aber auch hier empfand ich nichts, außer dem Gefühl, dass Erfurt nicht die richtige Stadt für mich ist. Jetzt zu studieren in Erfurt schien mir nicht mein Weg zu sein.

Bei der zweiten Wohnung handelte es sich um eine WG mit zwei Mädchen, die noch einen weiteren Mitbewohner suchten. Caro hatte diese Wohnung im Internet gefunden, bevor sie wusste, dass ich mit nach Erfurt kommen würde.
Dieses Mal handelte es sich um eine wunderschöne, friedliche und äußerst hübsche Wohngegend. Ebenfalls die Wohnung und das Mädchen, das sie uns vorstellte, ließen nichts zu wünschen übrig. Caro wäre sofort eingezogen und ich hätte es ihr mehr als gegönnt. Aber es gab ca. 20 Leute, die sich für die WG in erstklassiger Lage interessiert hatten und Caro war leider nicht diejenige, die ausgewählt wurde, um dort einzuziehen.

Wir riefen zwar noch bei mehreren Wohnungen an, aber niemand hatte Zeit für eine spontane, sofortige Wohnungsbesichtigung. Vor der Rückfahrt nach Magdeburg sahen wir uns dann nur noch den Erfurter Dom an, was uns von dem Mädchen aus der WG ausdrücklich empfohlen wurde. Es lohnte sich tatsächlich. Der Dom war atemberaubend schön, ebenso wie die kleine Altstadt, die mich an die Märchenstadt aus „Die Schöne und das Biest“ erinnerte. Sehr sympathisch, sehr klein und sehr friedlich und gemütlich. Heimisch – aber nicht mein Heim.

Nachdem ich die Stadt gesehen und mich ausgiebig mit Caro und ihrer Mum über meine Situation unterhalten hatte, tendierte ich dazu, mich gegen Erfurt zu entscheiden, um ein Jahr lang arbeiten zu gehen und Geld zu verdienen.
Bei dieser Entscheidung blieb es auch. Ich fühlte mich zwar weder wohl mit dem Plan in Erfurt zu studieren, noch mit dem Plan, ein Jahr lang arbeiten zu gehen, aber Letzteres machte mehr Sinn. Von jetzt an heißt es also arbeiten gehen, was es zu arbeiten gibt. Immerhin lebe ich in Magdeburg, einer der deutschen Städte mit der höchsten Arbeitslosenrate.

Mittlerweile hat sich Maria, meine Mitbewohnerin und beste Freundin aus Luxemburg, bei mir gemeldet. Sie war 7 Wochen lang in Spanien bei ihrer Familie gewesen, weshalb wir kaum Kontakt gehabt hatten. Vor 4 Tagen nun rief sie mich aus Luxemburg an, um mir zu sagen, dass ich ihr fehle und zu fragen, wann ich zurück komme, da ich ja auch in Luxemburg arbeiten könne, wo ich deutlich mehr Geld als in Magdeburg verdienen kann...

Eine Antwort bin ich Maria schuldig geblieben. Was ab jetzt passieren wird, ist ziemlich unklar, da mir viele kleine Tore offen stehen und ich mich nicht übereilt für Eines entscheiden möchte. Bis Ende September können von den Universitäten immer noch Zusagen zum Studium kommen. Davor passiert erst mal gar nichts. Dahinter liegt das Unbekannte...

Vermutlich werde ich euch weiterhin über die wichtigsten Ereignisse hier auf dem Laufenden halten. Danke für euer Interesse und die Aufmerksamkeit!


Ich drücke euch!
Sandra

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