Mittwoch, 18. Juni 2008

Mein Midterm-Training

Letzte Woche Montag war es endlich so weit: Das Midterm-Training sollte beginnen. Wie ihr euch sicher erinnern könnt, hatte ich vor meiner Ankunft in Luxemburg ein Pre-Departure-Training, sowie ein On-Arrival-Training nach meiner Ankunft. Nach der Hälfte der zu absolvierenden Zeit im Ausland, findet dann eben ein solches Midterm-Training statt.

Das Training sollte diesmal nicht in Belgien stattfinden, sondern in Luxemburg, genauer gesagt in der sich in portugiesischen Händen befindenden Stadt Larochette (sprich: Laroschätt). Ca. 70% der Einwohner dort sind Portugiesen.
Bereits vor meiner Reise dorthin war ich positiv aufgeregt und freute mich schon sehr, die anderen Freiwilligen endlich wieder zu sehen und 4 Tage von Montag bis Mittwoch mit ihnen zu verbringen.
Da ich zum Training einen großen Karton QUEESCHES mitnahm (der Name der Zeitung, für die ich arbeite), um sie unter den anderen Freiwilligen zu vermarkten, fuhr mich Ender mit Auto zum Training, was ich nur allzu ok fand. Ich konnte später aufstehen, musste nicht mit Bus fahren…perfekt.

Zum Training in der Jugendherberge angekommen gab es das übliche Prozedere: Herzliche Begrüßung untereinander, im Kreis sitzen, noch einmal eine Vorstellungsrunde für die drei neuen Teilnehmer und natürlich die Vorstellung der drei Trainer Georges (lustiger Spanier, der mich nur noch mit „Schwester“ ansprach, nachdem er festgestellt hatte, dass ich genauso viel essen kann, will und muss wie er), Mark (luxemburgischer Kotzbrocken) und Jan (zurückhaltender Belgier, guter Zuhörer, sehr tiefsinnig).
Wie immer ging alles spielerisch vonstatten. Ob wir über uns erzählen mussten, über unsere Arbeit bei unserem Projekt oder unser Leben in Luxemburg, es war immer in Spiele eingebunden, die lustig und auch für 26järige absolut aushaltbar waren, sofern man sich einfach mal darauf einließ, dass man hier noch mal Schulkind sein darf. Das Wichtigste war, dass die Spiele uns wach hielten.

Unsere Gruppe war mittlerweile geschrumpft von 28 auf überschaubare 16 Freiwillige, die noch übrig waren. Dadurch entstand ein viel wärmeres, intimeres Klima, man hatte Zeit für jeden und ging nicht in der Menge unter. Dadurch, dass wir uns alle schon kannten, wurde auch alles leichter. Man kam sofort ins Gespräch und ich hatte den Eindruck, als wären alle Freiwilligen nach 4 bis 9 Monaten des auf-sich-allein-gestellt-Seins im Ausland erwachsener geworden, mutiger und selbstbewusster und niemand war mehr verschlossen oder schüchtern. Noch dazu hatten die meisten Freiwilligen ein paar Brocken deutsch gelernt, andere konnten jeder deutschen Unterhaltung folgen, jedoch noch nicht deutsch reden, was ein enormer Fortschritt ist, wenn man bedenkt, dass sie vorher nie deutsch in der Schule gelernt haben.

Da wir furchtbar gutes, heißes Wetter hatten, viel die Abendplanung der Trainer für den Regen-Fall aus und wir suchten uns selbst Beschäftigungen. So verschlug es uns am ersten Abend, nach dem Auffrischen der Freundschaften, an den einzigen öffentlichen Platz in Larochette, wo mit einer großen Leinwand zum Public Viewing, also zum gemeinschaftlichen Fußball Gucken eingeladen wurde. Es spielte Italien gegen Niederlande, die Stimmung an meinem Tisch war heiter und die Nationalitäten bunt: Ein Pole, ein Grieche, ein Italiener, ein Österreicher, ein Spanier und mit mir zwei Deutsche. Der einzige, dessen Stimmung sich zusehends verschlechterte, war Liam, der Italiener, der ab dem 3:0 für die Niederlande nur noch schwieg.

