Montag, 7. Juli 2008

Meine Woche…Fußball-EM, Besuch von Zuhause, Regenguss

Am Sonntag, nach dem Samstag in Lüttich (Belgien) und dem Frühstück mit Pia und Vangelis bei Liam in Eupen, machte ich mich mit Zug wieder auf zurück nach Hause. Martin sollte am Sonntag zu Besuch kommen, weshalb ich so früh in Eupen los gefahren bin und darauf verzichtet hatte mit Pia und Liam auf das Eupener Musikfestival „Musikmarathon“ zu gehen. Das einzig interessante, das ich dort verpasst habe, war „Mando Diao“ und „Wir sind Helden“. Schade, aber man kann ja nicht alles haben…

Zuhause angekommen war Martin bereits da und saß mit Maria in der Sonne. Für Abends hatten wir geplant, auf dem Place Guillaume das EM-Finale anzuschauen und uns mit den anderen Freiwilligen zu treffen, die Martin dann endlich einmal kennenlernen würde. Das war mir wichtig, damit wenigstens einer zuhause in Magdeburg meine Freunde von hier kennt. Ich hielt ein Fußball-Spiel für die ideale Situation Martin meinen Freunden vorzustellen, denn wenn sie sich untereinander nicht leiden könnten, müssten sie nicht reden.

Voller Enthusiasmus und Vorfreude auf das Spiel und das Kennenlernen fuhren wir mit Maria, Sandra und Kay in die Stadt. Aufgrund der langen Parkplatz-Suche, (die Stadt war ungewöhnlich voll), kamen wir 15 Minuten zu spät zum Spiel und trafen auf einen ungewöhnlich überfüllten Place Guillaume.
Das hatte ich nicht erwartet. Am Mittwoch zuvor, beim Deutschland-Türkei Halbfinale, war der Platz zwar auch voll, aber die Menschen waren nicht gedrängt. Man hatte Platz zum atmen, sogar zum feiern, springen und jubeln und, um sich bis nach ganz vorn bis direkt vor den großen Flatscreen zu quetschen.
Am Sonntag sah alles anders aus. Es ist schwer zu schätzen, wie viele Menschen da waren (vielleicht 1000?), aber sie standen so dicht gedrängt bis an die äußersten Ecken des Platzes, dass ein Durchkommen unmöglich war! Es war wie beim Nationalfeiertag. Das nächste Problem war, dass wir mit unseren Bierdosen nicht durch die Security-Kontrolle kamen und deshalb unser Bier schnell trinken mussten, um auf den Platz zu kommen. Es war furchtbar…ich hasse Bier schnell trinken.

Auf dem Platz angekommen standen wir so weit hinten, dass ich die gesamten 90 Minuten lang auf dem Bildschirm nur oben links den Spielstand und die Spielzeit erkennen konnte. An ein Treffen mit den Freiwilligen war gar nicht mehr zu denken. Mehr als die Hälfte der Freiwilligen, von denen ich wusste, dass sie kommen, haben kein Handy, von der anderen Hälfte hatte ich die Nummer nicht. Der einzige Freiwillige, den ich erreichen konnte, hatte sich entschieden zuhause zu bleiben. So war es unmöglich, die anderen zu finden. Und beim Halbfinale war es so einfach gewesen…

Als wäre das alles nicht schon frustrierend genug gewesen, immerhin ging wirklich alles schief, was ich geplant hatte, verlor Deutschland auch noch das Spiel. Ich hab mich für Maria mit gefreut und bin um der guten Stimmung und des Feierns Willen auf die spanische Seite gewechselt….so war der Verlust viel leichter zu ertragen.
In der ganzen Hauptstadt hupten die Autos der spanischen Anhänger wie wild vor sich hin, Maria natürlich mit von der Partie. In Tétange, meinem kleinen, verschlafenen Heimatstädtchen, beschloss sie, die Leute aus ihren Betten zu hupen. Nicht ein Auto hupte zurück, bis wir die Kirche erreichten, wo ein paar Halbnackte Spanier mit Flaggen und guter Laune die Straße blockierten, um jeden Autofahrer aufzuklären, dass Spanien gewonnen hatte. Maria freute sich darüber sehr…durch die mit Spaniern gefüllten Straßen kam das Gefühl von „Zuhause“ bei ihr auf und sie war zufrieden und (schaden-)froh :o)
Ansonsten verlief die Woche bis auf Mittwoch gemütlich und ohne spektakuläre Zwischenfälle. An besagtem Tag beschlossen Martin und ich jedoch, Maria und Txalo zum Hundetraining zu begleiten. Aber kaum kamen wir dort an, fing es wie aus Eimern an zu Regnen und unserem Vorhaben wurde ein Strich durch die Rechnung gemacht. Bei Regen gibt’s kein Hundetraining, außerdem war der Trainer nicht da.
Da der Regen wieder aufhörte und wir noch keine Lust hatten nach Hause zu fahren, machten wir einen Zwischenstopp im Wald, von dem es hier ja jede Menge gibt. Wir spazierten, spielten mit Txalo – und plötzlich begann der Regen des Jahres! Innerhalb einer Minute waren die Wege trotz schützender Bäume durchnässt, genauso wie unsere Kleidung. Da wir weit vom Auto entfernt waren, machte es keinen Sinn, sich zu beeilen und so spazierten wir gemütlich weiter und genossen den Sommerregen, am meisten Txalo, der übermütig in die Pfützen sprang.
Als wir den Punkt erreicht hatten, an dem man nicht mehr nasser werden kann, machte ich die sehr angenehme, in pitschnasser Kleidung in einem Auto mit Ledersitzen nach Hause zu fahren.

