Dienstag, 24. Juni 2008

Mein Nationalfeiertag.....Meine Party.....Meine Freunde

Hinter mir liegen die zwei mitunter schönsten Tage meines Freiwilligendaseins und zwei Resultate, die aus diesen Tagen hervor gehen: LUXEMBURG LEBT und PARTY MACHT SPASS!

Aber alles der Reihe nach:
Am Samstag begann in Luxemburg mit der „Fete de la musique“ (Musikfete) das Leben auszubrechen. Überall in der Stadt gab es zahllose Konzerte, Musik aller Art bis zum Abwinken. Gleichzeitig hat Maria Besuch von zwei spanischen Freunden bekommen, mit denen sie leider bis Nachts in der Stadt blieb und sich ein paar Konzerte beäugte. Aufgrund einer schlechten Planung und Organisation, bin ich an diesem Tag zuhause geblieben, hatte aber nicht das Gefühl, was besonderes verpasst zu haben. Was ich auch verpasst habe, die zwei folgenden Tage hätten ehe alles getoppt.

Nachdem ich mit den drei spanischen Chicas (Mädchen) Samstag Nachts bei Kerzenschein und sommerlichen Temperaturen noch lange vorm Haus gesessen und geredet habe, haben wir auch den sonnigen Sonntag mieinander verbracht.
Dieser 22. Juni, glücklicher Weise dieses Jahr ein Sonntag, ist ein ganz besonderer Tag. Da am 23. Juni der Geburtstag des Großherzogs in Form eines Nationalfeiertages gefeiert wird, bricht am Vortag die große Party aus und ca. 200.000 Menschen füllen die Straßen des Luxemburger Grunds (das Tal in Luxemburg). Warum auch immer so etwas Großartiges, wie das gemeinsame Feiern eines ganzen Landes, hier möglich ist und in Deutschland nicht.

Der Samstag begann jedenfalls gemütlich mit drei Spanierinnen und jeder Menge Nudelauflauf und Nudelsalat in der Sonne. Um 17 Uhr hab ich mich dann ohne die Mädels, die erst später starteten, mit Bus aufgemacht in die Stadt und am Bahnhof Paul und Liam abgefangen. Wir gingen zum Treffpunkt mit drei anderen Freiwilligen und fuhren dort gemeinsam zu sechst (!) im Auto zur Maison. (Der Parkplatzwächterin auf dem Parkplatz blieb bei dem Anblick von sechs Leuten in einem Auot der Mund offen stehen.)

Falls ich das noch nicht erwähnt haben sollte: Seit es Freiwilligendienste in Luxemburg gibt, gibt es auch die Maison (zu deutsch: Haus), ein großes Haus, das ausschließlich zum Wohnen für bis zu 8 Freiwillige gedacht ist. Momentan leben 6 Freiwillige dort und auch Maria hat als Freiwillige vor 6 Jahren dort gewohnt. Die Maison ist damit ein Haupttreffpunkt und Hauptschlafplatz für alle Freiwilligen, die in der Hauptstadt sind und Nachts nicht mehr nach Hause wollen. Da Delphine, die dort auch wohnt, nicht daheim war, hatten Paul, Liam und ich für diese Nacht ein eigenes Zimmer, mit eigenem Bett in einem eigenen der drei Stockwerke :o)

Nach einem ersten kleinen Drink machten wir 11 Freiwillige uns auf in die Stadt, zum Public Viewing des Spiels Italien gegen Spanien. Da ich keinen Favoriten hatte, hab ich mich aus Solidarität zu unserem Italiener Liam mal entschieden, pro Italien zu sein…zum Glück war Maria nicht da, sonst hätte ich ein Problem gehabt :o)
Der Weg zum Pub war beschwerlich, zum einen, weil es wie aus Eimern regnete, zum anderen, weil die Stadt im Grund bereits voller Menschen und Konzerte war und das Vorankommen sich schwierig gestaltete. Angekommen im Pub war dieser zweifellos überfüllt, wahnsinnig überteuert und bei 30° Außentemperatur auch übermäßig überhitzt. Unter diesem Umstand (man sah nix vom Spiel, hörte nix vom Spiel und schwitzte im Sitzen), war es nicht gerade eine Freude das 0:0 Spiel anzuschauen, dafür aber eine willkommene Abwechslung mal nach draußen zu huschen und sich die Konzerte oder die Parade für den Großherzog anzusehen. Leider habe ich denselbigen nur auf einer Leinwand gesehen.
Die Menschenmengen im Grund wurden immer größer, die Musik immer lauter und die Menschen immer betrunkener.
Das Elfmeter-Schiessen war eine Erleichterung und das Geschrei und Gejubel im Pub groß. Endlich konnten wir alle zusammen weiter ziehen und nach einem erneuten, verzweifelten Versuch, den Großherzog zu sehen, zu einem netten Platz schreiten, an dem wir das groß angekündigte Feuerwerk bewundern konnten. Der Plan ging nicht ganz auf, da wir nicht viel sehen konnten und unterwegs ein paar Freiwillige verloren haben. Es lohnte sich allerdings zu einem anderen Platz zu flitzen und die letzten Minuten des Feuerwerks in voller Pracht zu sehen.
Nachdem wir eine Stunde zusammen standen, Revue passieren ließen und planten, wie wir den Abend jetzt „ausklingen“ lassen wollen, entschieden wir uns in die überfüllte Patzyzone, in die tanze Masse und die Laute Musik zu gehen. Wie durch ein Wunder trafen wir auch noch andere Freiwillige und stürzten uns in die Menge, wo wir bis 3 Uhr morgens tanzten, natürlich nur, um den Geburtstag des Großherzogs zu feiern.