Was haben wir sonst besonderes getan? Ohne jetzt noch den Wochentag zuordnen zu können, bekamen wir von den Trainern jede Menge Aufgaben zu bewältigen. So mussten wir zum Beispiel unsere Rolle in unserem Freiwilligenprojekt in Form einer Statue darstellen, bestimmte Bilder zeichnen (wie etwa ein eigenes Wappen) oder uns in verschiedenen Gruppen über verschiedene Erfahrungen austauschen, was ich als sehr hilfreich empfand. Am entspannendsten war jedoch eine andere Aufgabe: Jeder bekam ein großes weißes Blatt und verschieden farbigen Kunstsand zu Verfügung gestellt, um mit diesem Sand das eigene Projekt darzustellen. Man konnte kreativ sein und in sich gehen und konnte über alles einmal Klarheit gewinnen. Dafür kam sich noch einmal wie im Kunstunterricht vor.

Generell ist man sich im Laufe des Training über Dinge bewusst geworden, über die man zuvor nicht nachgedacht hatte. So redeten wir zum Beispiel über den sogenannten Kulturschock, den jeder von uns erfahren hat und wie sich dies bemerkbar machte, wir mussten zusammentragen, was als typisch luxemburgisch kennengelernt haben und wir tauschten uns aus, wer wo schon war, wer wo noch hin möchte und was empfehlenswert ist zu sehen.
Dabei entstanden jetzt sogar Gruppen von Freiwilligen, die in Zukunft etwas zusammen unternehmen werden. Zum Beispiel ist noch ein Ausflug in einen der luxemburgischen Abenteuerparks geplant, wo man sich dann an Hochseilakten und anderen spaßigen und angsteinflößenden Aktivitäten erfreuen kann. Ich werd natürlich mit dabei sein….Mutprobe ich komme! :o)
Nächstes Wochenende findet dann zum einen ein Musikfestival in Belgien statt, wo einige von uns hingehen werden, zum anderen verbringen wir am Montag den luxemburgischen Nationalfeiertag miteinander. Es ist etwas schade, dass wir erst so kurz vor dem Ende anfangen, gemeinsame Aktivitäten zu planen, aber man braucht im Ausland eine lange Orientierungszeit und Eingewöhnungsphase, bis man schnallt, was man als Freiwilliger mit anderen Freiwilligen alles unternehmen kann. Aber besser spät als nie…

Weiter erwähnenswert sind noch das Lagerfeuer einschließlich Holzsammeln und –verkleinern (à siehe lustige Fotos bei studivz), sowie der grandiose „Türkische Abend“. Unsere zwei türkischen Freiwilligen (beide schon Ende 20 und beide haben schon viel im Bereich Organisation in der Türker gearbeitet), haben einen Abend organisiert, der ganz in dem Zeichen der Türker stehen sollte: die Farben, das Essen, die Musik bis hin zur Präsentation. Ich hatte mir diesen Abend schon besonders vorgestellt, aber die Realität übertraf meine Vorstellung bei weitem. Der Türkische Abend fand in einem großen Saal statt mit 4 langen, weißen Tafeln, rot-weißer, sehr hübscher Tisch-Deko, Luftballon mit Türkei-Flagge, einer großen Bühne mit Leinwand, Flyern extra für den Abend, Reise- und Infobroschüren über die Türkei…die Veranstaltung ließ nichts zu wünschen übrig, um uns das Land näher zu bringen.
Außer einer Tafel mit uns Freiwilligen, waren die anderen Tische mit Leuten im Rentenalter besetzt, mit denen die beiden Türken im Zuge ihres Projektes zusammen arbeiten. Während der gefühlten einstündigen Präsentation der Geschichte der Türkei, verhungerten manche beinah. Das Resultat war, dass innerhalb von 2 Minuten das servierte Brot gegessen war, bevor die dazugehörige Suppe serviert wurde :o)
Die Hauptspeise war für meinen Geschmack wieder zum dahin schmelzen, das Dessert dafür überhaupt nicht nach meinem Geschmack, aber man kann ja nicht alles haben. Alles in Allem war dieser Abend einer der lustigsten, die ich je erlebt habe, was zum größten Teil an der Gesellschaft der beiden Freiwilligen Paul und Liam lag, in denen ich zwei gute Freunde gefunden habe. Bei der Diskussion über die Blödsinnigkeit der luxemburgischen Sprache tränten mir die Augen und schmerzte mir der Bauch vor Lachen.
Ohne die Gesellschaft der anderen Freiwilligen (und Maria) wäre mein Aufenthalt in Luxemburg bis jetzt nicht das geworden, was er geworden ist und ich hätte nur wenig Freude daran gehabt, hier zu leben. Schade nur, dass die Zeit mit den neu gewonnen Freunden jetzt schon wieder fast vorbei ist…auf dem Training ist mir bewusst geworden, dass ich sie sehr vermissen werde.


Euch vermiss ich natürlich auch :o) Ich hab euch lieb
Sandra


Fotoalbum wie findet ihr wie immer auf studivz!

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