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Montag, 9. Februar 2009

Ein letztes Mal Luxemburg … Ankunft und Wiedersehen

Die lange Geschichte von der Planung meines Vorhabens Luxemburg noch einmal zu besuchen, bis hin zur komplizierten Zugreise, erspare ich euch aus humanitären Gründen, da ich niemanden von euch mit unnötigem Gefasel langweilen mag. Nur so viel: Der Weg hierher war umständlich und teuer und es grenzt an ein Wunder, dass ich überhaupt hier bin und dann auch noch planmäßig.

Tatsache ist aber, dass es hieß „Jetzt oder Nie“. Maria, meine ehemalige Mitbewohnerin, verlässt das Land am 28. Februar, um nach Spanien in ihre Heimat zurück zu kehren. Ohne sie, gäbe es niemanden mehr, der mich im Haus für mehrere Tage willkommen heißen würde und ohne sie gäbe es auch fast keinen Grund hier zu sein.
Da es für mich jedoch undenkbar war, mein geliebtes Haus im luxemburgischen Wald nie wieder zu sehen, MUSSTE ich einfach alles daran setzen, noch einmal her zu kommen. Und wie ihr seht, hab ich es geschafft.

In Luxemburg angekommen musste ich noch eineinhalb Stunden auf den Bus warten, der mich zum rosa Haus bringen würde. Im Bus angekommen fühlte sich das Entlangfahren der mir so bekannten Strecke zum einen an, wie ein sehnlich erwünschtes „Nach-Hause-Kommen“ und andererseits wie eine Reise in die Vergangenheit, zurück zum Sommer, zurück zum EFD. Der Klos in meinem Hals wurde immer größer und erreichte seinen ersten Höhepunkt, als der Bus an der Dorfkirche vorbei fuhr, die ich so ausführlich mit meinen Magdeburger Besuchern Caro und Stefan inspiziert hatte.
Der zweite Höhepunkt ließ nicht lange auf sich warten: Als ich aus dem Bus stieg und in der Ferne das Haus und Licht in meinem alten Zimmer sah, hatte ich plötzlich feuchte Augen. Aber ich hab sicher nur was ins Auge bekommen ;)

Bergauf mit der schweren Reisetasche merkte ich dann, wie wenig Kraft und Substanz man haben kann, wenn man gerade 9 Stunden mit Zug und Bus gefahren ist. Etwas weiter vorm Haus, auf der matschigen Auto-Park-Stelle, begrüßte mich Neckel, einer der nach mir eingezogenen Mitbewohner, der meinen Platz im Infoladen und der „Queesch“ eingenommen hatte. Er war gerade dabei im Dunkeln mit einer Taschenlampe seinen Van zu reparieren, bei dem während des Fahrens wohl öfter die Schiebetür an der Seite aufgeht. Und ich hatte schon für eine Sekunde gedacht, dass ich von Maria mit einer Wunderkerze empfangen werde, statt von einem großen, stark behaarten Typen mit Taschenlampe :D

Neckel drückte mir nicht nur erfreulicher Weise die neue Queesch in die Hand, in der auch endlich meine Artikel veröffentlicht sind, sondern er lud mich auch in den Infoladen ein, zu dem er gleich fahren wollte und wo im Zuge der „VoKü“ alle mir bekannten, luxemburgischen Gesichter versammelt sein würden. „Vokü“ heißt Volksküche und ist ein Abend, an dem vegan gekocht und geschlemmt wird.
Das Angebot klang mehr als verlockend! Nicht wegen des veganen Essens (das tatsächlich hin und wieder ausgezeichnet geschmeckt hatte), sondern weil die Besichtigung des Infoladens und das Wiedersehen alter Bekannter ohnehin auf meinem Wochenplan stand. Aber mein Kopf sagte ja, mein Bauch und meine Beine sagten entschieden Nein.