Ich war wirklich erstaunt, wie gut es funktioniert, dass die Hälfte der Landesbewohner aus ihren Häusern kriecht und die sonst so leere Stadt mit einer großen, gemeinsamen Party belebt…als hätten sie 364 Tage lang auf Nichts anderes, als auf diese eine Nacht gewartet. Ebenfalls beeindruckend war die Zeit, die man brauchte, um sich allein durch eine einzige Straße zu kämpfen, wenn zwischen den Menschen auf dieser Straße meist nur wenige Millimeter Platz blieben. Dieser Umstand und fehlende öffentliche Verkehrsmittel morgens um 3 Uhr verursachten, dass wir eine Stunde nach Hause in die Maison benötigten und dann immer noch nicht ins Bett konnten, da erst mal 8 Personen durch ein Badezimmer huschen mussten. Das braucht Zeit…Um 5 waren wir alle im Bett.

Es war ein Abend mit allem Drum und Dran. Von überwältigenden Menschenmassen, einem Fußballspiel mit spannendem Elfmeter, einem Feuerwerk, vielen und guten Gesprächen, bis hin zur Musik und Tanzerei ließ dieser Abend nichts zu wünschen übrig.

Umso gemächlicher begann der nächste Tag. Um 10 Uhr begann in der Stadt eigentlich die große Militärparade und das Auflaufen und Winken der herzoglichen Familie. Manche von uns wollten sich für diesen feierliche Anlass um 9 Uhr aus dem Bett kämpfen, geschafft hat das allerdings niemand.
Um 13 Uhr kamen die letzten Freiwilligen aus den Federn gekrochen und wir versammelten uns in der Küche zum gemeinsamen Riebel-Essen. Riebel ist in bestimmten Regionen Österreichs eine traditionelle Speise, bestehend aus Gries, Milch und Mehl, gegessen mit Zimt, Zucker und Apfelmus, aber (wie die Österreicher drauf beharren) NICHT vergleichbar mir Milchreis. Ein solches Essen kam für mich als erste Mahlzeit nach so einer Nacht allerdings nicht in Frage :o)

Den restlichen Tag verbrachten wir gemütlich in Luxemburg Stadt, durch den Grund schlendernd, barfuß auf der Wiese liegend, in der Sonne bei 30°, auf dem Kinderspielplatz und beim Eis essen. Das Erstaunlichste dabei war, dass Nichts mehr von dem Dreck und Chaos der letzten Nacht zu sehen war. Nicht ein Becher, nicht eine Scherbe einer zerbrochenen Bierflasche, nicht einmal ein Zigarettenstummel lag mehr irgendwo in den Straßen herum. Es war beeindruckend.

Die zwei Tage waren so lustig, aufregend, sonnig, gesprächsreich, warmherzig, ausgelassen und erschöpfend, dass es mir vorkommt, als wäre ich eine Woche lang im Kurzurlaub gewesen. Ich bin ziemlich froh darüber, dass wir Freiwilligen noch einmal ein so tolles Erlebnis zusammen hatten, bevor innerhalb der nächsten 40 Tage fast alle nach Hause zurück kehren…diese Party muss man erst mal versuchen zu übertreffen!!! Und ich habe gemerkt, wie nötig es mal wieder war, völlig loszulassen und zu feiern...das letzte Mal ist schon verdammt lange her...zu lange!

Das Fotoalbum bei studivz wird diesmal leider noch etwas auf sich warten lassen. Aber es wird kommen!


Fühlt euch gedrückt!

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