Im Nachhinein denke ich: Ich hätte wissen müssen, dass es an diesem Tag Regnen würde, denn nach 5 Tagen Sonne und Dauerhitze (30°), hatte ich mich am Mittwoch dazu entschlossen, doch mal Wäsche zu waschen und sie nach draußen zu hängen. Als wir zum Hundetraining fuhren war die Wäsche so gut wie trocken…und da hätte ich es wissen müssen. Eindeutiger geht es doch nun wirklich nicht mehr!

Am Donnerstag fuhr Martin nach Hause. Den Freitag nutze ich aufgrund der vielen liegen gebliebenen Arbeit zum arbeiten. Abends kamen dann zwei spanische Freunde von Maria, die in Belgien leben. Ich hatte mich auf ein lustiges Wochenende mit den Spaniern gefreut, aber daraus wurde leider nichts. Hatte ich mich am Freitag Abend mit den Spaniern noch auf englisch unterhalten, kam am Samstag eine weitere spanische Freundin und ich musste feststellen: Spanier haben leider die Angewohnheit spanisch zu reden und ich verstehe kein Wort. Da sie alte Freunde sind und sich viel zu erzählen hatten, beschloss ich mich zurück zu ziehen und Maria mit ihren Freunden allein zu lassen.

So wurde mein Samstag zu dem langweiligsten aller Zeiten. Abends wurde ich zwar eingeladen, die Spanier zu ihrer Nacht-Tour durch Luxemburg zu begleiten, aber bei spanischem Alkoholkonsum kann ich nicht ansatzweise mithalten und ich hatte auch keine Lust, den ganzen Abend nichts zu verstehen. Die Spanier kamen Sonntag morgen um halb 7 aus der Stadt zurück und ich war froh, sie nicht begleitet zu haben.

Am Sonntag war ich dann spontan mit meinen zwei Mitbewohnern Kay und Ender, sowie dessen Freunden wieder auf dem Place Guillaume, wo diesmal eine Art Rock Open Air Festival statt fand. Es gab zwei Bühnen, eine große und eine kleine, auf denen jeweils eine Rockband für jeweils eine halbe Stunde spielte. Da die kleine Bühne gemütlicher war, blieb ich dort und hörte mir zwei Bands an. Im Anschluss war ich taub, weil ich genau vor der Bühne gestanden hatte…
Zwischendurch ging ich was essen und bin nun wieder um eine Erfahrung reicher. Mein Fazit: Nachdem man Fast Food gegessen hat, stellt man sich anschließend nicht sofort wieder zurück vor die Bühne und läst sich eine Stunde lang von Bassgitarre und Schlagzeug beschallen. Mein Bauch wurde davon so durch-vibriert, dass mir eine Weile lang schlecht war.

Mit Essen und Rumgucken waren wir nur zwei Stunden da und das fand ich sehr angenehm. Die zwei Bands, die ich mir intensiv angeguckt habe, waren ziemlich in Ordnung gewesen. Von der einen („Glitter and Trauma“)werde ich mir auf jeden Fall ein Album besorgen.
Alles in Allem hätte man später gehen müssen, wenn das Publikum nicht mehr aus 16jährigen möchtegern-rockigen Mädchen besteht, die mit ihren fetzigen Haarreifen, ihren roten Lippen, ihren Ballerina-Schuhen und ihren billigen H&M Lederjacken alle gleich aussahen und ohne Kopf oder Füße auch nur einen einzigen Millimeter zu bewegen steif vor der Bühne standen, weil ihre Brüste aus dem viel zu tief ausgeschnittenen Oberteil hätten fallen oder die Haarspray-Frisur hätte verrutschen können.


Zuhause klang der Abend mit glühenden, tauben Ohren, aber ansonsten langweilig aus. Fotos zu dieser Woche gibt’s wie immer bei studivz.


Hab euch lieb,
Sandra

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