Neckel berichtete mir noch, dass Kay und Sandra müde und krank seien. Vorm Haus angekommen, sah ich in Küche und Wohnzimmer kein Licht mehr, ein eindeutiges Zeichen, dass Kay und Sandra schlafen. Und das um 18:45 Uhr. Ich betrachtete es als Rebellion gegen meine Ankunft und als Zeichen, dass ich für die beiden nur wenig willkommen bin.
In der Küche bestätigte sich der Eindruck von außen – keiner mehr „wach“, reden hörte ich Sandra und Kay trotzdem.

Kaum machte ich das Licht an, erblickte ich jenen tierischen Hausbewohner, auf den ich mich am meisten gefreut hatte: die kleine, weiße Mietzi, die aus dem Fenster späte! Ohne Schuhe, Jacke oder Schal auszuziehen, stürmte ich auf sie zu und gab ihr die Gelegenheit, an meiner Hand zu schnuppern, um dann wie früher schnurstracks ins Wohnzimmer zu gehen, ohne sie weiter zu beachten.
Und wie früher hörte ich nicht mal eine Minute später ein lautes Plumpsen, ein leichtes tippeln und schon war Mietzi im Wohnzimmer, sprang auf das Sofa und dann ganz zaghaft auf meine Beine. Immer wieder stupste sie meine Finger an oder legte ihren Kopf unter meine Hand, damit ich sie kraule. Als Begrüßungsritual kam sie wie gewöhnlich meinen Bauch hochgekrabbelt und legte ihre Nase sehr lang auf meine. Es hatte sich absolut gar nichts geändert, sie wusste noch genau, wer ich war! und rollte sich für gut 20 Minuten auf meinem Schoß zusammen.
Und dann war da auch wieder dieser Klos in meinem Hals. Nach so einer tollen Begrüßung, was blieb mir da anderes übrig, als ne Träne zu vergießen?! Wahrscheinlich habe ich nur eine Katzenallergie…das wird es sein…! Ich bin ich sentimental, nein nein!
Sobald Neckel die Küche betrat, sprang Mietzi übrigens wie vom Blitz getroffen vom Sofa. Auch das war schon früher so gewesen. Es darf ja niemand sehen, dass sie in Wahrheit ein verschmuster Softi ist nicht nur ein im Dreck wühlender Mausejäger.

Der Abend nahm dann noch eine überraschende Wendung. Kaum war Neckel in der Küche, kamen auch Kay und Sandra aus ihrem Loch gekrochen und begrüßten mich beide mit einer dicken, fetten, herzlichen Umarmung, um mich anschließend über mein Leben seit Luxemburg auszuquetschen. Zu guter Letzt aßen wir gemeinsam am Küchentisch. Das war eine echt positive Überraschung, die mich wahnsinnig gefreut hat!

Zwei Stunden nach meiner Ankunft kam dann auch endlich Maria, die eine Woche lang bei Freunden in Brüssel gewesen war. Ich kam gerade von Toilette, als sie mit dem Auto vor fuhr. Kaum erspähten wir uns, rannten wir uns mit offenen Armen, hüpfend und schreiend entgegen ;)
In ihrem Bett, dass ich mir glücklicher Weise nur mit ihr teilen musste und nicht wie von ihr angekündigt auch noch mit Txalo, redeten wir noch lange, bevor wir einschliefen.

Achja apropos Txalo, wie geht es dem eigentlich? Aufgrund seines Winterfells wirkt er sehr dick und massig. Erkannt hat er mich meiner Meinung nach nicht, zumindest hat er mir keine Aufmerksamkeit geschenkt und mich nicht besonders begrüßt. Er ist eher stinkig, weil ich ihm sein Platz in Marias Bett weg nehme. Was aber sofort auffällt, ist, dass er älter geworden ist, vor allem im Kopf. Er ist reifer, ruhiger, gesetzter, ernster, gar nicht mehr bissig und er begeistert sich nicht mehr für sämtlichen Quatsch. Vielleicht liegt das aber auch am Wetter und am Schnee, der hier den ganzen Tag fast nonstop fällt…

Eine schöne Ankunft in Luxemburg!


Liebste Grüße an euch,
Sandra

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